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Bürgenstock: Was geht da eigentlich für eine halbe Milliarde?
  • Wirtschaft
Das «Palace» auf dem Bürgenstock ist bereits wieder geöffnet und erinnert an die goldenen Zeiten, als Sean Connery und Sophia Loren auf dem Hotelberg zu Gast waren. (Bild: zvg/flickr Montage zentralplus)

Im renovierten Hoteldorf erwacht das Leben Bürgenstock: Was geht da eigentlich für eine halbe Milliarde?

4 min Lesezeit 16.05.2017, 14:37 Uhr

Nach jahrelangen Bauarbeiten wird im Sommer das Bürgenstock Resort eröffnet – über eine halbe Milliarde Franken steckte der katarische Staatsfonds in Renovation und Erweiterung. zentralplus hat sich auf der Baustelle oberhalb des Vierwaldstättersees umgesehen – und ist auf Türen gestossen, die bereits geöffnet sind.

Das Bürgenstock Resort wird ein Ort der Superlative: 30 Gebäude total, vier Hotels im Drei- bis Fünf-Sterne-Bereich. Es umfasst zahlreiche Luxus-Suiten, einen riesigen Wellness-Tempel, ein Konferenzzentrum, 12 Bars und Restaurants und ein breites Freizeitangebot, das vom Shopping über Kino bis zu Sporteinrichtungen (Tennis, Eisfeld, Golfplatz) reicht. Und es will überdies ein Ausflugsort für 100’000 bis 150’000 Tagesgäste jährlich werden.

«Wir wollen im August eröffnen.»

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Raphael Amrein, Mediensprecher

Derzeit ist man von Glanz und Gloria aber noch ein Stück entfernt. Die Strasse von Stansstad nach Obbürgen wird ausgebaut und ist mit Baustellen und Wartezonen übersät. Kleinlaster, welche Handwerker und Material ins Resort bringen, stauen sich an den Ampeln. An der Schiffstation in Kehrsiten liegen Nauen. Arbeiter werkeln auch dort an einer verbesserten Erreichbarkeit des Hoteldorfs.

Jobs für 800 Angestellte

Schliesslich sollen bald nicht nur die Hotelgäste und Ausflügler auf den Bürgenstock kommen, sondern auch mehrere Hundert Angestellte. Das Resort wird zweitgrösster Arbeitgeber im Kanton Nidwalden – nach den Pilatus-Flugzeugwerken. Dereinst sollen 800 Angestellte für das Wohl der Gäste in den 383 Hotelzimmern, den Appartements und Einrichtungen sorgen.

Übersicht über das Bürgenstock Resort, Stand März 2017.

Übersicht über das Bürgenstock Resort, Stand März 2017.

(Bild: zvg)

 

«Wir wollen im August eröffnen. Momentan sieht’s nicht schlecht aus», sagt Mediensprecher Raphael Amrein, der, mit Bauhelm und Warnweste angetan, Journalisten durch die Riesenbaustelle schleust. 

Ab 2500 Franken Miete ist man dabei

Das alte Grand-Hotel aus dem Jahr 1878 ist so gut wie fertig umgebaut und wartet nobel und noch menschenleer auf seine neuen Bewohner. Es beherbergt nun «Residence-Suiten» – luxuriöse Wohnungen mit Hotelservice, die monatlich zwischen 2’500 und 25’000 Franken kosten. An den beiden «Diamond-Domes» – zwei Event- und Sporthallen – mit dazwischenliegendem Aussenplatz nehmen Handwerker die letzten Arbeiten vor, während eine kleine Villensiedlung noch voll im Rohbau steckt. Man will sie gleich so vermieten, die Mieter sollen den Innnenausbau selber bestimmen.

Vom riesigen Spa-Bereich ist aus der Distanz wenig zu sehen, dafür wird am neuen Bürgenstock-Hotel eifrig gearbeitet. Der 5-Sterne-Klotz wird das neue Herzstück der Anlage und ist im Rohbau fertig. Baugerüste werden abgetragen und Gärtner pflanzen Rhododendren im Umgebungsbereich.

