Kultur

Schüür: Punker strapaziert Geschmacksgrenzen
Bonaparte schockiert Luzerner mit nackten Tatsachen

  • Lesezeit: 3 min
<p>Tabus wurden gebrochen, Grenzen überschritten, und der ein oder andere schockiert.</p>
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  • Rezension
Tabus wurden gebrochen, Grenzen überschritten, und der ein oder andere schockiert. (Bild: Sarah Brühlmann)

Die Erwartungen an die Bühnenshows Bonapartes waren gross, als sich das Luzerner Partyvolk am Donnerstagabend im Dachstock der Schüür versammelte. Der Schweizer Sänger gab Vollgas und kratzte dabei an den Grenzen des guten Geschmacks.

Zum 25-jährigen Jubiläum holte die Schüür an diesem Abend die Trash-Punk-Wundertüte Bonaparte, mit Unterstützung der Band Soybomb, ins Haus. Die Show begann, in bester Schweizer Manier, auf die Minute pünktlich mit Soybomb als Vorband. Unter den Pop-Klängen der Zürcher füllte sich der Dachstock der Schüür schnell. Sie sorgten für gute Stimmung und brachten das Publikum zum Tanzen – ein erstes Highlight und ein kleiner Vorgeschmack auf das, was an diesem Abend noch aufwartete.

Immer weniger Kleidung im Spiel

Bonaparte indes startete seine Show danach ruhig auf der dramatischen, nebelverhangenen Bühne und spielte einige nachdenkliche Songs, unter anderem seinen aktuellen Hit «White Noize». Das Tempo steigerte sich jedoch schnell, und die beiden Tänzer hatten ihren ersten Auftritt. Gekleidet in groteske Ganzkörperanzüge, tanzten sie um die Band herum und warfen grosse Ballone ins Publikum, welche mehr als nur ein Mal ihren Weg zurück auf die Bühne fanden und auf Musikern oder Instrumenten landeten.

Dass Bonaparte keine Tabus kennt, ist bekannt – es aber mitzuerleben, war eine ganz andere Sache. Mit jedem Auftritt der Tänzer, die dem Sänger des Öfteren die Show stahlen, war weniger Kleidung im Spiel.

Tanzeinlagen heizen dem Publikum ein

Auf die Ganzkörperanzüge folgte eine Stripshow, verhüllenden Tüchern folgten Gymnastikanzüge, bis zuletzt auch noch das letzte weisse Handtuch, welches noch um die Hüften geschlungen war, fiel. Und wann immer man dachte, jetzt doch definitiv alles gesehen zu haben, wurde noch einmal nachgelegt. Berührungsängste mit dem Publikum gab es nie – Bonaparte macht keine Party für die Leute, er feiert mit ihnen.

Die Feiernden wurden mit Bier und Champagner begossen, mit halbgegessenen Gipfeli beworfen, angetanzt. Bonaparte verschwand zu Ende im Publikum, und weder die Handys der Anwesenden noch Kameras von Journalisten waren vor Übergriffen der Band sicher. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Crowdsurfer die Bühne erreichten, mit kurzen Tanzeinlagen das Publikum anheizten und dann mit einem beherzten Sprung wieder in der Menge verschwanden.

Groteske Tänzer, gute Musiker und ganz viel Freude.

Groteske Tänzer, gute Musiker und ganz viel Freude.

(Bild: Sarah Brühlmann)

Publikum war mitgerissen

All dies geschah vor der Kulisse guter Musik. Die internationalen Musiker, die Bonaparte zur Unterstützung um sich versammelt hatte, verstanden ihr Handwerk, genauso wie der Sänger selbst. Seine einzigartige Stimme, die speziellen Melodien und die sozialkritischen Texte, die im Kontrast zur kontroversen Show standen, nahmen die Anwesenden vollkommen ein.

Und doch fragte man sich am Ende, als da zwei nackte Menschen auf der Bühne tanzten: Ist denn das noch Kunst oder schon geschmacklos? Was auch immer die Antwort sein mag, zum Nachdenken blieb weder Zeit noch Motivation.

Erwartungen übertroffen

Bonaparte lieferte eine Show wie kein zweiter Künstler, riss das Publikum kompromisslos mit. Die Band brach mit Tabus und überschritt Grenzen – aber immer genau so, dass man es ihr nicht übelnehmen konnte.

Bonaparte schloss den Kreis und beendete das Konzert mit einem ruhigen Song, «Into the Wild», dessen Text das Publikum in voller Lautstärke mitsang. Der Sänger stellte jedes Bandmitglied vor, und nach einer kurzen, gemeinsamen Tanzeinlage, einer Verbeugung und ganz viel glücklichem Lachen verschwanden die Musiker von der Bühne.

Zurück liessen sie ein verschwitztes, aufgedrehtes und begeistertes Publikum. Egal, welche Erwartungen die Anwesenden an die Show gehabt hatten, übertroffen wurden sie mit diesem Auftritt bestimmt.

Weitere Eindrücke aus dem Konzert:

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