Bock auf Party? Im Südpol wummern die Bässe weiter
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Im Club des «Südpol» ist alles hergerichtet für den Live-Stream. (Bild: zvg)

Streaming-Kultur statt Clubbesuch Bock auf Party? Im Südpol wummern die Bässe weiter

4 min Lesezeit 19.04.2020, 12:15 Uhr

Wenn Du wegen Corona nicht zur Party kannst, dann hol die Party zu Dir nach Hause. In den USA sind DJs, die in die Wohnzimmer streamen, gerade der Renner. Auch in Luzern entwickeln sich ähnliche Formate, etwa im Südpol. Der Clubbetreiber wird mit Nachfragen geradezu überrannt.

Als Pionier gilt der amerikanische Hip-Hop-DJ D-Nice: Aus seinem Wohnzimmer bringt der gestandene Plattenleger seine Sets via Livestreams in die Stube von Menschen, denen der Party-Ausgang fehlt. Das Format #ClubQuarantine ist in den USA inzwischen so beliebt, dass selbst Stars und Sternchen wie Michelle Obama, Drake, Rihanna, Halle Berry, Mark Zuckerberg und sogar Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders um eine Audienz in der Show bitten.

Etwas kleinere Brötchen werden derweil im Club des «Südpol» gebacken. Auch dort ist alles hergerichtet: Das Mischpult ist verkabelt, die Effektgeräte angeschlossen. Im Partyraum stehen die Zeichen auf Tanz. Doch: Publikum darf natürlich keines rein. Stattdessen steht der DJ alleine an den Plattentellern, die Kamera von Rapahel Spiess’ Laptop fängt die Szene ein: «Wir sind keine Streamingprofis, unsere Sendungen sind allesamt handgestrickt», sagt Spiess fast schon verlegen. Jeweils am Freitag und am Sonntag teilt Spiess abends den Link auf der Facebookseite des «Südpol», der den Partysound in die Stube bringt.

Labels drängen sich ins Schaufenster

Am 29. März hat Clubleiter Raphael Spiess zum ersten Mal aus dem «Südpol» gestreamt. «Jeder von uns im ‹Südpol› hat in seinem Bereich Ideen entwickelt. Ich dachte, wir probierens einfach mal.» Als Streaming-Anfänger hat er sich dabei der Geräte bedient, die gerade zur Verfügung stehen und das Ergebnis einfach mal geteilt. Kleinere Sound-Pannen und auch eine überlastete Internetverbindung gehörten dabei zu den Lernstunden. Doch inzwischen verläuft der Sendungsbetrieb meist einwandfrei, auch mit der Soundqualität ist Spiess zufrieden. Die Zuhörerzahlen entwickeln sich stetig.

«Wir werden inzwischen mit Anfragen von Musikern und Labels überhäuft.»

Gross beworben wurde die Partyalternative des «Südpol» nicht. Die Verbreitung geschieht über das Internet – viral halt. «Es ist kein kommerzielles Angebot», betont Spiess. Die ersten Wochen des Lockdown haben uns die Möglichkeit gegeben, online neue Formen zu testen. Dabei wurden nicht nur das Publikum, sondern auch die zu Stubenhockern verdammten Künstler auf den originellen Stream aufmerksam: «Wir werden inzwischen mit Anfragen von Musikern und Labels überhäuft.»

Das Spektrum öffnet sich

Um die nächsten Sendungen zu planen, hat Spiess nun die Qual der Wahl. Die grosse Nachfrage seitens der Künstler, die sich nun ins Schaufenster drängen, hat den Clubbetreiber veranlasst, die ursprünglichen Pfade etwas auszuweiten. Waren die ersten Ausgaben geprägt von Techno und House, öffnet sich nun das Spektrum: Auch Hip-Hop-Beats und Reggae-Klänge werden in den kommenden Tagen zu hören sein: Nächste Woche werden unter anderem das Hip-Hop-Label Plsrmg oder Sonder Void zu Gast sein, welches sich im Dunstkreis von Electronica, Deep Dubstep und Trap bewegt.

Südpol-Club-Chef Raphael Spiess.

Für Spiess ist das Projekt, von dem er noch nicht weiss, ob es auch nach dem Lockdown in einer Form weitergeführt wird, auch eine Beschäftigungstherapie. Es bietet ihm jedoch Gelegenheit, mit dem Publikum in Verbindung zu bleiben, solange die äusseren Umstände keinen echten Clubbetrieb zulassen. Der Facebook-Chat dient dabei als Interaktionsplattform. «Es ist ein bisschen wie an der Bar», sagt er mit einem Schmunzeln. Doch natürlich ersetzt die virtuelle Theke die echte nicht. «Ich freue mich darauf, unsere Besucher wieder im Club begrüssen zu dürfen. Vielleicht wird ja durch den Stream der eine oder andere auf uns aufmerksam, der zuvor noch nie hier war.»

Der Erfinder liebt Luzern

Das Kulturhaus Südpol soll aber auch in Lockdown-Zeiten nicht nur als Club wahrgenommen werden, betont Spiess. Es wird momentan an verschiedenen Massnahmen gearbeitet, mit welchen das gesamte Spektrum des Hauses auch während der veranstaltungsfreien Zeit erkennbar ist. Ab Mai werden beispielsweise verschiedene Einblicke ins Herbstprogramm des Hauses geteilt, dies geschieht über die verschiedenen sozialen Medien.

D-Nice sendet den Luzernern derweil Grüsse: Auf seinem Instagram-Account hat er das Bild eines vergangenen Besuches bei einem Gig in der Leuchtenstadt geteilt. Auch wenn das Aushängeschild der Quarantäne-Partys die Südpol-Variante wohl nicht kennt: Es gibt immerhin eine Verbindung zwischen dem erfolgreichsten Quarantäne-Club der Welt und seinem bescheideneren Pendant aus der Zentralschweiz.

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