Im Wald wird noch länger gebaut

Weiter am Hang gegen Trogen zu treffen wir auf eine riesige Baustelle. Hier entsteht das Wald-Hotel – ein Zwischending zwischen Luxusherberge und Gesundheitszentrum. Im künftigen 5-Sterne-Haus wird viel Holz verbaut – mit Hilfe einer dichten Bepflanzung soll es ausserdem in einigen Jahren mit seiner Umgebung verschmelzen. Es wird das grösste Hotel der Anlage – «aber erst im Herbst fertig», wie Raphael Amrein erklärt. Die Rede ist von November 2017. Auf dem Weg zum Golfplatz passiert man ausserdem zwei voluminöse Personalhäuser, die schon bezugsbereit sind. «Es gibt darin ein Restaurant, Fitness-Einrichtungen und  einen Freizeitbereich», sagt Amrein. 

Es gibt noch viel zu tun, bis im Wald-Hotel betuchte Patienten zur Kur kommen können.

Es gibt noch viel zu tun, bis im Wald-Hotel betuchte Patienten zur Kur kommen können.

(Bild: mam)

Zurück im Kernbereich der Anlage finden sich noch mehr offene Häuser. Das Hotel Taverne – ein Chalet aus dem 19. Jahrhundert – ist bereits in Betrieb und dient mit seinem Restaurant als Rückzugsort zum Mittagessen. Das Drei-Sterne-Hotel mit 13 Zimmern – Übernachtungspreis 135 Franken – dient Amrein als Beweis dafür, dass das Bürgenstock Resort kein exklusiver Luxustempel wird, sondern auch Angebote für das breite Publikum bereithält.

Das Palace wurde im März wiedereröffnet

Auch im Hotel Palace (Baujahr 1904, vier Sterne Superior) brennt Licht. «Generalversammlung» steht auf einem Bauschild und weist zwei Anzugträgern den Weg. Das «Palace», neu unterkellert, aber sonst in altem Glanz wieder auferstanden, ist bereits seit einigen Wochen in Betrieb. «Man kann es aber erst für Events und Veranstaltungen mieten», sagt Raphael Amrein. Die Nachfrage sei «super». «Es ist fast jeden Tag etwas los», sagt der Mediensprecher, der bereits von Buchungen fürs Jahr 2020 zu berichten weiss.

Im Hotel Palace tagen schon Gesellschaften, während an der Zufahrt zum Bürgenstock-Hotel noch Tiefbau-Arbeiten anfallen.

Im Hotel Palace tagen schon Gesellschaften, während an der Zufahrt zum Bürgenstock-Hotel noch Tiefbau-Arbeiten anfallen.

(Bild: mam)

Auch nach den Luxus-Suiten bestehe eine rege Nachfrage. «Es sind vor allem Schweizer, die sich dafür interessieren,» sagt Amrein. Überhaupt sei der Schweizer Markt für das Resort derzeit am wichtigsten. Was natürlich damit zusammenhängt, dass mit den 100’000 bis 150’000 Ausflüglern, die jährlich auf den Bürgenstock pilgern, auch viele potentielle Kunden durchs Resort spazieren. Die Bergstation der Bürgenstock-Bahn ist ins Bürgenstock-Hotel integriert und alle Angebote im Hoteldorf (Spa, Kino, Gastronomie) sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Schiffbauer rekonstruieren das Bähnli

Oder besser: werden zugänglich sein. Denn das Trassee der Bürgenstockbahn wurde zwar auf Vordermann gebracht, die historische Standseilbahn wird aber im Moment noch von der Shiptec AG – eigentlich die Werft der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees in Luzern – nachgebaut. In den fahrplanmässigen Einsatz kommt sie ab 1. August. Früher weitet das Postauto von Stansstad auf den Bürgenstock seinen Betrieb aus: Es fährt ab 1. Juli neu zwanzig Mal, statt wie bisher zehn Mal auf den Bürgenstock, im Bereich des Resorts werden vier neue Haltestellen geschaffen.

Bauarbeiten in Kehrsiten-Station. An der Talstation der Bürgenstockbahn ist ein kleines Museum geplant.

Bauarbeiten in Kehrsiten-Station. An der Talstation der Bürgenstockbahn ist ein kleines Museum geplant.

(Bild: mam)

 

 

 

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