Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Bruno Kunz: «Investoren der Mall of Switzerland machen vieles richtig»
  • Wirtschaft
Bruno Kunz über die Mall of Switzerland: «Da waren Profis am Werk.» (Bild: Montage pze/hae)

Ex-Chef des Emmer Centers zur Ebikoner Mall Bruno Kunz: «Investoren der Mall of Switzerland machen vieles richtig»

5 min Lesezeit 24.10.2017, 18:51 Uhr

Die Meinungen über die Mall of Switzerland gehen auseinander. Einer, der das neue Angebot beurteilen kann, ist Bruno Kunz, während 10 Jahren Direktor des Emmer Shopping-Centers. Kunz glaubt an einen guten Start, weil der Mix ziemlich gut sei. Auch wenn die Alten im Konzept aussen vor bleiben.

Dem Detailhandel geht es schlecht, das schleckt keine Geiss weg. Bruno Kunz spricht Klartext, er tut das charmant mit einem schelmischen Blinken in den blauen Augen. Der Mann hat während zehn Jahren als oberster Manager im Emmen Center einiges miterlebt. Und kennt die Branche wie kaum ein anderer in der Region.

«Gerade weil die Situation des Detailhandels aufgrund der Online-Konkurrenz dermassen hart ist, ziehe ich meinen Hut vor dem Engagement der Investoren aus Abu Dhabi», sagt der 56-jährige Kunz.

Unterstütze Zentralplus

Mutig und anspruchsvoll

In diesen Zeiten eine Mall wie die in Ebikon zu stemmen, sei mutig. Und es sei sehr anspruchsvoll, ein dermassen grosses Center mit Geschäften zu füllen. «80 Prozent Auslastung im heutigen Marktumfeld, so der Stand ein paar Wochen vor Eröffnung, das ist doch beachtlich!»

Ein Shopping-Center sei für viele Zeitgenossen eine Gegenbewegung zum täglichen Leben, «das sich bei immer mehr Menschen sehr stark auf Bildschirmen – vor allem Handys – abspielt». Kunz, der heute das D4 Business Village in Root leitet, ist ein äusserst moderner Manager: Bei unserem zweistündigen Treffen zückt er kein einziges Mal sein Smartphone, er ist voll auf sein Gegenüber fokussiert.

«Begegnung mit anderen Menschen, Erleben der Ware mit allen Sinnen, echte Freizeiterlebnisse.»

Bruno Kunz kennt die Gründe für einen Mall-Besuch

«Begegnung mit anderen Menschen, Erleben der Ware mit allen Sinnen, echte Freizeiterlebnisse», das sind für Center-Leiter Kunz die besten Argumente, um einen halben Tag in einer Mall zu verbleiben. Er weiss, wie lange die Kundschaft sich in einem Shopping-Center aufhält: zwei bis drei Stunden, «spürbar länger bei Regen».

«Vielfältige Gastronomie, attraktive Läden»

Bruno Kunz weiss auch, dass sich ab dem 8. November die Konkurrenz warm anziehen muss: Denn es hat einen Mitbewerber mehr. Das Marktvolumen, sprich die in unseren Shopping-Centern erzielten Umsätze, wird sich zwar kurzfristig minimal erhöhen.

Bei der Mall in Ebikon werde sich wie überall erst nach drei bis fünf Jahren zeigen, ob sie ihre Berechtigung hat. Eines ist für den Shopping-Fachmann klar: «In der Mall of Switzerland setzt man auf vielfältige Gastronomie, dazu hat man teilweise sehr attraktive Läden.» Denn: 0815 geht nicht mehr.

Zehn Jahre im Emmen Center

Bruno Kunz (56) stammt aus Emmen, studierte Betriebsökonomie an der HWV Luzern. Mit seiner Frau Astrid und dem 15-jährigen Sohn Raphael lebt er in Hellbühl. Kunz hatte diverse Jobs in Shopping-Centern und war als Direktor zehn Jahre lang Chef des Emmen Centers mit seinen rund 1’000 Angestellten. Seit 2012 leitet er das D4 Business Village in Root, auf dessen zirka 53’000 m2 Nutzfläche rund 2’000 Menschen tätig sind.

Dabei unterscheidet Bruno Kunz zwei Typen von Centern mit gutem Zukunftspotenzial: einerseits die sogenannten eher kleinen Nahversorgungszentren mit rund 5’000 m2 wie das Schönbühl Luzern oder das Neudorf in Cham, wo man alles Lebensnotwendige schnell und übersichtlich erhält. Daneben gibt es die Erlebniscenter wie in Emmen und Ebikon: «Die Mall of Switzerland bietet mit Kino und Lifestyle-Attraktionen wie der stehenden Surfwelle viel Verlockendes für einen längeren Besuch.»

