Buchhandel im Aufwind: Corona hat uns zu Leseratten gemacht
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Buchhändler Jörg Duss von der Hirschmatt-Buchhandlung in Luzern blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft. (Bild: jwy)

Luzern und Zug lesen sich durch die Krise Buchhandel im Aufwind: Corona hat uns zu Leseratten gemacht

5 min Lesezeit 11.01.2021, 18:25 Uhr

Das E-Book hat’s nicht geschafft, dem Buchhandel den Garaus zu machen – und die Coronakrise (bisher) auch nicht: Die Buchhandlungen in Luzern und Zug verzeichneten im letzten Jahr zwar Rückschläge, generell hat das Buch in der Krise aber an Bedeutung dazugewonnen.

Nach den harten Monaten während des Lockdowns zeichnete sich bis zum Herbst ein versöhnlicheres Bild: Die Buchläden erlebten eine stetige Zunahme an Verkäufen – online wie auch im Laden selbst (zentralplus berichtete). Viele Buchhändler legten ihre Hoffnungen auf das Weihnachtsgeschäft – und können nun eine einigermassen positive Bilanz ziehen.

So auch die Hirschmatt-Buchhandlung in Luzern. Für den Geschäftsführer Jörg Duss ist das nicht weiter erstaunlich: «Es wird seit Frühling generell wieder etwas mehr gelesen – kein Wunder, wenn man abends nicht in den Ausgang gehen kann», sagt er auf Anfrage. Grundsätzlich sei auch der Winter «sehr befriedigend» verlaufen. Auffällig sei gewesen, dass der Weihnachtsverkauf vergleichsweise früh begonnen habe. «Offensichtlich aus Angst, die Läden müssten Mitte Dezember dichtmachen», so Duss.

Mit dem Buch gegen den Alltag

David Bucher, Marketingleiter der Buchhandlung Lüthy Balmer Stocker, die auch Filialen in Luzern und Zug betreibt, kann sich die Freude am Buch gut erklären. «Ein Buch tut gut. Mit einem Buch kann man sowohl in eine andere Welt abtauchen – als auch sich über aktuelle Themen informieren.»

Und wegen des Lockdowns und den ausbleibenden Freizeitaktivitäten hätte man nun auch mehr Zeit zur Verfügung gehabt. Zeit, die man vielleicht auch gerne abseits eines Fernsehers verbringen möchte. Und Bücher haben ein universelles Publikum in allen Altersklassen. «Bücher sind auch ideal, um Kinder zu beschäftigten», so Bucher weiter.

Obama, Schweizer und Köche waren begehrt

Doch was lag denn so unter dem Weihnachtsbaum der Luzerner und Zuger? Vor allem die üblichen Verdächtigen: Romane. Heuer waren es besonders Werke der Schweizer Autoren Charles Lewinsky, Silvia Götschi und Ueli Habegger. Auch Sachbücher wie Obamas Biografie oder Werke über das Frauenstimmrecht und Kinderbücher seien begehrt gewesen, teilen die Buchhändler mit.

Und gemäss Duss sind auch Kochbücher besonders beliebt. «Wahrscheinlich, weil vermehrt zu Hause gekocht wird», vermutet er – oder weil Spitzenköche wie Andreas Caminada und Tanja Grandits neue Kochbücher veröffentlicht haben.

Online boomt – der Laden aber auch

«Es gibt vermehrt Online- und Mail-Bestellungen», sagt Duss. Die Mehrheit der Leute würden die Ware dann aber im Laden abholen. Auch David Bucher freut sich über die Laufkundschaft. «Im Laden nimmt man gerne noch ein Buch mehr mit als im Webshop.» Trotzdem habe letzterer über den Lockdown hinaus stark an Zuwachs gewonnen.

Lüthy Balmer Stocker hat die Lockdown-Zeit genutzt, um das Unternehmen zu «digitalisieren», wie Bucher sagt. So habe man den hauseigenen Instagram-Kanal ausgebaut und Autoren-Lesungen oder Online-Beratungen angeboten, um den Kontakt zur Kundschaft nicht zu verlieren.

