Fussgängerkreuzung in Kriens sorgt für brenzlige Situationen
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Fussgänger und rechtsabbiegende Autofahrer haben hier gleichzeitig Grün. Das sorgt manchmal für brenzlige Situationen. (Bild: wia)

Autos und Passanten haben gleichzeitig grün Fussgängerkreuzung in Kriens sorgt für brenzlige Situationen

4 min Lesezeit 1 Kommentar 30.05.2021, 11:44 Uhr

Wer Grün hat, darf laufen. Das stimmt bei der Fussgängerkreuzung beim Kupferhammer nicht ganz. Denn Rechtsabbieger dürfen gleichzeitig fahren – und manch einer übersieht das blinkende Warnlicht, wie Anwohner aus Erfahrung wissen. Die Stadt sieht bislang keinen Bedarf, die Situation anzupassen.

Wer regelmässig beim Kupferhammer den Bus verlässt und von dort über die Hofstetterstrasse in Richtung Kriens geht, dürfte bereits die eine oder andere brenzlige Situation erlebt haben.

Zwar gibt es beim Fussgängerstreifen ein Lichtsignal, doch steht dieses meist zeitgleich auf Grün wie die Autos, die von der Luzernerstrasse nach rechts abbiegen. Ein oranges Blinklicht warnt die Autofahrer zwar vor möglichen Fussgängern, nur ist dieses, gerade wenn man relativ schnell fährt, nicht besonders auffällig. Abbremsen müssen Automobilistinnen nämlich kaum, denn die Abbiegung gegen rechts ist sanft, und da es sich um ein Industriegebiet handelt und viele Autos direkt von der Autobahn kommen, wird generell zügig gefahren, wie ein Augenschein vor Ort zeigt.

Hier befindet sich die heikle Stelle. (Bild: zvg Stadt Kriens)

Der Bus macht die Lage unübersichtlich

«Es kommt vor, dass der Bus länger an der Haltestelle steht, und die ausgestiegenen Personen bereits die Strasse überqueren möchten. Die Autofahrer, die rechts abbiegen wollen, sehen wegen des Busses die Fussgänger am Strassenrand nicht und auch das Blinklicht ist nicht gut sichtbar», erklärt ein Anwohner, der im letzten Jahr bereits mehrere problematische Situationen erlebt und gesehen hat.

Oder aber, wenn dann der Bus abfahre und den Rechtsabbiegern, die gleich hinter ihm die Bahn kreuzen, die Sicht nehme. «Das Problem ist, dass die Autofahrer nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Ihre Ampel ist auf Grün, sie gehen nicht davon aus, dass sie gleich wieder abbremsen müssen», so der Krienser.

Wer hier über den Fussgängerstreifen will, ist gut beraten, links über die Schulter zu blicken, ob wirklich kein Auto kommt.

«Als Fussgänger denkt man meist nicht daran, einen Blick über die Schulter nach hinten zu werfen, von wo die Autos kommen, da man ja ebenfalls Grün hat.» Der Anwohner weiter: «Ich selber bin schon einmal fast angefahren worden und ich kenne einige Leute, denen es ähnlich ging. Gerade letztens war ich dabei, als eine Frau schon auf der Strasse war und einen Schritt zurück machen musste, da der Autofahrer nicht angehalten hat.»

Die Verkehrssituation, die sich beim Kupferhammer präsentiert, ist eher neu. 2018 wurde der Knoten beim Kupferhammer baulich angepasst. Bis zum Ende der Bauarbeiten 2019 stand die Bushaltestation auf der anderen Seite der Fussgängerkreuzung in Richtung Kriens.

Mit dem Ausbau sollte die Sicherheit erhöht werden

Dass Fussgängerinnen von einer gefährlichen Kreuzung sprechen, widerspricht dem Ziel des Kantons Luzern. Mit dem Ausbau des Knotens Kupferhammer und Eichwilstrasse sollte neben der Förderung des öffentlichen Verkehrs und des beschleunigten Verkehrsabflusses bei der Autobahn nämlich auch die Verkehrssicherheit für Fussgänger erhöht werden, wie einer betreffenden Infotafel zu entnehmen ist.

«Seit dem Umbau des Knotens ist kein polizeilich registrierter Unfall erfasst worden.»

