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Bucherer & Co serbeln – der Stadt droht Loch in der Kasse
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Waren 2016 nicht mehr besonders beliebt: Ein Mann schaut auf seine Luxusuhr. (Bild: Emanuel Ammon/AURA )

Verkauf in Luzerner Uhrengeschäften eingebrochen Bucherer & Co serbeln – der Stadt droht Loch in der Kasse

5 min Lesezeit 20.02.2017, 05:49 Uhr

Der Stadt Luzern drohen unvorhergesehene Steuerausfälle von mehr als einer Million Franken – aufgrund der Krise in der Uhrenbranche. In der Stadt wurde schon um weit weniger Geld gestritten. Bei der Stadt relativiert man die drohenden Steuerausfälle.

Die Verkaufszahlen im Uhren- und Schmuckhandel sind eingebrochen. 2016 war ein regelrechtes Krisenjahr für das Uhrenbusiness, sowohl im Export als auch hierzulande. Das könnte für Luzern ungemütlich werden: Die Branche ist der drittgrösste Steuerzahler unter den städtischen Wirtschaftszweigen (siehe Tabelle). Durch die Schlappe im Uhrenverkauf könnte plötzlich Geld in der Stadtkasse fehlen.

Europaweit sind die Verkäufe von Luxusmarken eingebrochen. Beispielsweise sank 2016 der Absatz von Richemont-Uhren in Europa um 17 Prozent, der Gewinn des Luxuswarenherstellers halbierte sich. Der Gewinn der Swatch Group, zu der die Luxusmarken Omega, Longines und Breguet gehören, brach sogar um 52 Prozent ein. Diese Luxusuhren sind auch Teil der Sortimente in Luzerner Geschäften.

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Geschäfte vermissen Chinesen

Ein Brancheninsider, der nicht namentlich genannt werden will, bestätigt gegenüber zentralplus den Einbruch der Uhrenverkäufe in Luzern. «Das ist ein gesamteuropäisches Phänomen – da ist Luzern keine Ausnahme.» Grund für die Flaute im Uhrengeschäft seien vor allem die ausbleibenden Touristen aus China.

«Jeder Steuerausfall schmerzt uns, vor allem, wenn grosse und ansonsten regelmässige Steuereinnahmen plötzlich ausbleiben.»

Martin Merki, Finanzdirektor ad interim

Dem stimmt Jürg Stettler, Professor und Vizedirektor des Tourismusinstituts der Hochschule Luzern (HSLU), zu: «Es besteht in Luzern ein Zusammenhang zwischen der Frequenz asiatischer, speziell chinesischer, Touristen und der Kundenfrequenz in den Uhrengeschäften.» Die Anzahl chinesischer Touristen, basierend auf den Zahlen von Hotelübernachtungen, sank von November 2015 bis November 2016 um rund 15 Prozent. Dabei sei anzunehmen, dass das Gruppenreisen-Angebot für chinesische Touristen heuer weniger genutzt wurde – für die Uhrengeschäfte ein herber Verlust. Denn: «Die Gruppenreisen sind für einen grossen Teil der Kundschaft in den Luzerner Luxusgeschäften verantwortlich», so Stettler.

Mit den rückläufigen Verkaufszahlen verbunden ist logischerweise auch der Gewinn: Der Branchenkenner gibt an, man müsse bei den Uhrengeschäften – speziell auch beim «Riesen» Bucherer – mit einer Gewinneinbusse von rund 20 Prozent rechnen. Offizielle Geschäftszahlen wollten die Uhrenläden auf Anfrage nicht bekanntgeben.

Über eine Million weniger für die Stadt?

Für die Stadt heisst das gemäss dem Insider, dass gut 20 bis 25 Prozent der Unternehmenssteuern aus dem Uhren- und Schmucksektor wegfallen könnten. Wie die Stadtregierung vor fünf Jahren bekannt machte, zahlt das Uhrengewerbe jährlich fast drei Millionen Franken Steuern (siehe Grafik). Fiele ein Viertel der Uhren-Steuergelder weg, verkleinerte sich der absolute Betrag also um rund 1,25 Millionen Franken. Aktuellere Zahlen gibt es nicht, da diese dem Steuergeheimnis unterliegen. Aber: «Diese Zahl ist in den letzten Jahren gestiegen», sagt der Branchenkenner, «heute kann man von rund fünf Millionen Franken ausgehen.»

