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Manuela Jost glaubt weiterhin an Einigung im Bodum-Streit
  • Gesellschaft
Die Villa am Donnerstagmorgen: Neue Transparente weisen auf die Besetzung hin. (Bild: jal)

Luzerner Villa «Gundula» ist erneut besetzt Manuela Jost glaubt weiterhin an Einigung im Bodum-Streit

3 min Lesezeit 11 Kommentare 16.04.2020, 07:31 Uhr

Die Gruppe «Gundula» hat erneut eine der Villen des dänischen Unternehmers Jørgen Bodum in Luzern besetzt. Trotzdem ist Baudirektorin Manuela Jost zuversichtlich, dass man bald eine Einigung mit dem Eigentümer findet.

Eine der Villen des dänischen Unternehmers Jørgen Bodum ist seit dem frühen Donnerstag morgen wieder besetzt. Laut einer Medienmitteilung der Gruppe «Gundula», die die Häuser schon mehrmals in Beschlag genommen hatte, soll das Haus an der Obergrundstrasse 101 in der Nacht auf Donnerstag betreten worden sein. Man habe das Haus «geöffnet, gelüftet und besetzt». Die andere Villa mit der Hausnummer 99 bleibe leer. Sie sei aufgrund ihres baulichen Zustandes nicht mehr betretbar.

Die Besetzung wird wie folgt begründet: «Für die Besetzerinnen und Besetzer ist klar, dass gerade in Zeiten des Shutdowns neue Perspektiven auf grösst mögliche Unabhängigkeit eröffnet werden müssen: Sich als Gruppe zu organisieren, heisst Autonomie. Keine Miete zu bezahlen, bedeutet Unabhängigkeit.»

Jørgen Bodum und Manuela Jost wurden informiert

Je weniger Lohnarbeit nötig sei, desto mehr Zeit und Energie bleibe für vieles, was vor, nach und während Krisenzeiten als so genannt «systemrelevant» betitelt werde. Man wolle mit der Besetzung ein Zeichen echter Solidarität setzen. Etwa mit Geflüchteten, die während der Corona-Krise in Lager gesperrt, ihrem Schicksal überlassen und vergessen worden seien.

Neben den Medien seien auch Villen-Besitzer Jørgen Bodum sowie Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost (GLP) per Brief in Kenntnis worden, die Polizei hingegen nicht. Bodum wird in dem Schreiben erneut vorgeworfen, seine Verantwortung im Umgang mit den Gebäuden nicht wahr zu nehmen. Bei einem Augenschein vor Ort konnten keine Personen ausgemacht werden. Die Transparente, die aktuell an der Fassade hängen, scheinen indes neu zu sein.

Jost bleibt zurückhaltend …

Bei der Baudirektion ist das Schreiben der Aktivisten eingegangen, wie Baudirektorin Manuela Jost auf Anfrage bestätigt. Wie es weitergeht, kann sie aktuell aber nicht sagen. «Die Verantwortung für den Umgang mit der Besetzung ist Sache der privaten Eigentümerschaft. Sie muss über die weiteren Schritte entscheiden. Möglich ist, dass sie Strafanzeige einreichen wird», so Jost. Auch die Kontaktaufnahme mit der Stadt sei Sache von Jørgen Bodum.  

Besetzung hin oder her: Der Eigentümer und die Stadt sind seit einiger Zeit im Gespräch darüber, wie die Zukunft der Häuser aussehen soll. Während man sich bei der Nummer 99 über die Umbaupläne einig ist, trat man bei der nun wieder besetzten Nummer 101 lange an Ort und Stelle. Im letzten Juni äusserte sich Manuela Jost jedoch zuversichtlich, dass man bald zu einer Übereinkunft kommt (zentralplus berichtete).

Trotz der erneuten Aktion der Besetzer blieb Jost auch am Donnerstagnachmittag diesbezüglich optimistisch. «Ich bin zuversichtlich, dass sich bald eine Lösung abzeichnet. Ich hoffe nun, dass diese illegale Aktion den absehbaren Fortschritt nicht torpediert», so die Stadträtin. Denn es gebe guten Grund, davon auszugehen, dass sich bald eine Lösung abzeichnet. So stehe man nach wie vor in regelmässigem Kontakt mit Jørgen Bodum beziehungsweise dessen Planern.

