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Termine bis Neujahr ausgebucht
Booster-Impfung: Geht dem Kanton Luzern das Personal aus?

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Am Wochenende hatte es eine lange Warteschlange vor dem Impfschiff in Luzern. Der Kanton rechnet auch in den nächsten Wochen mit einer grossen Nachfrage für die Booster-Impfung
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Am Wochenende hatte es eine lange Warteschlange vor dem Impfschiff in Luzern. Der Kanton rechnet auch in den nächsten Wochen mit einer grossen Nachfrage für die Booster-Impfung (Bild: ida)

Neu kann man sich bereits vier Monate nach der Zweitimpfung zur Auffrischimpfung anmelden. Die Nachfrage nach dem Booster ist in Luzern riesig. Der Kanton hat genug Impfstoff. Das Problem ist der «ausgetrocknete» Personalmarkt im Gesundheitsbereich.

«Testen, testen, testen», so lautete vor der Einführung der Covid-Impfung das Credo des Bundesrats. Danach änderte sich die Parole zu: «Impfen, impfen, impfen.» Und spätestens seit der Pressekonferenz des Bundesrats am vergangenen Freitag ist klar: Das neue Motto heisst «Boostern, boostern, boostern.» So hat der Bundesrat nämlich beschlossen, dass geimpfte Personen schon vier Monate nach ihrer Zweitimpfung zur Auffrischimpfung zugelassen sind (zentralplus berichtete).

Die Reaktion der Bevölkerung erfolgte postwendend. Viele drängen nun auf ihre dritte Impfung. So auch im Kanton Luzern. Am Wochenende bildete sich eine lange Warteschlange vor dem Impfschiff beim KKL. Dort können sich Impfwillige nämlich spontan und ohne Voranmeldung impfen lassen. Die Wartezeit soll gemäss Beobachtungen rund eine Stunde gedauert haben.

Der halbe Kanton will die Boosterimpfung

«Wir stellen fest, dass momentan die Nachfrage nach Boosterimpfungen sehr gross ist», heisst es denn auch beim Gesundheits- und Sozialdepartement (GSD) auf Anfrage von zentralplus. Die grosse Nachfrage sei insbesondere seit Freitag festzustellen, als der Bund die Wartefrist für die Boosterimpfung verkürzte.

«Wir gehen davon aus, dass wir die Nachfrage nach Boosterimpfungen bis Mitte/Ende Februar 2022 decken können.»

Gesundheits- und Sozialdepartement Kanton Luzern

Dass der Booster jetzt bereits vier Monate nach der Zweitimpfung zugelassen ist, ist aber nicht der alleinige Grund für die derzeit grosse Nachfrage: «Die neue Virusvariante Omikron dürfte zur hohen Nachfrage beitragen», so das Gesundheitsdepartement. Darum geht das Departement davon aus, dass die Nachfrage auch in den nächsten Wochen hoch bleiben wird. «Wir rechnen bis Mitte/Ende Februar mit über 200’000 Auffrischimpfungen.» Der Kanton geht also davon aus, dass sich rund die Hälfte der kantonalen Wohnbevölkerung in den nächsten Wochen boostern lassen will. Aktuell sind im Kanton Luzern rund 16 Prozent der Bevölkerung mit der Auffrischimpfung geimpft.

Zudem mutmasst das Gesundheitsdepartement, dass die neuen Corona-Massnahmen des Bundes auch einen Einfluss auf die verabreichten Erst- und Zweitimpfungen haben werden. So könnten die ab Montag geltende 2G-Regel für Innenräume weitere Personen, die sich bisher nicht haben impfen lassen, doch noch zur Impfung animieren. Für den Kanton ist es aber schwierig abzuschätzen, wie gross diese Nachfrage sein wird.

Kommt es wegen dem Booster zum Impfchaos?

Bricht in Luzern nun das grosse Impfchaos aus? Kommt es gar zu noch längeren Warteschlangen als am Wochenende vor dem Impfschiff? Beim Gesundheitsdepartement gibt man sich gelassen. Zwar sei bei Impfangeboten wie auf dem Impfschiff, wo man sich ohne Voranmeldung impfen lassen kann, mit Wartezeiten zu rechnen. Andernorts klappt die Verteilung der Impfwilligen aber besser: «Bei den Impfzentren mit Terminvergabe wird das Ziel gut erreicht, Wartezeiten zu vermeiden.»

