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Brisante Mitgliederversammlung: Südpol gibt sich eine Gnadenfrist
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Der künstlerische Leiter Patrick Müller erklärt seine Sicht der Dinge. (Bild: jwy)

Rücktritt des Vorstands ist hinausgeschoben Brisante Mitgliederversammlung: Südpol gibt sich eine Gnadenfrist

5 min Lesezeit 1 Kommentar 05.07.2018, 20:42 Uhr

Das Luzerner Kulturhaus Südpol gibt sich nochmals eine Verschnaufpause. Die Neuwahl des Vorstandes ist vertagt. Dafür überraschte der Rücktritt des betrieblichen Leiters Dominique Münch – bald steht das Haus komplett ohne Führung da. Und auch die aktuellen Zahlen geben Anlass zur Sorge.

Der Südpol ist stolze zehn Jahre alt – aber Feierlaune ist keine in Sicht. Stattdessen hat der Verein Südpol am Donnerstagabend zur ausserordentlichen Mitgliederversammlung geladen. Traktanden: Rücktritt aller bisherigen Vorstandsmitglieder – Neuwahl Vorstand.

Am 15. Juni hat der bisherige Vorstand den Bettel hingeschmissen (siehe Box zuunterst). In den wenigen Wochen bis zur Versammlung wurde im Hintergrund geweibelt, diskutiert und sondiert. Der Südpol und Vertreter aus der Tanz- und Theaterszene haben gemeinsam nach Kandidaten für einen neuen Vorstand gesucht.

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Rücktritt ist verschoben

Doch die knappe Zeit hat nicht gereicht, um so schnell einen Übergangsvorstand zu formieren. Die Interessenverbände der Freien Theater- und Tanzszene – «t.Zentralschweiz» (ehemals ACT) und IGTZ – brauchen mehr Zeit. Deshalb haben die Vertreter Manuel Kühne, Patric Gehrig und Irina Lorez einen Antrag auf Fristerstreckung eingereicht.

Dieser wurde von den Anwesenden grossmehrheitlich angenommen. Das heisst: Die Gespräche laufen weiter und der bisherige Vorstand bleibt gegen seinen Willen weitere zwei Monate im Amt. Ziel ist, dass bis Ende August ein neuer Vorstand bereitsteht. Dieser soll dann an einer weiteren ausserordentlichen Mitgliederversammlung gewählt werden.

Damit war die Entscheidung vertagt. Bei einem Nein zur Fristerstreckung hätte eine Gruppe den Vorstand interimistisch für die zwei Monate übernehmen müssen – so weit kam’s aber nicht.

Abstimmung: Die meisten Anwesenden waren für eine Verschiebung des Rücktritts des Vorstands.

Abstimmung: Die meisten Anwesenden waren für eine Verschiebung des Rücktritts des Vorstands.

(Bild: jwy)

Auch der betriebliche Leiter geht

Es ist viel Geschirr zerbrochen in den letzten Wochen, das wurde an der Versammlung mit rund 70 Anwesenden überdeutlich. Zudem überraschte der Vorstand mit einer weiteren Bombe: Der betriebliche Leiter Dominique Münch, der am Donnerstag abwesend war, hat auf Ende Jahr ebenfalls seinen Rücktritt eingereicht. Auf September tritt wie bekannt der künstlerische Leiter Patrick Müller zurück. Es ist Feuer unter dem Dach und bald steht das Kulturhaus der Freien Szene also ohne Führung da.

Trotzdem wurde nach einer stündigen Diskussion, bei der sich der Vorstand einiges anhören musste, klar: Es muss irgendwie weitergehen. «Wir haben auf allen Ebenen Gespräche geführt», sagte der Theaterschaffende Manuel Kühne. Er plädierte dafür, dass man für die Suche zwei Monate mehr Zeit erhalte.

Misstrauen ist gross

Das tiefe Misstrauen zwischen jetzigem Team und dem Vorstand war mit Händen zu greifen. Dazu kam, dass etliche Vereinsmitglieder den jetzigen Vorstand nicht einfach so aus seiner Verantwortung entlassen wollen. Von einem «fundamentalen Missverständnis» war die Rede, von einem «riesen Desaster». Und trotz aller Ratlosigkeit, wie es so weit kommen konnte, will man nach vorne schauen. Eine komplette Vereinsauflösung wollte niemand im Raum.

Die städtische Kulturchefin Rosie Bitterli redet zu den Anwesenden.

Die städtische Kulturchefin Rosie Bitterli redet zu den Anwesenden.