Maurus Frey, Bauvorsteher der Stadt Kriens

Der zuständige Krienser Stadtrat Maurus Frey sagt dazu: «Seit dem Umbau des Knotens ist kein polizeilich registrierter Unfall erfasst worden.» Dies jedenfalls gemäss Stand 2020. Damit bestätigt Frey die Erkenntnisse der Unfallkarte des Bundes. Gemäss dieser haben sich an dieser Stelle bisher keine Vorfälle ereignet, bei denen Fussgänger beteiligt waren. Der Bauvorsteher mahnt jedoch: «Aber ja, diese Strassenquerung ohne Lichtsignal beziehungsweise geregeltem Vortritt für die zu Fuss Gehenden erfordert die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmenden.»

Situation wird laufend analysiert

Zur Frage, ob die Situation an der betreffenden Kreuzung den Sicherheitsansprüchen genüge, sagt Frey: «Das kantonale Projekt wurde durch die Stadt Kriens bewilligt. Wir analysieren die Situation der Verkehrssicherheit laufend und stehen im regen Austausch mit der zuständigen Dienststelle.» Und weiter: «Wenn wir Mängel feststellen, korrigieren wir diese.  Sicherheitsrelevante beziehungsweise ausserordentlich gefährliche Situation erfordern jeweils ein unverzügliches Handeln.»

Markus Sommerhalder, der Teamleiter Verkehrsmassnahmen der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur betont ebenfalls, dass seit Abschluss der Sanierung der Kreuzung im Sommer des Jahres 2019 keine Unfälle mit Fussgängerbeteiligung polizeilich registriert worden seien. «Zudem sind weder bauliche noch betriebliche Sicherheitsdefizite ersichtlich. Auch sind bisher keine Rückmeldungen mit vergleichbarem Inhalt bei uns eingegangen.»

Die Art der Lichtsignalsteuerung des entsprechenden Fussgängerübergangs mit gleichzeitiger Grünphase für Fussgänger und Fahrverkehr ist auf Schweizer Strassen seit langem weit verbreitet. Generell ist beim Überschreiten eines Fussgängerstreifens – und bei solchen doppelten Grünphasen im Speziellen – immer ein Kontrollblick angezeigt», so Sommerhalder.

Die Krux mit den gelben Blinklichtern

Betreffend dem Einsatz gelber Blinklichter schreibt die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur in ihren Richtlinien: «Gelbe Blinklichter sind nur ausnahmsweise und sehr zurückhaltend zu bewilligen. Die Erfahrung zeigt, dass die Akzeptanz beziehungsweise die erhöhte Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer stark abnimmt, sobald Gelbblink-Anlagen flächendeckend angebracht sind, oder einzelne Anlagen dauernd in Betrieb stehen.»

Zudem werde durch die Fülle von lichttechnischen Einrichtungen im Alltag die Wahrnehmung der Verkehrsteilnehmerinnen so beeinflusst, dass die Blinklichter an Fussgängerstreifen gar keine Beachtung mehr finden. Eine Erkenntnis, die – gemäss der Betroffenen – auch für die Kreuzung beim Kupferhammer zutreffen dürfte.

So erklärt denn Sommerhalder: «Wir werden in nächster Zeit den Verkehrsablauf an der Kreuzung vermehrt beobachten und gegebenenfalls zusätzliche Massnahmen prüfen.»

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1 Kommentare
  1. Andreas Pearson, 30.05.2021, 17:33 Uhr

    Ganz gefährlich beim Kupferhammer ist die Lage der Bushaltestelle. Wie beschrieben, sieht man wegen dem haltenden Bus die Fussgänger auf dem Streifen überhaupt nicht oder erst im letzten Moment. Ist mir schon oft passiert. Derjenige, der die Idee hatte, die Bushaltestelle dahin zu verschieben, sollte man auf den Mond schiessen. Weil früher war die Bushaltestelle NACH der Kreuzung. Aber eben: Die grünen Stadträte, früher und heute, wollen die Autofahrer immer schickanieren. Damit kreieren sie aber auch ganz gefährliche Situationen für die Fussgänger, inklusive mich.

    Ganz gefährlich ist auch, wenn man als Autofahrer rechts abbiegen will und der Bus noch da ist. Man überholt den Bus und biegt gleich vor dem Bus ab. Manchmal fährt der Bus gleich dann los. Auch für die Busfahrer eine sehr brenzlige Situation. Der Busfahrer muss immer sehr gut nach links schauen, ob kein Auto ihn überholen und gleich vor seiner Nase rechts abbiegen will, bevor er wegfährt. Wie kann man eine Bushaltestelle VOR einer solch viel befahrenen Kreuzung bauen anstatt NACH der Kreuzung, wie es vorher war!?

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