… und fürchtet keine Konsequenzen für den Wahlkampf

Auch wenn die Gruppe «Gundula» ihre derzeitige Besetzung mit der Corona-Krise begründet, stellt sich die Frage, ob nicht zusätzliche politische Überlegungen dahinter stecken. Manuela Jost steht bekanntlich mitten im Wahlkampf für den zweiten Wahlgang für den Stadtrat. Und was Hausbesetzungen betrifft, hatte sie in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen.

«Mein Fokus liegt bei diesem Geschäft auf der Problemlösung, weniger auf der Wahltaktik», sagt Jost dazu. «Mir ist es vor allem wichtig, dass wir bald eine gute Lösung für die beiden Liegenschaften erreichen.»

Wie es weitergeht, dürfte wohl vor allem von Bodums Verhalten abhängen. Auf eine Anfrage von zentralplus reagierte dessen Anwalt bislang nicht. Eine Strafanzeige ist noch nicht eingegangen.

Die Gartentür bei der Villa steht derzeit offen.

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11 Kommentare
  1. Murti Muheim, 16.04.2020, 18:01 Uhr

    Das Wort „Villa“ steht eher im Gegensatz zu „bezahlbarem Wohnraum“. Diesen wird es an der Villenstrasse Luzern sowieso nie geben! Bleibt also nur die Frage ob es sich um schützenswerte Objekte handelt. Und da wäre ich mir nicht so sicher!

  2. Hans Peter Roth, 16.04.2020, 13:36 Uhr

    Zur Absurdität des Besitzes von Grundeigentum: Floh 1 sprach zu Floh 2: Hau ab von hier! Das ist mein Hund!

  3. PiBucher, 16.04.2020, 10:06 Uhr

    Aktivisten auf der Suche nach Aufmerksamkeit…..
    Herr Eugen Scheuch und seine runde 30 Mitstreiter dürften aus der Vergangenheit und den zum Teil schmerzhaften Bussen der Staatskanzlei ihre Lehren gezogen haben und einen weiten Bogen um solche Aktivitäten machen.

    1. Joseph de Mol, 16.04.2020, 11:13 Uhr

      Offenbar sehnt sich Herr Eugen Scheuch auch fieberhaft (ich will nicht sagen wahnhaft) nach den unumwunden durch und durch besten sozialistischen Zuständen der CSSR. Persönliche Freiheit gross geschrieben, Meinungsfreiheit und Meinungspluralismus gross geschrieben, die Freiheit andersdenkender ganz gross geschrieben, Machtpolitik und Einheitspartei nicht erwähnenswert, weil wesensgut! Auch das Diktum: Das benannte Ziel Herrschaft von Menschen über Menschen zu verunmöglichen hat ja im Sozialismus so wunderbar und nachhaltig funktioniert. Heissa – wie frei und unglaublich bunt die Gesellschaften des real existierenden Sozialismus waren – ein Chamäleons-Schmetterling sieht wie ein trüber Regentag dagegen aus.

  4. CScherrer, 16.04.2020, 09:59 Uhr

    Es zeigt sich nun, dass von dieser Gruppe „Gundula“ persönliche Befindlichkeiten gegenüber Herr Bodum die Motivation sind, die Villa erneut zu besetzen. Die fadenscheinige Begründung ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Tatsächlich werden hier Forderungen vermischt und man bedient sich der Hausbesetzung. Die persönlichen Befindlichkeiten gegenüber Herr Bodum kann ich nachvollziehen. Verstehe diese auch. Forderungen wie keine Miete zu bezahlen, sind an Sauglattismus nicht zu überbieten und zeugen davon, wie realitätsfern und konzeptlos die Gruppe agiert. Warum sollte ein Vermieter einem Mieter ein Objekt kostenlos zur Benützung überlassen? Wer bezahlt die Aufwendungen eines Vermieters? Was hat die kostenlose Benützung für Folgen? Ich bin damit einverstanden, dass wir als Gesellschaft neue Formen finden sollen. Solidarität ist ein großes Wort. Welches ist der solidarische Beitrag der Gruppe an die Gesellschaft? Ich bin damit einverstanden, dass die Gesellschaft darüber diskutieren soll, was systemrelevant ist und was nicht!
    Wo sind die Konzepte der Gruppe? Wo die Lösungsansätze? Einfach alles kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, ist kein Lösungsansatz! Extremes linkes Gedankengut ist ebenso lächerlich und entlarvend. Autonomie lässt sich nur durch vollkommene Autonomie finanzieren. Hier aber benutzt die Gruppe ein kapitalistisches Bauwerk um darin zu wohnen. Erschafft selber etwas.

