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Bürgenstock-Resort: «Dann hätte Katar nicht investiert»
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Aussensicht des 5-Sterne-Parkhotels mit Bürgenstock-Bahn (Bild: zvg)

Renaissance der Luxushotellerie Bürgenstock-Resort: «Dann hätte Katar nicht investiert»

4 min Lesezeit 10.12.2013, 17:39 Uhr

Während in Andermatt das Luxusresort «Chedi» Eröffnung feiert, ist man auf dem Bürgenstock, dem zweiten neuen Zentralschweizer Hotel-Grossprojekt, noch nicht so weit. Vor der Fertigstellung sind noch 300 Millionen Franken zu verbauen. Immerhin konnte im lange andauernden Nachbarschaftsstreit inzwischen eine Einigung erzielt werden.

Für einmal möchten die Zentralschweizer Touristiker das Rad der Zeit zurückdrehen. Zurück in die Zeit ab 1840, als gutbetuchte Gäste aus aller Welt das Reisen entdeckten und die 5-Sterne-Häuser an Luzerns Seepromenade entstanden. Bauwerke, die heute in der Lobby eines der grossen Luxushäuser der Welt Platz fänden, wie es Bruno H. Schöpfer plakativ ausdrückt. Der gebürtige Schüpfheimer gilt als einer der bekanntesten Hotelmanager der Schweiz, führte als CEO die Mövenpick-Gruppe und ist derzeit als Managing Director der Katara Hospitality Switzerland AG unter anderem für den Bau des Bürgenstock Resorts verantwortlich.

Zurück auf die Titelseiten

«Mit Leuchtturm-Projekten wie dem Chedi in Andermatt oder dem Bürgenstock bringen wir unsere Region wieder auf die Titelseiten», sagte der 57-jährige Schöpfer an einem von Luzern Tourismus durchgeführten Expertengespräch. «Wir waren Ende des letzten Jahrhunderts Spitze, und langsam kommen wir in der Zentralschweiz wieder in diese Richtung.»

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Doch wie läuft es bei seinem eigenen Projekt, dem Bürgenstock Resort? Der Bau des 500-Millionen-Komplexes geriet diesen Sommer ins Stocken, nachdem ein Streit mit der vormaligen Besitzerfamilie Frey aufbrach und durch mehrere Einsprachen blockiert wurde. «Wir konnten mit Peter Frey in der Zwischenzeit eine globale Einigung erzielen», erklärt Schöpfer. Jetzt könne unter anderem das Aushubmaterial auf dem Golfplatz deponiert werden, was gegen 10’000 Lastwagenfahrten einspart.

Aktuelle Hotel-Grossprojekte

Andermatt Swiss Alps: 1,8 Milliarden Franken
The Bürgenstock Selection: 485 Millionen Franken
Park Hotel Vitznau: 270 Millionen Franken
Frutt Lodge & Spa; Hotel Melchsee, Melchsee-Frutt: 103 Millionen Franken
Chateau Gütsch: 70 Millionen Franken (sistiert)
Campus Hotel Hertenstein: 80 Millionen Franken
Superior-Hotel Kurpark, Engelberg: 100 Millionen Franken

Zwar hätte man inzwischen 70 der nötigen 74 Baubewilligungen beisammen. Doch noch fehlen zwei wichtige Puzzlestücke: Einerseits die Bewilligung für das 10’000 Quadratmeter grosse und drei Pools umfassende Spa. Und andererseits ist auch der Gestaltungsplan für das 5-Sterne-Hotel Park, das mit 110 Zimmern als Herzstück der Anlage gilt, noch nicht freigegeben. «Wir haben ein Jahr und eine Millionen Franken in die nötigen Gutachten investiert», erklärt Bruno H. Schöpfer.

