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Brigitte Moser: «Dass ich Schwarz trage, ist Ausdruck meiner Trauer»
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Die Baarer Schmuckkünstlerin Brigitte Moser war eine langjährige enge Freundin der jüngst verstorbenen Christa de Carouge. (Bild: woz)

Zuger Weggefährtin zum Tod Christa de Carouges Brigitte Moser: «Dass ich Schwarz trage, ist Ausdruck meiner Trauer»

4 min Lesezeit 18.01.2018, 17:54 Uhr

Die «Dame en noir», die berühmte Modekünstlerin Christa de Carouge, ist tot. Die Baarer Schmuckkünstlerin Brigitte Moser erinnert sich an ihre langjährige Freundin und trauert um sie. Im Gespräch mit zentralplus erzählt sie, warum de Carouge so wichtig war und ist. 

Ganz in Schwarz sitzt Brigitte Moser an einem Tischchen in ihrer Galerie in der Baarer Dorfstrasse. Eigentlich ist sie gerade damit beschäftigt, mit ihren Mitarbeiterinnen der Vernissage am Abend den letzten Schliff zu verleihen.

Und doch muss sie natürlich gleichzeitig ständig an den Tod ihrer Freundin denken: Christa de Carouge verstarb am Dienstag nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren – für viele überraschend (zentralplus berichtete).

«Ich habe mit ihr das letzte Mal am Freitag telefoniert und mich von ihr verabschiedet», sagt Brigitte Moser und wendet sich kurz ab. Sie habe gewusst, wie schlecht es gesundheitlich um Christa stehe und dass sie bald sterben werde. Moser sei über eine Freundin mit ihr ständig in Kontakt gewesen. Anfang Dezember habe sie von der schweren Krebserkrankung von Christa de Carouge erfahren.

«Sie war so ein lebensfreudiger Mensch.»

Brigitte Moser, Baarer Schmuckkünstlerin

«Dass ich heute Schwarz trage, ist auch ein Ausdruck meiner Trauer», erklärt die 72-Jährige. «Ich mag aber Schwarz und Rot grundsätzlich sehr gerne.» Dann steht sie auf und zieht ihre Lippen nochmals kurz nach – was in diesem Augenblick wie eine besonders kraftvolle Geste von Vitalität und Lebensbejahung wirkt.

Befreundet seit den 80er-Jahren

Seit den 80er-Jahren kannten sich Christa de Carouge und Brigitte Moser. «Sie war so ein lebensfreudiger Mensch, sie hat gerne gegessen und getrunken, war offen für alles, was auf der Welt gelaufen ist», erzählt die Baarer Schmuckkünstlerin. Mit einer anderen Freundin und Mosers Lebenspartner haben sie sich regelmässig zu viert einmal im Monat in Zürich getroffen und sind zum Essen gegangen. «Wir haben viel erlebt zusammen.»

Christa de Carouge vor der Eröffnung ihrer Ausstellung im Zuger Kunsthaus, die noch bis zum 18.Februar zu sehen ist.

Christa de Carouge vor der Eröffnung ihrer Ausstellung im Zuger Kunsthaus, die noch bis zum 18. Februar zu sehen ist.

(Bild: mam)

Was viele nicht wissen

Eigentlich habe Christa de Carouge ja Furrer geheissen. «Doch weil man im Welschen immer Fürrer zu ihr gesagt hat, sie aber nicht als Führer betitelt werden wollte, hat sie sich nach dem kleinen Ort Carouge in der Nähe von Genf umbenannt», so Moser.

«Für sie waren Kleider wie ein Haus, wie ein Raum für persönliche Entfaltung, als spezielles Statement für die jeweilige Persönlichkeit.»

Brigitte Moser

Mit der «Dame en noir», der später in Zürich lebenden Modekünstlerin, die fast ausschliesslich schwarze Modekreationen schöpfte, hat Moser zum Beispiel Modeschauen in der Galvanik und auf dem Stierenmarktareal in Zug veranstaltet. «Da kamen bis zu 200 Leute.» Für Carouge, die sich zumeist voluminöse Kleidungsstücke kreiert habe, sei Kleidung immer so eine Art Haus gewesen.

«Für sie waren Kleider wie ein Haus, wie ein Raum für persönliche Entfaltung, als spezielles Statement für die jeweilige Persönlichkeit. Und als Möglichkeit, dadurch anders sein zu können», sagt Moser. Enge Kleider wie Leggings seien Carouge beispielsweise stets ein Graus gewesen. «Dabei können schlanke Personen auch durchaus die Kleider von Christa tragen – man kann sich ja regelrecht einhüllen in sie.»

In einem Katalog hat Brigitte Moser die gemeinsame Modenschau mit Christa de Carouge verewigt.

In einem Katalog hat Brigitte Moser die gemeinsame Modenschau mit Christa de Carouge verewigt.

(Bild: woz)

Die Schweizer Modeschöpferin Christa de Carouge, von der seit November 2017 im Zuger Kunsthaus eine Retrospektive (zentralplus berichtete) noch bis zum 18. Februar zu sehen ist, hat laut Fachleuten die Modegeschichte geprägt. Weit über die Schweiz hinaus fanden ihre schlichten, auf das Wesentliche reduzierten Kreationen Beachtung.

Mode orientierte sich nicht an Trends

Ihre meist in Schwarz gehaltenen Kleider stehen laut Meinung von Kunstkritikern für eine Mode, die sich nicht an Trends orientiert, sondern an dem Mass nimmt, was das Eigentliche der Kleidung ausmacht. Ihre Modeschauen wurden oft als Peformances verstanden, ihre Kreationen als Mischung zwischen Kleidung und Kunstobjekt.

«Sie hat es beispielsweise immer abgelehnt, Schmuck auf ihren Kleidern zu tragen.»

Brigitte Moser

Gegen Ornamentales und Verzierungen habe Christa de Carouge sich immer gewehrt. «Sie hat es beispielsweise immer abgelehnt, Schmuck auf ihren Kleidern zu tragen», sagt Brigitte Moser. Sie habe aber andererseits Schmuck grundsätzlich geliebt und in dieser Hinsicht mit der Baarer Schmuckkünstlerin zusammengearbeitet. «Christa, die meinen Schmuck trug, mochte besonders grossen Schmuck mit grossen Steinen in Form von Finger- und Ohrringen.»

Christa de Carouge liebte schwarze Perlen

Sagt’s und zeigt einen schönen Ring mit einem schwarzen Turmalin aus ihrer Sammlung. «Sie liebte auch schwarze Perlen.» Für Christa de Carouge habe Schwarz keine negative Aura gehabt. Im Gegenteil. «Für sie hatte Schwarz eine gute Ausstrahlung.» Für Brigitte Moser selbst ist Schmuck auch keine Verzierung, sondern ein Statement der Person, die den Schmuck trägt. «Ein Statement, das die Persönlichkeit eines Menschen unterstreicht.»

Brigitte Moser kreiert ganz eigenwilligen Schmuck: Hier ein grosser Amethyst-Ring.

Brigitte Moser kreiert ganz eigenwilligen Schmuck: hier ein grosser Amethyst-Ring.

(Bild: woz)

Dass Christa de Carouge nun nicht mehr lebt, ist für Brigitte Moser einerseits ein grosser Verlust für die Schweiz: «Weil sie wirklich viel bewegt hat.» Sie selbst vermisst Christa de Carouge natürlich als langjährige Freundin. «Ich werde vor allem ihre Kraft, ihre Klarheit, ihr Lebensgefühl und ihre Offenheit vermissen.»

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