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Bossard Arena: Stadtrat ist verärgert
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Knapp sechs Jahre nach Inbetriebnahme treten erste Schwächen in der Bossardarena auf. Der Stadtrat findet das nicht lustig.

Defekte Wärmetauscher verursachen horrende Kosten Bossard Arena: Stadtrat ist verärgert

4 min Lesezeit 31.05.2016, 17:57 Uhr

Knapp sechs Jahre nach dem Bau der Bossard Arena treten bereits erste Mängel auf. Und diese kommen die Stadt Zug teuer zu stehen. Wegen defekter Wärmetauscher muss diese nun 420’000 Franken locker machen. Und zusätzlich Geld hinblättern, damit der EVZ überhaupt weiterhin in Zug spielen kann. Das sei besser als der befürchtete Reputationsschaden, findet der Stadtrat.

Da scheint der Wurm drin zu sein bei den Wärmetauschern in der Bossard Arena (zentralplus berichtete). Zwei von acht Geräten sind bereits ausgestiegen. Ein drittes musste vorsorglich ersetzt werden. Zwei weiteren blüht, so schreibt die Stadt Zug, ein ähnliches Schicksal. Das jedenfalls befand die durchgeführte Risikoanalyse. Kostenpunkt für die fünf zu ersetzenden Wärmetauscher: 420’000 Franken.

Sollte ja kein Problem sein, denkt man sich. Die Bossard Arena ist ja erst knapp sechs Jahre alt, wir befinden uns also bestimmt noch innert der Garantiefrist. Nichts dergleichen. Diese ist nämlich gerade erst abgelaufen. Darum muss die Stadt Zug für den Betrag aufkommen. Es ist nicht die erste Grossinvestition nach der Eröffnung der Bossard Arena. Erst vor rund einem Jahr beschloss der Grosse Gemeinderat nach langer Debatte, eine Sprinkleranlage für 660’000 Franken installieren zu lassen (zentralplus berichtete).

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«Ja, natürlich, das ist sehr ärgerlich», sagt der Zuger Finanzchef Karl Kobelt zu den aktuellen Mängeln. «Aber auch wenn wir noch in der Garantiefrist wäre, würde das letztendlich nichts ändern am Problem», erklärt er. Es ist wichtig, dass wir uns nun ein Jahr Zeit nehmen, um eine definitive, gute Lösung für dieses Problem zu finden.» Der Grund, warum die Geräte kontinuierlich kaputt gehen, ist bis heute unklar.

Was täte der EVZ ohne Eis?

Wurde hier etwa Baupfusch begangen? Das glaubt Kobelt nicht: «Man hat 2010 nach der besten und modernsten Technologie Ausschau gehalten. Dass diese Wärmetauscher nach fast sechs Jahren anfällig werden, konnte man damals nicht erahnen. Von Pfusch kann daher meines Erachtens nicht die Rede sein», erklärt er.

«Der Reputationsschaden wäre riesig.»

Karl Kobelt, Stadtzuger Finanzchef

Der Finanzchef ist dennoch froh darum, die Defekte entdeckt zu haben, noch bevor die Wärmetauscher unverhofft zu funktionieren aufhörten. «Der Reputationsschaden wäre riesig. Stellen wir uns vor, der EVZ könnte keine Heimspiele mehr austragen und müsste sich temporär an einem Ort einquartieren. Da würden Millionenkosten entstehen.» Reputationsschäden und hohe Kosten, die anfallen könnten. Doch wie steht es um das Sicherheitsrisiko, wenn die Wärmetauscher plötzlich ausgefallen wären? «Da besteht keines. Tatsächlich wäre der Ausfall selber das grösste Risiko in diesem Fall. Denn wenn die Anlage ausfällt, kann sie nicht innert nützlicher Frist repariert werden», beteuert Kobelt.

Die von der Stadt angeordnete Risikoanalyse empfahl, auch die restlichen fünf Wärmetauscher vorsorglich zu ersetzen. 420’000 Franken für fünf Wärmetauscher, die noch auszuwechseln sind. Das tut weh. «Ja, nun, nach Garantieablauf, liegt es an der Stadt, den Betrag zu übernehmen. Doch werden wir sowohl mit der Versicherung als auch mit dem zuständigen Lieferanten das Gespräch suchen, um abzuklären, ob man diese nicht in die Pflicht nehmen kann.» 

Am 9. September beginnt die neue Hockeysaison, bis dahin muss das Eisfeld in tadellosem Zustand sein. Weil das bisherige Ammoniak/CO-Kältesystem nicht mehr gewährleistet werden kann, muss eine Alternative her.

Zwei Lösungen, eine davon stinkt

Zwei Lösungen bieten sich laut Stadt Zug an: ein provisorisches Eisfeld in der Bossard Arena oder eine vorübergehende Umstellung auf einen reinen Ammoniakbetrieb. Ein provisorisches Eisfeld für die Eishockey-Saison 2016/17 kostet rund 300’000 Franken. Die Umstellung auf einen reinen Ammoniakbetrieb würde hingegen nur 60’000 bis 70’000 Franken kosten. Diese von der Stadt Zug bevorzugte Version liegt derzeit beim Amt für Umweltschutz (AfU) des Kantons Zug.

«Da aber Ammoniak ziemlich stinkt, wäre in einem solchen Fall der Ausbruch von Panik nicht ganz auszuschliessen.»

Karl Kobelt, Stadtzuger Bauchef

«Dieses klärt derzeit ab, ob die Ammoniakversion bewilligt werden kann.» Ist diese denn umwelttechnisch vertretbar? «Ich denke schon. Das alte Hertistadion hat 50 Jahre mit dieser Technologie funktioniert.» Überdies bestehe laut Fachleuten selbst bei einem allfälligen Austritt von Ammoniak kaum eine gesundheitliche Gefährdung, so Kobelt. «Da aber Ammoniak ziemlich stinkt, wäre in einem solchen Fall der Ausbruch von Panik nicht ganz auszuschliessen. Es kann aber auch ein anderes Ereignis, beispielsweise ein Brand, zu Panik führen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es bekanntlich nicht.»

 

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