E-Book bleibt eine Nische

Als vor einigen Jahren die E-Books auf dem Markt erschienen, prophezeiten manche Stimmen den Untergang des gedruckten Buches – ein Szenario, das nach wie vor nicht eingetroffen ist. «E-Books haben etwas zugenommen, der Anteil gegenüber dem gedruckten Buch bleibt aber sehr klein», sagt Duss. Der Anteil bewege sich im deutschsprachigen Raum im einstelligen Prozentbereich.

Eine Tatsache, die auch Bucher von Lüthy Balmer Stocker bestätigt. «Das E-Book hat seine Leserschaft gefunden, wächst aber nicht signifikant weiter.» Für Bucher stehen sich die beiden Formate aber nicht als Konkurrenz gegenüber. «Es ist ein Miteinander», sagt er.

Es muss nicht immer neu sein

Dass Bücher nicht nur eingeschweisst und frisch auf dem Bestseller-Stapel begehrt sind, beweist auch die Bücher-Brocky in Luzern. Das Geschäft feiert diesen Februar sein 25. Jubiläum und blickt auf ein schwieriges Jahr zurück, wie Geschäftsführer Beat Roos auf Anfrage erklärt. «Aber wir konnten in den letzten Monaten wieder aufholen. Beklagen können wir uns nicht.»

Das Weihnachtsgeschäft ist für die Bücher-Brocky aber weniger relevant. «Wir sind eher ein Anti-Trend-Geschäft», so Roos. Das liege auch daran, dass Leute zu Weihnachten lieber unverbrauchte Ware verschenken.

«Buchverkäufe sind häufig ein Abbild des Zeitgeschehens.»

Beat Roos, Geschäftsführer Bücher-Brocky

Trotzdem sei das Medium Buch während des Corona-Jahrs beliebter geworden. «Wir haben festgestellt, dass auch vermehrt junge Leute in unseren Laden gekommen sind.» Wer schon einmal in der Brocky gewesen ist, weiss, dass man hier nicht für den schnellen Einkauf herkommt. Die Bücher sind nur rudimentär sortiert, das Motto «Wer sucht, der findet» regiert. Aber genau das mache auch den Reiz aus. «Die Leute können bei uns auch etwas abschalten.»

Gebraucht oder neu, an den Interessen der Kunden ändert das wenig. So gingen in der Bücher-Brocky ebenfalls vor allem Krimis, Koch- und Kinderbücher über die Ladentheke. «Dafür kaum Reise-Bücher», so Roos. «Buchverkäufe sind häufig ein Abbild des Zeitgeschehens.»

Vorsichtiger Optimismus für die Zukunft

Im Gegensatz zu anderen Branchen kam der Buchhandel also vergleichsweise noch einmal glimpflich davon. Eine Restsorge bleibt dennoch: «Wir hoffen, dass kein Shutdown erlassen wird», sagt Duss von der Hirschmatt-Buchhandlung. Aber selbst wenn: «Wir haben den Frühling mit dem Versand per Post und Velokurier auch einigermassen akzeptabel überstanden.» Im Falle eines weiteren Lockdowns würde Duss noch eine Abholstation in Form eines Take-aways einrichten.

Auch David Bucher ist zufrieden – den Umständen entsprechend. «Die fehlenden Sonntags- und Abendverkäufe konnten wir nicht kompensieren.» Man musste sich mit weniger zufrieden geben. «Aber das geht im Moment vielen so.» Trotzdem sei man froh gewesen, im Dezember die Läden geöffnet haben zu können. «Der Dezember ist unser wichtigster Monat.» Und das hat sich ausbezahlt: «Wir haben sehr viel Sympathie und Solidarität erfahren», so Bucher. Abschliessend kann er sagen: «Das Buch hat in der Krise wieder an Bedeutung gewonnen.»

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