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Braggarts: «Geben wir den Leuten doch zumindest im Refrain Hoffnung»
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Braggarts: Ralph Bütikofer, Dionys Jäger und Raphi Niederberger (von links). (Bild: lob)

Die Zuger Band mit neuer Single und im Interview Braggarts: «Geben wir den Leuten doch zumindest im Refrain Hoffnung»

7 min Lesezeit 08.06.2017, 10:11 Uhr

Bei der Zuger Band «Braggarts» ist vieles neu: Single, Album und Besetzung. Wir wurden von den drei Jungs aus Unterägeri und Rotkreuz in ihr Allerheiligstes gelassen, wo sie uns verraten, wieso sie lieber Maulhelden statt Angeber sein wollen. Und am Ende gab es noch etwas auf die Ohren.

zentralplus besucht die Indie-Rock-Band dort, «where the magic happens» – in ihrem Bandraum im Chamer Neudorf-Center. Mittlerweile dient der Raum den Jungs als Vorproduktionsort mit kleinem Studio, auch das Video zum früheren Song «Cold» wurde dort gedreht. Platz genug hat es jedenfalls, mit farbigen Neonröhren hat man dem Raum eine coole Atmosphäre gegeben. Neben Instrumenten, Lautsprechern und anderem musikalischem Equipment ist der Bandraum auch mit einer kleinen Bar und einem grossen Bandsofa ausgestattet, welches kurzerhand zum Interviewort wird. Wir nehmen Platz und reden mit Braggarts über Vergangenheit, Zukunft, Skurriles und den neuen Stil. Und bekommen eine Unplugged-Kostprobe der neuen Single zu hören.

zentralplus: Jungs, eure Band heisst «Braggarts» – also «Angeber» – wie passt das zu euch?

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Raphael «Raphi» Niederberger: Wir verstehen den Namen so: Man kann schnell eine grosse Klappe haben und etwas rausposaunen. Wir wollen aber, dass das, was mir machen, eine Message hat – und verstehen uns eher im Sinn von «Maulhelden», was die zweite Übersetzung ist. Wir wollen den Menschen etwas mitgeben.

Braggarts starten wieder durch

Nach dem letzten Album vor rund vier Jahren sind «Braggarts» wieder da: Am 9. Juni wird erst die Single «Different Light» veröffentlicht, am 22. September kommt das neue Album «Exploring Stars» – inklusive Plattentaufe in der Galvanik am 14. Oktober. Viel hat sich seither getan: Von den fünf ursprünglichen Mitgliedern ist nur noch Sänger Ralph «Büti» Bütikofer dabei, unterstützt von zwei jungen Wilden: Dionys «Dio» Jäger (Drums) und Raphael «Raphi» Niederberger (Cello, Gitarre und Keys).

zentralplus: Eure neue Single heisst «Different Light», das zweite Album «Exploring New Stars» – möchtet ihr euch in einem neuen Licht präsentieren?

Ralph «Büti» Bütikofer: Es ist eher die Weiterführung der Reise. Wir waren beim ersten Album wie ein kleines Kind, das alles «antrötzled». Heute sind wir einen Schritt weiter. Auch was die Zusammensetzung der Band angeht.

Dass wir uns generell in einem neuen Licht präsentieren, würde ich aber nicht sagen: Es ist nicht alles neu, sondern eher ein neuer Weg. Nicht nur Gesellschaftskritik, sondern alles um uns herum aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Positives abgewinnen. Es gibt genug Schreckliches auf der Welt.

zentralplus: Also alles in allem: Neben der Gesellschaftskritik – die bei euren älteren Songs sehr stark präsent ist – gibt es nun auch etwas fröhlichere Töne?

Dionys «Dio» Jäger: Wir zerpflücken immer noch gesellschaftliche Themen, haben uns aber sound- wie auch texttechnisch gedacht: Geben wir den Leuten doch zumindest im Refrain Hoffnung.

«Braggarts» in Action.

«Braggarts» in Action.

(Bild: Oliver Frommenwiler/zvg)

zentralplus: Lasst ihr euch von einer bestimmten Band inspirieren?

Bütikofer: Wir haben sehr oft gehört, dass wir ähnlich wie «Placebo» klingen. Obwohl wir das nicht unbedingt so sehen. Von mir aus geht es eher in Richtung «Kensington», aber nur bedingt.

Jäger: Ach was, wir sind Braggarts – ganz einfach!

«Die Seele der Band ist von Büti auf uns übergesprungen.»

Dionys Jäger

zentralplus: Ihr habt vorher die neue Zusammensetzung der Band angesprochen – seit der Gründung 2006 hat sich personell einiges bei euch getan, richtig?

Bütikofer: Kann man so sagen. Die Band beziehungsweise den Bandnamen gibt es seit 2006. Am Anfang waren wir fünf Leute, wir haben mehr oder weniger als Hobbyband angefangen. Mit der Zeit sind wir gewachsen: Wir haben Band-Contests gewonnen, erste Demos, dann unser erstes Album produziert. Und sind durch die Schweiz, Süddeutschland und Österreich getourt.

Man hört viel von Bands, die nach dem ersten Album auseinanderbröckeln. Ich war überzeugt davon, dass das bei uns anders sein sollte, dass das ein Gerücht ist. Tatsächlich bin aber von den «alten» Braggarts heute nur noch ich übrig.

zentralplus: Wie kam es dazu?

Bütikofer: Das hatte mehrere Gründe. Ein Mitglied hat beispielsweise auf der Tournee seine jetzige Frau kennengelernt und für ihn war klar, dass nach dem ersten Album Schluss ist. Es ist aber auch so, dass sich vieles ändert, wenn man als Band erst mal Wellen schlägt.

