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Brennende Sofas, annektierte Schlafsäcke und ein lebenslanges Kettensägenverbot
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Feivel. Gut mit der Stichsäge. Weniger gut mit der Kettensäge. (Bild: wia)

Anekdoten rund um das Zuger Waldstock Brennende Sofas, annektierte Schlafsäcke und ein lebenslanges Kettensägenverbot

6 min Lesezeit 02.08.2019, 12:20 Uhr

Das Waldstock Festival feiert sein zwanzigjähriges Bestehen. Zwanzig Jahre, in denen sich einige schmackhafte Geschichten zusammengeläppert haben. Mal enden sie in Beinah-Katastrophen, mal mit einer Heirat und drei Kindern. Und da ist noch die Sache mit den Sofas.

Ein rauschendes Fest während vier langen Sommertagen. Viel Buntes zum Bestaunen. Unzählige Stunden zum Verquasseln. Vertanzen. Vertrinken. In Steinhausen findet aktuell das Waldstock-Festival statt. Und wir sind mittendrin. Denn wir sind auf der Jagd. Nach den besten Anekdoten aus 20 Jahren Alternativ-Festival. Nach Geschichten, die das Leben hier schreibt. Nach Mythen. Und saftigen Gerüchten.

Wir finden sie rasch, die guten Storys. Denn der erste Waldstöckler, der uns vor die Nase kommt, ist ein alter Hase. Silvan Meier ist seit Jahren, ach was, seit fast zwei Jahrzehnten mit dabei beim Festival. Hat unzählige Stunden hier gebuddelt, gebaut und gezapft. So auch heute. Er ist mit dem Bierwagen unterwegs. Wer keine aufwändigen Cocktails will, sondern einfach Gebrautes, kommt hierher. Hier muss kaum einer anstehen.

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«Eigentlich hätte ich ja vor drei Jahren schon aufhören wollen, beim Waldstock mitzutun», sagt er. Ein Plan, der bislang offensichtlich gescheitert ist. Geschichten kann der Baarer einige aus dem Hut zaubern.

Hauptsache, es brennt gut

«Früher, während der ersten Waldstock-Jahre, haben wir zu Ende des Festivals jeweils ein grosses Feuer mit dem übrig gebliebenen Holz gemacht. Das wurde teils etwas gar gross, sodass einmal ganz unerwartet die Feuerwehr auf dem Platz stand», sagt Meier schmunzelnd. «Es war damals Tradition, dass jedes Jahr ein Sofa mitverbrannt wurde. Das ist heute natürlich undenkbar.» Zum einen wegen der Luftverschmutzung, zum anderen, da das Festival heute viel strengeren Vorschriften unterliegt. «Trotzdem waren das schöne Momente.»

Silvan Meier, langjähriger Waldstock-Helfer und ehemaliger Journalist, kennt einige gute Geschichten.

Er ist nicht der Einzige, der mit Feuergeschichten auftrumpfen kann.

«Damals wurde gemunkelt, dass es die Security selbst war, die den Strohballen in Brand gesetzt hatte.»

Pascal Koch, ehemaliger Cubabar-Helfer

Pascal Koch, ehemaliger Helfer der Cubabar, erzählt: «Vor Jahren hat irgendjemand einen Strohballen angezündet und in den Wald neben den Zelten geworfen.» Koch fügt lachend hinzu: «Damals wurde gemunkelt, dass es die Security selbst war, die sich gelangweilt hatte und sich damit etwas Action verschafft hatte.»

Dass dem nicht so gewesen ist, hat Koch erst Jahre später herausgefunden. «Ein Musiker, der nach Jahren wieder am Waldstock war, gestand mir, dass er das damals gewesen sei. Es tue ihm schrecklich leid! Der Grund für die pyromanische Aktion? Alkohol.»

Auch Koch erinnert sich mit Wonne an die grossen Abschlussfeuer in früheren Jahren. «Wir haben jeweils Raclette gemacht in der Glut. Weil das Feuer aber viel zu heiss war, mussten wir uns während des Wartens hinter Festgarnituren verschanzen, welche wir vertikal als Schutzschilder aufgestellt hatten.» Plötzlich kommt Koch eine Idee: «Oh, ich stell dir den Feivel vor. Der hat gute Geschichten auf Lager!»

Feivel, jetzt isch fertig!

Also los. Mitten übers belebte Festgelände, vorbei an der Band Steiner & Madlaina, stapfen wir durch den Schlamm zu besagtem Feivel. «Du, magst du die Kettensägengeschichte erzählen?» Feivel nickt. «Ich habe hier oben lebenslanges Motorsägenverbot.» Und das mit sehr gutem Grund, wie sich bald zeigen wird. «Als ich etwa 18 Jahre alt war, habe ich bereits beim Waldstock mitgeholfen. Damals gabs links und rechts von der Bühne eine grosse Holzschwartenwand.»

Auf dem Waldstockgelände hat sich in den letzten 20 Jahren einiges abgespielt.

Feivel hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Schwarten so zu sägen, dass sie bündig waren. «Nur hatte irgendjemand damals die glorreiche Idee, sowohl Wasser- als auch Stromleitungen direkt hinter dieser Wand zu verlegen. Ich habe damals die Wasserleitung getroffen und gleich auch noch die Ummantelung des Stromkabels angesägt.» Der Bauverantwortliche sei Zeuge des gefährlichen Manövers gewesen. «Er kam zu mir, fand, ‹Feivel, jetz isch aber fertig!›, und erteilte mir lebenslanges Kettensägenverbot. Von da an musste ich mühsam mit der Stichsage arbeiten.»

