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Boom vorbei? Immer weniger Luzerner Höfe am «Bauernbrunch»
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Der Bauernbrunch ist gut besucht – aber es gibt immer weniger Höfe, die ihn anbieten. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Nur noch elf Betriebe bieten «1.-August-Zmorge» an Boom vorbei? Immer weniger Luzerner Höfe am «Bauernbrunch»

4 min Lesezeit 19.07.2017, 05:04 Uhr

Die Anzahl der Luzerner Bauernhöfe, die am «Bauernbrunch» mitmachen, sinkt jährlich. So organisieren im Vergleich zum Vorjahr rund ein Drittel weniger Betriebe ein 1.-August-Zmorge. Hat sich das Angebot überlebt? Nein, sagt der Bauernverband – doch auch zehn Tage vor dem Nationalfeiertag sind die wenigsten Bertriebe ausverkauft.

Der 1. August steht vor der Türe: Was unternimmt man am Nationalfeiertag? In den letzten Jahren gingen Herr und Frau Schweizer vermehrt an den «Bauernbrunch». Das Zmorge auf dem Hof zieht jährlich tausende von Besucher an – auch im Kanton Luzern. Organisiert wird der Event von einzelnen Höfen und den dort bauernden Familien. Im Kanton können die Besucher für den Brunch zwischen elf verschiedenen Höfen auswählen.

Dass es in diesem Jahr «nur» elf sind, macht aber stutzig: Schliesslich waren es noch im letzten Jahr 15 Betriebe, die einen Brunch organisierten, vor ein paar Jahren sogar 18. Und die Veranstaltungen waren stets gut besucht: Beinahe alle Frühstücksevents waren restlos ausverkauft. Warum also fallen dieses Jahr erneut Betriebe weg?

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Gewitter und Unfälle treffen Bauernbetriebe

«Die Nachfrage ist nach wie vor gross», versichert Belinda Vetter, Projektleiterin Bauernbrunch beim Schweizer Bauernverband. Die Ausfälle der Höfe hätten andere Ursachen: «Gewisse Familien organisieren den Brunch im Zweijahres-Rhythmus. So kann es zu Schwankungen kommen.» Aber das ist nicht der einzige Grund: «Andere Familien nutzen die Plattform Brunch als Einstieg in den Agrotourismus. Sobald dieser anläuft, weicht der Brunch automatisch anderen Aktivitäten auf dem Hof.»

Auch Hofübergaben hätten zur Folge, dass der 1.August-Brunch nicht weiter durchgeführt wird. Oder familiäre Situationen verändern sich: Scheidungen, Todesfälle oder Unfälle könnten eine Situation auf einem Hof grundlegend verändern. Auch werde kein Brunch mehr angeboten, wenn dieser defizitär werde, so Vetter.

Ein grösseres Problem seien auch die Unwetter . «In diesem Jahr hat es auch einen Hof im Kanton Luzern getroffen», sagt Belinda Vetter. Das Lokal, in dem der Brunch stattfinden sollte, wurde bei den heftigen Regenfällen überschwemmt. Vetter sagt: «Dem Wetter sind wir als Organisatoren einfach ausgeliefert.»

Die wegfallenden Höfe hätten ein Brunch für je 200 bis 300 Personen angeboten, sagt Vetter. Doch das bedeute nicht, dass jetzt fast 1000 Plätze fehlten: «Viele Betriebe haben ihr Platzangebot am Brunch aufgrund der grossen Nachfrage dafür aufgestockt.» 

Reservationen abhängig vom Wetterbericht

Aber trotz wegfallender Betriebe: Die Bauernbrunchs sind bei weitem noch nicht ausverkauft. Gerade einmal drei Höfe geben auf der Homepage an, ausgebucht zu sein. Im letzten Jahr konnten bereits vor der Veranstaltung ein Grossteil der Höfe keine Anmeldungen mehr entgegennehmen. Ist der Boom vorbei? Vetter sagt: «Wir sind im Fahrplan.» Denn: «Viele Leute warten den Wetterbericht ab, bevor sie einen Platz reservieren.» 

«Die Helfer können nicht in einem normalen Stundenlohn entlöhnt werden.»

Theresia Marbach, Leiterin Marketing des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands

Gewisse kämen auch unangemeldet – das ist zwar möglich, aber bei den Organisatoren nicht unbedingt gerne gesehen. «Oft tauchen Leute spontan auf, manchmal auch zu eigentlich ausverkauften Events. Die Familien versuchen dann wenn immer möglich, vor Ort eine Lösung zu finden», so Vetter. Dies sei aber nicht immer einfach.

Brunch als Werbeinstrument

Theresia Marbach, Leiterin Marketing des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands, sagt: «Wir könnten durchaus mehr Höfe für den Event gebrauchen.» Wichtig sei aber, dass die Familien die Organisation wirklich an die Hand nehmen wollen – und auch können. Marbach: «Um den Aufwand zu bewältigen, braucht es einen starken Rückhalt bei Familie, Freunden oder Vereinen. Alleine ist ein Brunch in dieser Grössenordnung mit 100 Gästen oder mehr nicht machbar.» Schliesslich sei der Anspruch ans Buffet, dass alles oder das Meiste selber gemacht sei.

Oftmals stehe ein Verein hinter der Organisation, der mit der Familie zusammenarbeitet. Ein typisches Beispiel dafür ist der Hof der Familie Wüest in Buchs: Dort helfen die Musikgesellschaft Buchs und die Feldmusik Uffikon bei der Durchführung mit. «Da ist viel Goodwill mit dabei», sagt Marbach, «denn diese Helfer können nicht in einem normalen Stundenlohn entlöhnt werden.» Der Brunch sei für die Bauern nicht das grosse Geschäft, unter dem Strich bleibe nicht viel. «Für Gewisse ist es ein Werbeinstrument – wenn man einen Partyraum zu vermieten hat oder einen Hofladen besitzt, so kann man am Brunch neue Kunden gewinnen», erklärt Marbach.

Ausserdem sei nicht jede Absage der Bauern unerfreulich: Der Hof von Regula Bucheli, der Präsidentin der Luzerner Bäuerinnen, habe in diesem Jahr abgesagt, weil sich die Familie im Frühling über ein neugeborenes Enkelkind freuen durfte. «Da haben wir natürlich vollstes Verständnis», so Marbach. Und wer weiss: «Vielleicht wird die Familie Bucheli in einem Jahr wieder am Brunch mitmachen.»

Neue Gesichter im Kanton Luzern

Doch auch wenn mehrere Höfe wegfallen in diesem Jahr, es gibt auch immer wieder neue Betriebe, die sich engagieren. Belinda Vetter sagt: «Es freut uns, dass sich jedes Jahr schweizweit zahlreiche neue Betriebe als Organisatoren eines Bauernbrunches zur Verfügung stellen.» Auch im Kanton Luzern gibt es einen Neuling: Die Familie Bucher vom Steinhuserberg.

Der Neo-Hof fährt eine eher günstige Preispolitik: 29 Franken kostet das Zmorge. Für Kinder zwischen 5 und 14 kostet der Event einen Franken pro Altersjahr. Und für alle, die am Nationalfeiertag noch nichts vorhaben: Auch auf dem Steinhuserberg sind noch Plätze frei.

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