    1. Papera Bühler, 16.04.2020, 11:17 Uhr

      Es gibt keinen bezahlbaren Raum dafür in Zivilsationsnähe.
      Aber es gibt ja anscheinend Gruppierungen, welche sich zum Beispiel so Wagen bauen – so viel ich aber weiss immer weggeschickt werden weil etwas Geldlbringendes gebaut wird.
      Da scheint es legitim, etwas das schon seit Jahren leer steht, zu benutzen.

    2. Ram Dass, 16.04.2020, 11:35 Uhr

      Die Wagenburg gegenüber dem Murmattweg 2, besser bekannt unter Pseudonym „Eichwäldli bleibt“ muss ja auch in Bälde einer Überbauung weichen. Und zwar einer wohnbaugenossenschaflticher Bauart – kann man also beim besten Willen nicht als kapitalistisch brandmarken und steht somit nicht auf der Feindesmatrix. Ob dann doch ureigene, egoistisch motivierte Handlungen im Vordergrund stehen, bleibt ebenfalls abzuwarten. Mal kucken, ob die freiwillig gehen oder doch auch lieber „bleiben wollen“….

    3. CScherrer, 16.04.2020, 11:53 Uhr

      @Papera Bühler: Zitat: „Es gibt keinen bezahlbaren Raum dafür in Zivilsationsnähe.“ Das ist eben genau der Punkt. Gegen die Gesellschaft protestieren, aber davon profitieren. Wie eben die Nähe zur „Zivilisation“, sprich bei den Grossverteilern einkaufen etc.
      Nur weil etwas leer steht, ist die Besetzung doch nicht legitim. Legitim ist es, sich darüber auszutauschen. Darüber zu diskutieren, wie solcher Wohnraum künftig genutzt werden soll. Von mir aus kann man auch über die angemessene Höhe einer Miete diskutieren.

    4. Sandra Püntener, 16.04.2020, 12:14 Uhr

      @CScherrer: Nur verhandelt eben Bodum genau nicht über einen angemessenen Betrag für die Nutzung, sondern lehnt diese kategorisch ab. Ziel ist ja immer noch, dass die Gebäude verfallen und abgerissen werden können, dem steht jede Nutzung diametral entgegen. Als liberaler Geist könnt man nun einwenden, dies sei ja schliesslich seine Sache und geht niemanden etwas an. Nur steht das Haus a) in einer Schutzzone und b) kann sich eine Gesellschaft ein solches Verhalten in einer Zeit der immer knapperen Böden und Ressourcen leisten?

    5. CScherrer, 16.04.2020, 13:16 Uhr

      @Sandra Püntener: In dieser Sache bin ich grundsätzlich mit Ihnen einverstanden. Was jedoch die Schutzzone betrifft, muss ich Ihnen sagen, dass es nicht angeht, dass die Stadtverwaltung auf Kosten der Hausbesitzer ein Museum aus der Stadt machen will. Immer wieder sind auf einmal Objekte erhaltenswert oder schützenswert. Zum Teil grenzen die Beurteilungen der Stadt an Willkür. Was sich eine Gesellschaft leisten kann oder nicht, will ich hier nicht weiter vertiefen. Was die Knappheit an Boden und Ressourcen angeht, bin ich mit Ihnen ebenfalls einverstanden. Hierzu gibt es dann zwei Möglichkeiten a) in die tiefe bauen (Unsinn) b) in die Höhe bauen. Und dies wird u.a. auch bei jedem Projekt wieder torpediert. Was also sind die nachhaltigen Lösungen? Dazu braucht es eine Diskussion und vermutlich eben auch Kompromisse.

  5. raul, 16.04.2020, 08:46 Uhr

    Jetzt geht wenigstens etwas auf diesem Grundstück

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

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