Jäger: Ja, du bist zum Beispiel nicht mehr allein.

Bütikofer: Richtig, du hast plötzlich Partner, eine Crew. Es sind, wie Dio gesagt hat, plötzlich viel mehr Leute um dich herum. Die natürlich alle auch Erwartungen haben. Manchmal ist es zudem nicht einfach, die Freude an der Musik aufrechtzuerhalten: Gerade bei einem Album investierst du viel Herzblut, Zeit und auch Geld; eine Produktion ist extrem viel Arbeit.

Ich kann deshalb schon verstehen, dass Leute dies kein zweites Mal erleben wollen. Es ist schon ein Unterschied, ob man nur im Keller und nur aus Freude Musik machen will oder auch in alles andere verwickelt sein will: Studio, Label und einen Haufen Arbeit.

zentralplus: Es lag also nicht an Beziehungen innerhalb der Band, sondern eher der Gedanke: Jetzt wird es kommerziell und vieles ändert sich?

Bütikofer: Im Grunde ja, aber vermeiden wir bitte das Wort «kommerziell», im Moment ist bei uns noch gar nichts kommerziell. (lacht)

Exklusiver Ausschnitt – so klingt «Different Light» unplugged im Bandraum:


zentralplus: Alles klar. Die «neuen» Braggarts sind jetzt also du, Raphi und Dio?

Bütikofer: Wir sind jetzt tatsächlich nur noch drei Kernmitglieder. Raphi ist relativ bald zu uns gestossen, weil wir für die Plattentaufe für unser erstes Album damals Extras wie Cello haben wollten. Es stellte sich dann heraus, dass er den Part eines weiteren früheren Mitglieds – also Gitarre, Synthesizer und Gesang – ebenfalls übernehmen konnte, und so ist er geblieben. Vor etwa zwei Jahren kam dann Dio noch dazu.

Jäger: Ausserdem haben wir zwei Stand-Ins für Gitarre und Bass, die jeweils mit uns auftreten. Sie sind aber sozusagen von den anderen Bandverpflichtungen gelöst. (lacht) Und man kann sagen: Die Seele der Band ist von Büti auf uns übergesprungen.

zentralplus: Sehr philosophisch. Ob jetzt alt oder neu – was ist die lustigste Konzertanekdote der Braggarts?

Bütikofer: Da war doch mal was, am Rocksack-Festival in Allenwinden vor ein paar Jahren …

Niederberger: Ja, mein Cello ist dabei kaputtgegangen. Büti ist ziemlich abgegangen auf der Bühne, sodass das Cello aus der Halterung gesprungen ist und hinten einen grossen Riss hatte. Das ist aber wohl eher tragisch als lustig (grinst).

Bütikofer: Ok, dann noch eine Skurrile. Die stammt aus unseren früheren Bandzeiten. Passiert ist es im Halbfinale des «Battle of Bands» in Zürich. Meine Partnerin organisierte, dass sie und ihre Kolleginnen bei unserem Auftritt ihre BHs auf die Bühne warfen.

Die Zuger «Maulhelden» posieren fürs Interview.

Die Zuger «Maulhelden» posieren fürs Interview.

(Bild: lob)

zentralplus: Apropos Auftritt – ihr tretet im August zwei Mal am «Stars in Town» in Schaffhausen auf. Werden das eure grössten Gigs bisher?

Bütikofer: Schwierig zu sagen, wir haben schon zwei Mal im Volkshaus Zürich gespielt, das ebenfalls relativ voll war. Aber es wird vermutlich das grösste Open Air sein, an dem wir bisher gespielt haben.

Niederberger: Von den Auftritten, die aktuell anstehen, sind das sicher die grössten und bedeuten ein Highlight. Ausserdem ist es echt cool, dass wir dort am 10. und 11. August gleich zwei Mal spielen dürfen.

«Man dürfte gerne wieder etwas nachhaltiger werden. Nicht nur in der Musik, sondern als Mensch allgemein.»

Ralph Bütikofer

zentralplus: Ihr werdet ab jetzt wieder vermehrt touren – ist es das Ziel, international Fuss zu fassen?

Jäger: Wir releasen die Singles und auch das Album weltweit. In Deutschland und England machen wir auch Promo dafür. Klar versuchen wir, uns dort auch bekannter zu machen. Auf «Different Light» gab es auch schon viele Reaktionen.

Bütikofer: Natürlich wäre das für uns sehr interessant. Wir würden sich nicht nein sagen, wenn jemand anruft, wir dürften jetzt ein paar Wochen in England auf Tour. (Lacht)

zentralplus: Ihr wart Ende Mai am Silo-Festival in Hünenberg – kann man euch in Zug bald wieder hören?

Bütti: Das Silo war cool, ohne Handy hat das Ganze so ein bisschen an Woodstock erinnert. In Zug spielen wir am 29. Juni wieder, in der Chicago-Bar. Im Oktober gibt es dann Plattentaufe in der Galvanik. Einen Teil des Videos für die neue Single haben wir übrigens dort gedreht.

zentralplus: Was würdet ihr einer jungen Anfängerband heute raten?

Niederberger: In erster Linie Freude an dem haben, was man macht.

Jäger: Richtig. Aber auch nicht denken, dass alles nur Spass ist, wenn man Erfolg haben will: Es gibt viel Langweiliges wie stundenlange Diskussionen.

Bütikofer: Kritik annehmen, weiterlernen und Spass haben. Und vor allem, etwas Beständiges zu machen. Zielt nicht darauf ab, heute viral und morgen nirgendwo mehr zu sein. Man dürfte gerne wieder etwas nachhaltiger werden. Nicht nur in der Musik, sondern als Mensch allgemein.

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