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Britische Malerlegende fand Inspiration in Luzern
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Im Kunstmuseum findet aktuell eine Ausstellung von William Turner statt. (Bild: Facebook)

William Turners Werke im Kunstmuseum Britische Malerlegende fand Inspiration in Luzern

3 min Lesezeit 1 Kommentar 06.07.2019, 12:44 Uhr

Mit der Ausstellung «Turner – Das Meer und die Alpen» feiert das Kunstmuseum Luzern 2019 das 200-Jahr-Jubiläum der Kunstgesellschaft Luzern. Seine sechs Reisen in die Schweiz inspirierten Turner in seiner Malerei.

Das Licht und nochmals das Licht, Farbe und nochmals Farbe. Und ganz besonders, gewagte, suggestive Farbkombinationen wie zum Beispiel Violett-Gelb, Blau-Gelb, Blau-Orange, Violett-Orange; wunderschöne Kontraste, welche den Bildern noch mehr Lichtfülle und Intensität schenken. Gerade an diese Merkmale erinnern wir uns unmittelbar – die Schreibende sich selbstverständlich als erste -, wenn wir an die Meisterwerke des weltberühmten britischen Malers William Turner denken. Ja, vor allem an Turners unvergessliche Farbkombinationen, aber auch und vielleicht sogar noch mehr an das Licht; an das mit Luft oder mit Wasser, mit Wolken oder mit Felsen mal stürmisch kämpfende mal ruhig lächelnde Licht.

Turners einzigartige Maltechnik

William Turner gelangte in der Tat nicht zur feinen und einmaligen Struktur seiner Bilder durch Anwendung von klaren Linien – eigentlich wie es zu seiner Zeit üblich war –, sondern durch Farbe und Licht. Und gerade diese Handschrift des Bildes durch Farbe und Licht veranlasst manche Kritiker im sehr innovativen Maler einen Vorläufer des Impressionismus zu sehen und dann sogar einen Bahnbrecher der informellen Malerei.

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William Turner und die Schweiz

Auch die mit vielen Leihgaben der Londoner Tate Britain Gallery (die eine grosse Anzahl Turners Bilder in ihrer ständigen Sammlung besitzt) perfekt arrangierten, neu eröffneten Ausstellung im Kunstmuseum Luzern veranschaulicht, wie Licht und Farbe für den englischen Künstler die wesentlichen Bildelemente sind, und wie sie in seiner Maltechnik mit Formen zu einem aussergewöhnlichen Ganzen verschmelzen. Die Ausstellung zeigt nicht zuletzt, wie Turner selbstverständlich auch von den  naturwissenschaftlichen und, besonders, von den meteorologischen Erkenntnissen seiner Zeit beeinflusst wurde.

Die Berge waren ein beliebtes Sujet von Turner.

Aber was die Ausstellung im Kunstmuseum besonders zeigt, ist natürlich Turners grosse Begeisterung für die Schweiz und ihre spektakulären Landschaften, die uns sehr geläufig sind, nicht aber seinem Britischen Publikum. Der Maler besuchte unser Land zwischen 1802 und 1844 insgesamt sechsmal. Sehen wir uns in Ruhe zum Beispiel seine Rigi-Aquarelle an – «Die Blaue Rigi: Musterstudi» (1841-42), «Die Rigi, Vierwaldstättersee, Sonnenuntergang» (1842-43), – sicher eine grosse Emotion für uns Schweizer und ein Spektakel, das malerisch nicht weniger beeindruckt als unsere Königin der Berge selber. Niemand von uns könnte hier auch nur wagen zu bezweifeln, dass sich William Turner von der Rigi und der Zentralschweiz besonders hingerissen fühlte.

Und natürlich auch von der Stadt Luzern, die er oft besuchte und als Ausgangspunkt für seine Entdeckungsreisen, Schifffahrten und Ausflüge über Berge und Täler wählte. Das können wir in anderen, im Kunstmuseum ausgestellten, Aquarellen sehen (Aquarellzeichnungen benutzte Turner als Inspiration für spätere Ölgemälde): im berauschenden «Luzern im Mondlicht: Musterstudie» (1842-43) oder im zarten aber lichterfüllten «Luzern mit Pilatus» (1841-44), beispielsweise.

Die überwältigende Kraft der Natur

Turner schien auch speziell für die überwältigende Kraft der Natur zu interessieren. Unwetter, Lawinen und Schneestürme, gewaltige Wellen und Wolken und Wirbelstürme scheinen auf ihn eine spezielle Faszination ausgeübt zu haben. Denken wir nur an gewaltige Bilder wie «Die Schöllenenschlucht von der Teufelsbrücke aus gesehen, Gotthardpass» (1802), «Sturm auf dem Gotthardpass. Erste Brücke oberhalb von Altdorf: Musterstudie» (1844-45) und «Niedergang einer Lawine in Graubünden» (ca. 1810).

War William Turner damals wirklich immer dabei? War er vielleicht eine Art Katastrophen-Tourist von früher? Kaum, aber genau wie die berühmten Darstellungen von Schiffen im Sturm und anderen turbulenten Meereslandschaften (seine «Seascapes»), lassen auch die uns bekannteren Alpenlandschaften fast denken, dass ihn nicht so sehr ihre Schönheit sondern eher die Energie, die Dynamik, die Kraft und besonders die Überlegenheit der Natur faszinierten. Eine Überlegenheit, welche enorme Ehrfurcht und Respekt verdient. Joseph Mallord William Turner: ein überaus moderner Künstler.

Hinweis: Die Ausstellung dauert noch bis am 13. Oktober.

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1 Kommentare
  1. Frederick Webster, 06.07.2019, 19:49 Uhr

    The beauty of Switzerland has always attracted the English. In the 18th/19th centuries a visit there was always part of the ‘Grand Tour’ of any English gentleman seeking to broaden his cultural & artistic education. In this respect JMW Turner was no exception but for one important difference. He sought to reproduce the grandeur of the landscape as part of his own artistic development. As an Englishman I am pleased that we were able to loan that part of our National Heritage to this exhibition in Lucerne for the enjoyment of the Swiss public and as a tribute to the good relationships which exist between our two countries.

    Fred Webster, Lancaster, England.