 

 

Martin Merki, Finanzdirektor ad interim der Stadt Luzern, relativiert: «Die Unternehmenssteuern der Uhrengeschäfte sind ein kleiner Anteil des Gesamtsteuersubstrats.» Aber: «Problematisch wäre es auf jeden Fall. Jeder Steuerausfall schmerzt uns, vor allem, wenn grosse und ansonsten regelmässige Steuereinnahmen plötzlich ausbleiben.»

Verrechnung hängt von den Unternehmen ab

Man wisse um die Wichtigkeit der Luxusläden, so Merki: «Wir versuchen für die Uhrengeschäfte gute Rahmenbedingungen zu schaffen.» Man wolle die Branche unterstützen. Deshalb sei diese auch bei den Gesprächen rund um das Thema Carparkpolitik am Schwanenplatz stets involviert.

«Wichtiger als einzelne Branchen ist für die Steuereinnahmen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.»

David Schär, Leiter Steueramt Stadt Luzern

1,25 Millionen Franken klingt nicht nach viel, man hat aber in Luzern schon oft um weniger gestritten: 2013 gab es einen Aufschrei, weil die Stadt aus Spargründen kaputte Sitzbänke nicht mehr erneuern wollte. Sparpotenzial: 80’000 Franken. Weiter wollte die Stadt Kinderspielplätze abbauen, um 130’000 Franken zu sparen, erneut gab es heftigen Widerstand. Schon kleine Beträge führen also in der Stadt Luzern bereits zu grossen Diskussionen.

«Das klingt in der Tat etwas paradox», sagt David Schär, Leiter des Steueramts der Stadt Luzern. Aber er führt pragmatische Gründe ins Feld: Man könne viele Positionen der Ausgabenseite einfach besser steuern. Weiter sagt Schär: «Man kann ein Steuersubstrat von über 300 Millionen nicht ganz genau vorhersagen, das kann auch niemand erwarten.»

Steuerausfälle werden von anderen Branchen kompensiert

Dass die Uhrenbranche darbt, ist aber kein Grund zur Beunruhigung bei den städtischen Verantwortlichen. Dafür sorgen die optimistischen Aussichten: «Die Rechnung für das Jahr 2016 wird voraussichtlich positiv ausfallen.» Bei den letzten Hochrechnungen im August sei man von einem Plus von 22,5 Millionen ausgegangen. Die genauen Zahlen gebe es Mitte April. In dieser Rechnung sind die rückläufigen Uhren-Steuern aber nicht zwangsweise einberechnet.

Es sei wie bei Privatpersonen: «Wir verschicken den Unternehmen eine Akontorechnung, basierend auf den Zahlen vom Vorjahr», sagt David Schär. Wenn die Zahlen tief sind und Unternehmen weniger Gewinn erwarten, können sie dies dem Steueramt melden. Dann wird eine tiefere Akontorechung ausgestellt.

Hat also die Uhrenbranche vorgängig die Stadt informiert, so wird ein allfälliger Verkaufsrückgang bereits in der positiven Stadtrechnung 2016 verrechnet sein. Falls nicht, so würde ein eventueller Gewinnrückgang 2016 erst in der Abrechnung 2018 verhandelt.

Merki sagt: «Vielfach können Rückgänge der Steuererträge aus Branchen, die ein schwieriges Jahr hatten, mit Mehrerträgen aus anderen Branchen kompensiert werden.» Das heisst: Bleibe eine Branche unter den Erwartungen, so gebe es erwartungsgemäss andere Bereiche, die überraschend gut liefen. Das bestätigt auch Schär: «Entscheidender als einzelne Branchen ist für die Steuereinnahmen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung – und diese sieht positiv aus.»

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