Kampf gegen die chronische Verspätung

Laura Hürlimann steht hinter der Theke der Pfadi-Baar-Bar. Seit vier Jahren ist sie im OK dabei. Heuer gibt sie ihre Dernière. Und nicht nur sie. Es ist das letzte Mal, dass die Beiz am Eingang in Pfadi-Baar-Händen ist. Hört man ihr zu, versteht man, dass es ganz viele kleine Anekdoten sind, die das Waldstock-Erlebnis prägen. «Wie vielen andern ist es auch mir so gegangen, dass ich zuerst als Helferin beim Waldstock mitgemacht habe. Erst später wurde das Fest für mich interessant.»

Laura Hürlimann ist heuer das letzte Mal im OK der Pfadi-Bar dabei.

Vier Wochen Ferien hat sie dieses Jahr fürs Waldstock genommen. Entstanden ist ein weisser Kubus, der zunächst minimalistisch anmutet. Sobald es jedoch eindunkelt, wird er mit Filmaufnahmen bespielt. Die Wirkung ist von weit her sichtbar. «Anfangs sind alle immer viel zu spät zum Aufbau erschienen», sagt Hürlimann lachend. «So haben wir begonnen, den Zeitpunkt um eine halbe Stunde vorzuverschieben. Seither sind alle zumindest zur ursprünglich geplanten Zeit erschienen.» Viel Zeit für Geschichten hat die Barchefin nicht. Sieben Carajillos wollen verkauft werden.

Drum Sticks – spontan handgeschnitzt

Beno Staub hat als Programmverantwortlicher schon einiges erlebt. Und hie und da lagen die Nerven auch mal blank. «Diesen Freitagabend tritt die Band Bukahara auf. Sie hat bereits bei uns gespielt. Auch wenn es da etwas Improvisation gebraucht hat.» Der Schlagzeuger hatte nämlich seine Drum Sticks vergessen. «Er ist dann kurzum in den nahe gelegenen Wald spaziert, hat dort passende Äste ausgesucht und sich selbst Schläger gebaut. Und es hat funktioniert!»

Ein gutes Festival schreibt auch die eine oder andere Liebesgeschichte. Nicht nur solche, die kurz nach einem Schäferstündchen hinter der Cubabar schon zu Ende sind. Sondern auch richtig lange.

Es knistert hinter dem Burgergrill

Eine solche Liebesgeschichte ereignete sich mitten in der Waldstockküche. Die ehemalige Küchenchefin Luzia Hofer hat dort, zwischen Braten und Pommes, ihren Partner kennengelernt. «Mittlerweile sind wir verheiratet und haben drei Kinder.» Noch immer kommen sie  – mittlerweile mit Familie – jedes Jahr von Effretikon hierher. «Das Waldstock ist für uns ein Fixpunkt.»

Luzia Hofer hat in der Waldstock-Küche ihren Mann kennengelernt.

Je später der Abend, desto ausgeschmückter, blumiger, phantastischer die Geschichten. Sie bewegen sich auf der dünnen Linie zwischen Wahrheit, Gerücht und Mythos. Die beiden langjährigen Waldstockbesucher Markus Gubser und Reto Jetzer jedenfalls schwören bei jeder der erzählten Geschichten, dass sie sich genau so zugetragen habe. «Dieser gute Freund von uns etwa», so Gubser, «der sich auf den Weg von der Cubabar aufs Klo machte – das sind vierzig Meter – und dann drei Stunden nicht mehr aufgekreuzt ist.»

Da liegt ein Schlafsack? Perfekt!

Es ist zwar ein bekanntes Phänomen, dass man auf dem Waldstockgelände verloren geht, weil man so viele Leute kennt und mit ihnen Stunden verplaudert. Dieser Fall sei jedoch anderer Natur gewesen. «Der war also auf dem Klo und hat sich offenbar danach entschieden, ein kurzes Nickerchen im Strohzelt zu machen. Denn dieses ist ja für alle da», ergänzt Jetzer. «Aber eben doch nicht», so Gubser. «Denn dieser Kerl hat sich einfach einen Schlafsack genommen, der dort bereits ausgebreitet lag, und hat es sich darin gemütlich gemacht. Jedenfalls so lange, bis die Besitzerin des Schlafsacks aufgekreuzt ist», so Jetzer begeistert.

Reto Jetzer (l.) und Markus Gubser, die Könige der guten (und gut ausgeschmückten) Geschichten.

«Weshalb unser Freund drei Stunden später, verschlafen und mit Stroh im Haar, wieder aufgekreuzt ist», schliesst Gubser.

«Ui, ja da gäbs schon eine Anekdote. Die kann ich dir aber nicht erzählen.»

Diverse Waldstock-Besucher

Häufig, wenn man einen Waldstock-Aficionado nach seinen besten Geschichten fragt, hört man die gleiche Antwort. «Ui, ja da gäbs schon eine. Die kann ich dir aber nicht erzählen.» Dazu ein verschmitzter Gesichtsausdruck. «Was am Waldstock passiert, bleibt am Waldstock.» Wir jedenfalls sind froh, dass das nicht immer stimmt.

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