Brändi Dog: Wie aus Holz ein Kultklassiker entsteht
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Matthias Moser (links) und David Winterberg (rechts) sind stolz auf den Luzerner Exportschlager Brändi Dog. (Bild: cbu)

Pandemie sorgt für Boom Brändi Dog: Wie aus Holz ein Kultklassiker entsteht

4 min Lesezeit 21.08.2021, 19:17 Uhr

Der Brettspielklassiker Brändi Dog ist aus vielen Schweizer Spieleabenden nicht mehr wegzudenken. Heuer feiert das Holzspiel sein 25-jähriges Bestehen. zentralplus hat einen Blick in die Werkstatt in Sursee geworfen und zeigt, mit welchen Herausforderungen die Stiftung konfrontiert ist.

Als wir um acht Uhr morgens in die Werkstatt der Stiftung Brändi Neubrugg in Sursee blicken, wird bereits emsig gearbeitet. In der Luft liegt der Geruch von frischem Holz. Im vorderen Bereich nähen Frauen an Nähmaschinen Beutel zusammen. Auf manchen sind Füchse zu sehen, auf anderen bereits Tannenbäume. «Daraus entstehen unsere Kirschsteinkissen und die Chlaussäckli», erklärt David Winterberg, Leiter der Werkgemeinschaft, der uns durch die Etage führt.

Etwas weiter hinten und über mehrere Räume verteilt, wird an verschiedenen Stationen am Brändi-Klassiker schlechthin gearbeitet: dem Brändi Dog. An grossen Geräten werden die Kanten des Spielbretts abgeschliffen – oder gefast, wie es technisch ganz korrekt heisst. Dann werden die Einkerbungen für die Murmeln gebohrt und selbige sortiert und in selbst genähte Beutel – auch eine Arbeit der Damen im vorderen Bereich – abgefüllt.

Später verpacken Mitarbeiter die Einzelteile des Spielbretts in Schachteln und verschweissen sie. Zwar leistet das AWB Kriens, ein weiterer Produktionsstandort der Stiftung, einen Teil der Vorarbeit – es schneidet das Holz zu und kümmert sich auch um die Lackierung –, hergestellt wird das Brändi Dog in seinen verschiedenen Ausführungen aber hauptsächlich in Sursee.

Pandemie sorgt für einen «Run» auf das Spiel

Heuer feiert das Brettspiel, das eine taktisch ausgefeiltere Variante von «Eile mit Weile» darstellt und in Teams gespielt wird, sein 25-Jahr-Jubiläum. Es gilt als eines der beliebtesten Brettspiele in der Schweiz und sorgt immer wieder für gesellige Runden – und ausgewachsene Schreikrämpfe. Davon kann der Autor ein Lied singen.

«Die Nachfrage ist immer noch höher, als wir produzieren können.»

Matthias Moser, Mediensprecher Stiftung Brändi

Dass das Spiel – nebst dem faltbaren Brändi Grill und dem Flaschenöffner Brandy Boy, die beide ebenfalls Jubiläum feiern – sehr begehrt ist, zeigt sich auch in der Werkstatt. Hier stapeln sich ganze Brändi-Dog-Türme. Noch Anfang Jahr sah das anders aus. Da kam es nämlich zu Produktionsengpässen, mancherorts war das Spiel gar komplett ausverkauft. Lange werden aber auch diese Exemplare nicht halten. «Die Nachfrage ist immer noch höher, als wir produzieren können», sagt Mediensprecher Matthias Moser, der uns auf dem Rundgang ebenfalls begleitet.

Die Pandemie hat, wie es scheint, einen regelrechten Boom ausgelöst. Die Ressourcen zu erhöhen, um der unmittelbaren Nachfrage nachzukommen, kam allerdings nicht in Frage. «Für die Stiftung Brändi steht die Begleitung ihrer Mitarbeitenden im Mittelpunkt», erklärt Matthias Moser.

Begleitung ist wichtiger als hoher Output

Darum ist das Ziel der Brändi-Werkstätten nicht, einen möglichst hohen Output im Akkord zu produzieren, sondern die Menschen zu betreuen und in manchen Fällen für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Rund 60 Männer und Frauen, die meisten mit psychischen Erkrankungen, arbeiten in der Brändi-Dog-Produktion.

Impressionen aus der Werkstatt und die Herausforderungen der Stiftung siehst du im Video.

Vier geschulte Betreuer begleiten sie bei der täglichen Arbeit. Diese sind in der Regel ausgebildete Arbeitsagogen oder Sozialpädagogen und darauf spezialisiert, mit psychisch beeinträchtigten Menschen umzugehen. Hin und wieder gebe es aber auch Quereinsteiger, wie Moser erklärt. «Diese absolvieren dann die Ausbildung berufsbegleitend.» Die Mitarbeiterinnen arbeiten grösstenteils Teilzeit in der Werkstatt und wechseln hier zwischen den verschiedenen Stationen hin und her, um verschiedene Arbeitstechniken und Geräte kennenzulernen.

Rund 40 Berufseinsteiger pro Jahr

«Diese Abwechslung ist uns sehr wichtig, damit unsere Mitarbeitenden vielseitig einsetzbar sind», sagt Winterberg. Pro Jahr schliessen rund 70 Berufsleute ihre Ausbildung an einem Brändi-Standort ab. Zwei Drittel davon finden gemäss der Stiftung «auf Anhieb eine Anstellung in der Wirtschaft».

Die Mitarbeitenden haben alle verschiedene Hintergründe. «Einige melden sich von sich aus bei uns, andere werden von der IV, sozialen Einrichtungen oder Beiständen vermittelt», erklärt Winterberg weiter. Wichtig sei, dass man jeden und jede einzeln betreue und man auf die jeweiligen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Grenzen Rücksicht nehme. Manchmal ist auch ein kleiner «Schupf» nötig. «Sonst gibt es solche, die den ganzen Tag an der Bohrmaschine arbeiten möchten.»

Über die Stiftung

Nebst der Schreinerei betreibt die Stiftung Brändi auch drei Gärtnereien und setzt die Angestellten für kaufmännische Arbeiten, die Metallbearbeitung und in der Gastronomie ein. Mit 15 Standorten und rund 1’800 Beschäftigten im Kanton Luzern zählt die Stiftung Brändi zu den grössten Arbeitgebern in der Zentralschweiz.

Im Auftrag des Kantons und der Invalidenversicherung bietet sie Arbeits-, Ausbildungs- und Wohnplätze für Menschen mit einer geistigen oder psychischen Behinderung an. Sie wurde 1968 auf Initiative des Elternvereins Insieme, der Stiftung Rast und des Kantons Luzern gegründet.

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