<p>Der CSS-Hauptsitz in der Tribschenstadt.</p>
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Noch ist man beim Thema Hausverschiebung zu keiner Lösung gekommen. (Bild: zvg )

Verschiebung des CSS-Hauses in Luzern Bund hält fest: Denkmäler sollten nicht versetzt werden

5 min Lesezeit 2 Kommentare 13.09.2020, 05:00 Uhr

Gemäss den Leitlinien des Bundes sollten Denkmäler grundsätzlich nicht verschoben werden. Für den Heimatschutz des Kantons Luzern liegt beim CSS-Gebäude an der Tribschenstrasse aber eine spezielle Situation vor.

Für die FDP der Stadt Luzern ist klar: Verschiebungen von Gebäuden sind grundsätzlich «machbar». In einer Interpellation setzt sich FDP-Grossstadtrat Fabian Reinhard für die Idee des Luzerner Anwaltes Jost Schumacher ein. Dieser will das Haus aus der frühen Moderne auf eigene Kosten versetzen lassen (zentralplus berichtete). Für die Stadtluzerner FDP liessen sich mit einer Verschiebung der Erhalt von Arbeitsplätzen und der sorgsame Umgang mit dem baukulturellen Erbe «perfekt» auf einen Nenner bringen.

Der Chefredaktor der Luzerner Zeitung schreibt in einem Kommentar gar von einem «spektakulären Plan» und einer «genialen Idee». Es seien schon weit grössere  Gebäude an komplexeren Standorten verschoben worden. Die vorgeschlagene Lösung produziere «ausschliesslich Gewinner».

Translokation nur «in Extremfällen» vertretbar

Aber so einfach ist die Sache dann doch nicht. Grundlegendes zum Thema lässt sich nämlich den «Leitsätzen zur Denkmalpflege in der Schweiz» des Bundesamtes für Kultur entnehmen. Darin hält Leitsatz 5.7 klipp und klar fest: «Denkmäler sollen nicht versetzt werden». Ein Denkmal sei «in Entstehung, Weiterentwicklung und heutiger Wirkung» durch seinen ursprünglichen Bauplatz und dessen Umgebung bedingt: «Es darf in der Regel nicht davon entfernt und andernorts wieder aufgebaut werden.» Nur in Extremfällen sei eine Translokation zu vertreten. Und bei Bautypen, die traditionellerweise versetzt wurden, sei «fallweise eine differenzierte Beurteilung» erforderlich.

«Verschiebung verändert Situationswert»

Patrick Schoeck vom Schweizer Heimatschutz äussert sich nicht zum konkreten Fall des CSS-Gebäudes. Diese Thematik falle in den Bereich der lokalen Sektion. Als Leiter Baukultur des Schweizer Heimatschutzes hält Schoeck aber die grundsätzliche Haltung seiner Vereinigung in Sachen Verschiebung von Baudenkmälern fest.

«Die Verschiebung oder der Wiederaufbau eines Baudenkmals verändert den Situationswert eines Gebäudes stark bis vollständig», erklärt Schoeck. Gebäude würden für einen und an einem Standort entworfen und erstellt. Die Architekten oder Erbauer gingen beim Bau auf die besonderen räumlichen und städtebaulichen Strukturen des Bauplatzes ein. Ebenso präge ein Bau an seinem Standort auch die bestehende Umgebung. 

Zuerst alle Optionen am jetzigen Standort prüfen

Eine Verschiebung bringe damit auch eine Lücke mit sich, die Auswirkungen am Standort selbst habe. «Dass eine mit hohen Kosten verbundene Verschiebung oder ein Wiederaufbau überhaupt erst angedacht wird, zeigt zunächst einmal, dass ein Bauwerk  Aufmerksamkeit geniesst und von Menschen als wertvoll betrachtet wird.»

Entsprechend gelte es, zuerst sämtliche Optionen zu prüfen, die einen Erhalt eines wertvollen Baudenkmals an seinem Standort ermöglichen. «Die Verschiebung oder der Wiederaufbau ist die letzte denkbare Option, um zumindest die Bausubstanz für die Nachwelt zu erhalten.»

Spezielle Entstehungsgeschichte

Für den Heimatschutz des Kantons Luzern liegt beim CSS-Gebäude an der Tribschenstrasse aber eine spezielle Situation vor. Rainer Heublein, Präsident des Innerschweizer und Luzerner Heimatschutzes, betont auf Anfrage, dass für seine Sektion grundsätzlich dieselbe Haltung gelte, wie sie Patrick Schoeck dargelegt habe.