(Bild: jwy)

Der bisherige Vorstand um Gabie Burkhard, Oliver Frey, Lili Kaelin, Luzi Andreas Meyer, Sabrina Suter und Corinne Wegmüller musste sich nochmals erklären. Sabrina Suter bekräftigte, dass sie nicht mehr fähig seien, die strategischen Entscheide für die Zukunft des Hauses zu fällen. «Die Probleme gehen zu tief, zu viel Wasser ist die Reuss runter», so Suter.

Südpol ist im Minus

Eine neue Leitung muss jetzt über den Sommer gefunden werden, danach muss die Subventionsvereinbarung mit der Stadt ausgehandelt werden. Das wird der neue Vorstand, der in zwei Monaten bereitstehen soll, erledigen müssen.

Der künstlerische Leiter Patrick Müller sagte, wie überrascht das Team vom kompletten Rücktritt des Vorstands wurde: «Wir wollten das nicht, das kam in einem heftigen Moment.»

Und wie wenn das alles nicht genug wäre, steht es auch um die Zahlen für das laufende Jahr nicht gut. Auf mehrmaliges Nachhaken von zwei Mitgliedern sagte Sabrina Suter, dass man 60’000 Franken im Minus sei. «Es steht nicht gut um die Vereinszahlen», fasste sie zusammen, das Ziel sei, dass man bis Ende Jahr auf eine schwarze Null komme.

Es soll also irgendwie weitergehen mit dem Haus der Freien Szene – neue Kräfte sollen das Ruder im Vorstand übernehmen. Das Programm für die kommende Saison stehe, versicherte Patrick Müller. «Es hat hier fähige Leute, um dieses Haus zu führen.» Und die städtische Kulturchefin Rosie Bitterli appellierte an alle Anwesenden: «Wir müssen uns zusammenraufen, alle haben ein Interesse daran.»

So kam es zum Knall im Südpol

 

Der Südpol punktete in den letzten Monaten nicht mit positiven Schlagzeilen: Die Besucherzahlen waren rückläufig und der künstlerische Leiter Patrick Müller hat auf September gekündigt (zentralplus berichtete).

Mitte Juni der Knall: Der gesamte sechsköpfige Vorstand trat zurück. «Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit» zwischen Vorstand, Leitung und Mitarbeitern sei nicht mehr gegeben, teilte er mit und kritisierte die Bereitschaft des Betriebsteams, ausserhalb bestehender Strukturen zu denken (zentralplus berichtete).

Es häuften sich auf der einen Seite kritische Voten aus der Freien Szene, zugleich erhielt das Team auch viel Rückendeckung. Dieses Team versuchte derweil eine Woche darauf am Sommerfest Normalität walten zu lassen und die Saison 17/18 regulär mit einem zweitägigen Festival abzuschliessen.

Hinter den Kulissen wurde und wird geweibelt, mobilisiert und man versucht Ruhe zu bewahren. Denn es gilt möglichst bald wieder einen Vorstand zusammenzutrommeln, der das Haus in die Zukunft führt und im September mit der Stadt den neuen Subventionsvertrag aushandelt.

Der Südpol, die Heimstätte für die Freie Theater- und Tanzszene und Musiker, muss handlungsfähig bleiben, so der Tenor. Deshalb haben das Team des Südpols sowie die Tanz- und Theaterszene einen Schulterschluss angestrebt.

Schliesslich wurde der Südpol als städtisch finanziertes Haus zum Politikum: Die CVP stellte kritische Fragen und brachte einen «Marschhalt» ins Spiel. Der Stadtrat will aber vorerst nichts von einer Neuausschreibung des Leistungsauftrags wissen und wartet die Wahl des neuen Vorstands ab (zentralplus berichtete). «Solche Diskussionen sind doch auch Ausdruck einer lebendigen Kulturszene», so der Stadtrat.

Trotz allem: Am 14. September startet die neue Saison wiederum mit einem Festival – es ist das Jubiläumsjahr zum zehnjährigen Bestehen des Hauses. Bis dann hoffentlich wieder mit normalem Betrieb.

 

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1 Kommentare
  1. Marcel Moser, 07.07.2018, 16:18 Uhr

    Ich denke die Zeit der Stuhlkreise ist auch in den offenen Kulturkreisen Luzerns vorbei. Die Stadt will wissen wohin das Geld fliesst. Ohne klare Linie und ohne eine klar erkennbare Führungsstruktur sind sämtliche Experimente im Vornherein zum Scheitern verurteilt. Es muss sichtbar sein wer ist für was verantwortlich. Das Experiment Alle ein bisschen und Keiner richtig ist fehlgeschlagen; die Auswirkungen zeigen sich jetzt.