«Der Gesundheitspersonalmarkt ist aktuell total ausgetrocknet. Das Personal kann also ein limitierender Faktor sein.»

Gesundheits- und Sozialdepartement Kanton Luzern

Wer nun auf die Schnelle einen Termin für die Boosterimpfung buchen will, dürfte es aber schwer haben. So seien die verfügbaren Termine im Kanton Luzern für diese sowie nächste Woche praktisch ausgebucht, vermeldet das GSD. Doch das Departement zeigt sich zuversichtlich, den Ansturm auf die Boosterimpfung in den nächsten sechs bis acht Wochen bewältigen und kanalisieren zu können. «Wir gehen gemäss dem aktuellen Kenntnis- und Wissensstand davon aus, dass wir die Nachfrage nach Boosterimpfungen bis Mitte/Ende Februar 2022 decken können.»

Personalmarkt ist «ausgetrocknet»

Allerdings gibt es eine kritische Variable: das Personal. Der Personalmarkt im Gesundheitsbereich sei «total ausgetrocknet», wie das GSD sagt. Die Verfügbarkeit des Personals könnte daher zu einem «limitierenden Faktor» werden.

Dass die Boosterimpfung primär zu einer logistischen Herausforderung wird, betonte auch Gesundheitsminister Alain Berset in der Pressekonferenz am Freitag (zentralplus berichtete). Die Verfügbarkeit des Impfstoffs sei im Gegensatz zum Beginn der nationalen Impfkampagne vor rund einem Jahr kein Problem. Damals verordnete der Bundesrat ein gestaffeltes Vorgehen beim Impfen, weil die Verfügbarkeit der Impfdosen kritisch war. Nun dürfen also alle auf einmal zur Impfung – sofern jemand da ist, der den Piks letztlich setzt.

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7 Kommentare
  1. Roli Greter, 21.12.2021, 07:55 Uhr

    Es wird Zeit dass endlich auch Primarschüler die Impfung verabreichen dürfen. Die Kinder haben bald Ferien und genügend Zeit…

    Ja, Impfchaos 🙂
    Von aussen betrachtet ist diese Farce wirklich urkomisch.

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    1. Remo, 21.12.2021, 22:18 Uhr

      Sie haben bestimmt eine schlaue Lösung? Oder etwa nicht?

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  2. Familie Fasel, 21.12.2021, 07:53 Uhr

    Die ganze Boosterei im Impfzentrum Luzern ist meines Erachtens katastrophal organisiert. Auch auf der entsprechenden Homepage steht man immer wieder an. Die Angaben zu den Covid-Impfungen in den Apotheken stimmen hinten und vorne nicht mit den realen Angeboten vor Ort überein.

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  3. Opi Kron, 20.12.2021, 16:42 Uhr

    Es war seit dem Sommer klar, das der Booster kommt (siehe Nachrichten aus Israel). Das die Regierung nicht rechtzeitig geplant hat zeugt von Inkompetenz.

    Es würde mich aber nicht überraschen sollte sich diese Geschichte bei der Kinderimpfung wiederhole.

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  4. Lucommenter, 20.12.2021, 13:40 Uhr

    Die Armee steht zur Hilfe bereit – es braucht nur ein Gesuch aus Luzern.

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    1. Remo, 21.12.2021, 22:20 Uhr

      Und die Armee hat dann eine grosse Menge an Spitalsoldaten? Oder werden die Füselzüge als Aushilfsimpfer angelernt?

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      1. Alain, 22.12.2021, 17:30 Uhr

        Es braucht aber gar nicht so viele Impfer (wobei Sanitätssoldaten das wahrscheinlich gut können) – es geht eher um den Aufwand drumherum. Die grossen Impfzentren haben ja “nur” etwa 20 Impfstrassen und können trotzdem viele Dosen verimpfen – das view Personal wird für den Papierkram, um Spritzen herumzukarren, für die überwachung, und Eingangskontrolle, gebraucht.

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