Die Entstehungsgeschichte des CSS-Gebäudes sei aber speziell. Nach dem Brand des Vorgängergebäudes habe der Architekt Carl Mossdorf den Neubau dieses Gewerbehauses noch unabhängig von einem konkreten Standort entworfen. Es sei einzig darum gegangen, den Handwerkern in allerkürzester Zeit wieder ihre Werkstätten zur Verfügung zu stellen.

Gebäude stand anfänglich ziemlich alleine

Als Standort habe man in der Folge das in jener Zeit noch als «Tribschenmoos» bezeichnete Tribschengebiet gewählt, nachdem dieses damals neu als Gewerbegebiet eingezont worden war. Deshalb sei das Gebäude anfänglich wie ein Solitär ziemlich alleine gestanden. «Das Gebäude stand nie in einem Kontext zu einer bestehenden Struktur. Diese Solitärfunktion kann das Gebäude wieder erlangen.»

Hinzu komme, dass die Entwicklung der Tribschenstadt den Erhalt dieses Gebäudes seit 20 Jahren verweigert und ignoriert habe. Immerhin wäre der Erhalt des Gebäudes am bisherigen Standort aber doch eine «sehr willkommene Zäsur in einer äusserst monoton geplanten überlangen Fassadenfront», so Heublein. Andererseits könnte am nun vorgeschlagenen Standort eine neue räumliche Situation entstehen, bei der das Gebäude «die jetzige Präsenz behält.»

«Da wir den jetzigen Standort als äusserst bedroht anschauen, sind wir kompromissbereit.»

Rainer Heublein, Präsident Innerschweizer und Luzerner Heimatschutz

Rainer Heublein fasst die aktuelle Ausgangslage – und damit auch das Dilemma – folgendermassen zusammen: «Da wir den jetzigen Standort als äusserst bedroht anschauen, sind wir kompromissbereit.» Heublein findet, dass möglichst alle gewinnen sollten. «Die CSS kann Ihre Erweiterung praktisch ohne Einschränkung verfolgen und für die Öffentlichkeit ein Wahrzeichen setzen.» Die Stadt Luzern könne durch Abtreten von marginalen Parzellen beweisen, dass ihr die Baukultur der Moderne wichtig sei. Zentral sei schliesslich, dass dieses Gebäude der Nachwelt erhalten bleibe.

Verschiebung immer bloss als letzte Möglichkeit

Cony Grünenfelder, Denkmalpflegerin des Kantons Luzern, verweist auf Anfrage darauf, dass das Gewerbegebäude an der Tribschenstrasse einerseits im kantonalen Bauinventar als schützenswertes Objekt eingetragen. Andererseits ist es im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ISOS als Einzelobjekt mit dem höchsten Erhaltungsziel A belegt: «Ausserdem zeigen zwei Fachgutachten auf, dass es sich beim Gewerbegebäude um einen Pionierbau des Neuen Bauens in der Zentralschweiz handelt.»

Eine Verschiebung bedeute immer die letzte Möglichkeit eines möglichen Erhalts, sagt Grünenfelder: «Das Kantonsgericht kam in seinem Urteil im Juli 2020 zum Schluss, dass das Gewerbegebäude abgerissen werden kann. Im vorliegenden Fall könnte somit eine Verschiebung des Gewerbegebäudes allenfalls diesen einzigartigen Zeugen der Moderne vor der Zerstörung bewahren.»

Gebäude darf nicht aus dem Kontext gerissen werden

Voraussetzung für eine Verschiebung sei natürlich, dass eine städtebaulich überzeugende Lösung gefunden wird, welche das Gewerbegebäude nicht aus dem Kontext reisst.

Das Gewerbegebäude sei in den 1930er-Jahren am heutigen Standort erbaut worden: «Es wurde also noch nie verschoben. Technisch sollte aufgrund der Konstruktion des Gewerbegebäudes eine Verschiebung möglich sein.» es wäre auch nicht die erste Verschiebung im Kanton (zentralplus berichtete).

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2 Kommentare
  1. Daniel A, 13.09.2020, 10:52 Uhr

    Das Gebäude ist nicht postmodern, sondern der Architekturrichtung der «Moderne» zurechenbar, genauer wohl der «Neuen Sachlichkeit».

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    1. Redaktion Christian Bucher, 13.09.2020, 12:31 Uhr

      Herzlichen Dank für den Hinweis. Wir haben den betreffenden Teil angepasst.

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