Umsatz von 300 Millionen Franken

Mit 50’000 m2 Raum hat die Mall eine Grösse, die derzeit gefragt ist. Weil, so Kunz: «Die Malls, die grösser als Nahversorgungscenter und kleiner als 20’000 m2 sind, werden es in Zukunft wohl schwierig haben.»

Ebikon müsste laut Bruno Kunz auf lange Sicht 300 Millionen Franken im Jahr umsetzen. Zum Vergleich: Das Emmer Center, die achtgrösste Mall der Schweiz, machte auf 35’000 m2 Ladenfläche zuletzt rund 220 Mio. Franken pro Jahr.

Federer zog halb Emmen an

Welche Kundschaft wird die Mall denn regelmässig stürmen, wenn die ersten Neugierigenscharen im November durch sind? «Das wird sich weisen, das Center muss sich noch genau positionieren», so Kunz. Das geschieht via den gewählten Mix von Läden und Freizeitprogramm. «Niemand kommt mehr extra für 0815-Events», wie Kunz sie früher sehr erfolgreich veranstaltete.

Events waren einst für Massenaufläufe gut: Roger Federer 2005 im Shopping Center Emmen.

Events waren einst für Massenaufläufe gut: Roger Federer 2005 im Shopping Center Emmen.

(Bild: zvg)

Er erinnert sich an einen Besuch von Roger Federer in Emmen, als sich 2005 das halbe Dorf versammelte. Autogrammstunden mit weniger bekannten Stars ziehen heute aber kaum mehr.

«Innenräume sind wichtig, die Aussenarchitektur ist nice to have!»

Bruno Kunz, Shopping-Center-Experte

Deshalb ist Atmosphäre äusserst wichtig. Wobei: «Innenräume sind wichtig, die Aussenarchitektur ist nice to have!» Für die Mall in Ebikon sieht Kunz durchaus gute Chancen: «Die Struktur ist gut, vermutlich sogar sehr gut – da waren Profis am Werk.»

Generation 50plus vernachlässigt

Das Konzept sei zukunftsgerichtet. Bruno Kunz verwundert aber, dass bislang kaum jemand auf die Babyboomer setzt. Denn auch die Mall of Switzerland setzt auf die Jugend: «Die Generation 50plus wird sträflich vernachlässigt, obwohl man von der Silver Generation weiss, dass da doch viel Wachstum möglich ist. Weil die Rentner und die bald in den Ruhestand Tretenden viel Kaufkraft besitzen.»

Jedem Center also sein spezifisches Publikum: Emmen ist breit abgestützt, der Pilatusmarkt eher jugendlich, und der Surseepark spricht sicher auch viele Familien an.

Viele Kunden werden sich das neue Center jetzt gerne anschauen, dann aber wieder zu ihren Ritualen und vermutlich an die alten Einkaufsorte zurückkehren. Der Mensch sei gewohnheitsorientiert, sagt Bruno Kunz. «Man kauft dort ein, wo man sich seit Jahren wohl fühlt. Das sind bei den meisten Leuten ganz wenige Läden pro Branche.» In diese sogenannte Top-of-Mind-Liste des Zielpublikums reinzukommen, sei eine grosse Herausforderung für die Mall-Betreiber. Ein Projekt der nahen Zukunft.

USA: 55 Prozent der Umsätze in Malls

Beispielsweise die Migros-Center seien da sehr gut aufgestellt, erklärt Bruno Kunz. Und sagt beim Verabschieden: «Ich bin gespannt auf die Eröffnung. Ich glaube nicht an das von vielen heraufbeschworene Sterben der Shopping-Center.»

Bruno Kunz darf man wohl glauben: In den USA, wo viele Trends Jahre vorher entstehen, bis sie den Weg nach Europa finden, bleibt die Attraktivität von Malls stabil. Dort werden derzeit 55 Prozent der Landesumsätze in Malls generiert – Onlinehandel hin oder her. Kein Wunder bei 43’000 Einkaufszentren.

(Fast) alles unter einem Dach zu haben, bleibt attraktiv. Und da hat die Schweiz ja durchaus noch Entwicklungspotenzial: Rund 180 Shopping-Center gibt es hierzulande. Bald in Ebikon immerhin eines mehr.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare
Mehr Wirtschaft