Nationale Gesetzgebung als Hürde

Der Plan ist laut Mediensprecher Roland Joho seit dem 7. Dezember bei der Gemeinde Ennetbürgen aufgelegt, fünf Umweltverbände seien konsultiert worden. Schöpfer wie Joho erwarten eigentlich keine weiteren Einsprachen. Mit dem Bau könne es weitergehen. Eine gute Kommunikation und früher Miteinbezug wird vom Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee und dem Verkehrsclub der Schweiz auf Anfrage denn auch bestätigt.

Dennoch: Der Bau eines grossen Hotels in der Schweiz sei schon sehr schwierig, heisst es von den Betreibern an der Expertenrunde unisono. Diese Erfahrung machte auch Toni Bucher, CEO der Eberli Sarnen AG. «Wir hatten bei unseren Hotels auf der Melchsee-Frutt zu Beginn eine Einsprachenflut. Und dann kommt noch jedes Amt, das seinen Senf dazu geben will.» Und Schöpfer ergänzt: «Wenn die Investoren aus Katar das gewusst hätten, hätten sie nicht investiert.» Anders als Bucher sieht er jedoch vor allem die nationale Gesetzgebung als Hürde. «Die kantonale Regierung steht voll hinter dem Projekt, und dennoch investiere ich die Hälfte meiner Zeit in die Bewilligungsverfahren».

Weitere Aufträge vergeben

Zuletzt kamen für den Bürgenstock die Baubewilligungen für die Driving Range auf dem Golfplatz sowie für die Energiezentrale dazu. Damit liegen nun 70 der 74 nötigen Baubewilligungen vor. Das Datum für die Fertigstellung bleibt weiterhin ungewiss, nachdem man zu Beginn noch von 2014 und 2015 sprach. «Ich war damals zu optimistisch», gesteht Schöpfer. Immerhin konnten laut Mediensprecher Ronald Joho in den letzten drei Monaten Aufträge im Umfang von 20 Millionen Franken an das lokale Gewerbe vergeben werden. «Doch noch sind 300 Millionen Franken zu verbauen», erklärt Bruno H. Schöpfer gegenüber zentral+.

Dass der Tourismus Zyklen und Krisen unterworfen ist, mussten schon viele Hoteliers erfahren. «Wir sprechen von einem langfristigen Geschäft, in dem keine schnellen Renditen möglich sind», erklärt Marc Sontag, Leiter Destination Operations der Andermatt Swiss Alps. «Es wird in Andermatt mehr als 10 Jahre dauern, bis das ganze Projekt fertiggestellt ist.»

Bis zu 10’000 Tagesgäste erwartet

Ausdauer bringt auch Katara Hospitality auf dem Bürgenstock mit. Das Resort besteht neben dem 5-Sterne-Hotel aus dem 4-Sterne-Haus Palace (115 Zimmer) sowie dem Waldhotel, das für die Gäste in den 160 Zimmern ein medizinisches Wellness-Angebot bereit hält. In der Residence entstehen im Gründerhotel von 1873 (Grandhotel) und drei neuen Gebäuden Suiten. «Wir wollen kein reines Luxushotel bauen, um konzeptionell auch gegen Krisenzeiten gewappnet zu sein», begründet Schöpfer sein Betriebskonzept.

Neben Hotelgästen im 4- und 5-Sterne-Bereich setze man auf die Durchführung von Kongressen, auf Suitenbesitzer und Erholungskuren für Privat- und Allgemeinversicherte. Genauso wichtig für ein tragfähiges Konzept seien aber auch Tagesgäste im Spa, Hundebesitzer oder Familien, die man über die neu erstellte, 4,3 Kilometer lange Strasse, aber auch via Schiff und Hammetschwandlift und Bürgenstockbahn auf die 500 Meter über dem Vierwaldstättersee gelegene Höhenterrasse bringen will. Packetangebote und eine Überraschung auf dem Felsenweg sollen bis zu 10’000 Tagesgäste anlocken.

Mitarbeit: Alain Brunner

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