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Blumen für die Mutter – und gegen den Corona-Koller
  • Regionales Leben
Manuela Sigrist vom Blumenhaus Daniela mit einem Miuttertagsstrauss. (Bild: Zar)

Floristen blühen in der Krise auf Blumen für die Mutter – und gegen den Corona-Koller

4 min Lesezeit 10.05.2020, 05:00 Uhr

Zentralschweizer Blumenläden haben derzeit alle Hände voll zu tun. Nicht nur trotz, sondern auch wegen Corona. Wir haben uns in der Branche umgehört.

Gähnende Leere in Schweizer Wirtsstuben; verwaiste Bars, Clubs, Museen und Sporttempel, Kurzarbeit, Konkurs: Die aktuelle Pandemie beschert uns seit Wochen mit beunruhigender Regelmässigkeit eine negative Schlagzeile nach der anderen. Nicht zuletzt wird auch die Schweizer Wirtschaft arg in Mitleidenschaft gezogen vom Virus. Und doch gibt es gewisse Geschäftszweige, die auch unter den gegenwärtig widrigen Umständen aufblühen. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Wer sich etwa bei Zentralschweizer Blumenhändlern umhört, trifft allenthalben auf gestresste Gesprächspartner. Nicht weil sie von Existenzängsten geplagt sind. Nein, im Gegenteil: Das Geschäft mit den Blumen läuft derzeit so gut, dass selbst für ein kurzes Telefonat mit dem Journalisten oftmals «schlicht keine Zeit» übrig bleibt.

«Für einmal haben wir Glück»

Viele Auftragsbücher sind voll wie schon lange nicht mehr, vereinzelt werden keine Bestellungen mehr angenommen, wurde eiligst zusätzliches Personal eingestellt. Für die anstehende Arbeit reichen die vorhandenen Hände kaum aus. «Nun einmal haben auch wir Floristen ein wenig Glück», kommentiert eine kurz angebundene, weil gehetzte Marianne Muggli, die zusammen mit ihrem Mann Stephan in Meggen ein Blumengeschäft führt.

«Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.»

Ruth Villiger

Ein Grund für die gute Auftragslage der Zentralschweizer Floristen ist schnell gefunden: Mit dem Muttertag steht am Sonntag einer der wichtigsten Blumentage überhaupt an. «Eine Blume ist noch immer die schönste Art, Danke zu sagen», sagt dazu Rahel Käslin, Präsidentin des Vereins der Innerschweizer Floristen. Für volle Auftragsbücher hat zuletzt aber auch etwas anders gesorgt: das berüchtigte Coronavirus.

Für Aug und Seele

Das bestätigen gleich mehrere angefragte Blumengeschäfte. Warum, dazu gibt es verschiedene Erklärungen. Zum einen hätten die Leute zuletzt gezwungenermassen viel Zeit zu Hause verbracht, was wohl das Verlangen nach optischen Aufhübschung in Form von Blumen gesteigert habe, glauben die einen. Zudem seien Blumen bekanntermassen Balsam für die (erregten) Seelen.

Und nicht zuletzt hat auch das Besuchsverbot dazu geführt, dass vermehrt Blumensträusse bestellt und ausgeliefert wurden. Ein Bund Pflanzenbunt als Mutmacher: Du bist nicht alleine, auch in diesen schwierigen Zeiten. Als Zeichen der allgemeinen Dankbarkeit.

Am Muttertag blüht das Geschäft mit Blumen. (Bild:zar)

Freie Hand bei der Blumenwahl

Eine Dankbarkeit, von der auch für die Floristen etwas abfällt. Nicole Gassmann etwa, stellvertretende Geschäftsführerin des Stadtluzerner Blumenhauses Daniela, berichtet, dass sie derzeit viele Komplimente direkt von Beschenkten erhalten würden, was sehr aussergewöhnlich sei. Zudem seien viele Kunden auffallend kulant.

Welche Blumen? Welche Farbe? Derzeit für viele nicht so wichtig. Von einer besonders verständnisvollen Kundschaft spricht auch Ruth Villiger vom gleichnamigen Blumenfachgeschäft in Hochdorf. Es sei besonders schön, wie man in dieser Krisenzeit eine grosse Unterstützung erfahren habe, von Stammkunden ebenso wie von Neukunden.

Viel Arbeit und wenig Gewinn?

Auch wenn vereinzelt von einem aussergewöhnlich guten Muttertagsgeschäft die Rede ist; die wenigsten Zentralschweizer Floristen brechen darob in grenzenloses Jauchzen aus. Denn erstens liegt für viele ein verkorkstes Ostergeschäft hinter ihnen. Besonders für jene Geschäfte, die kaum digitalisiert sind, dafür umso mehr vom Lockdown überrumpelt wurden – und auf einen Schlag ihre Einkünfte wegbrechen sahen. Und zweitens heisst viel Arbeit längst nicht auch grosser Gewinn.

Onlineshops einzurichten, sowie Abhol- und Lieferservice anzubieten; das alles koste Geld, gibt Beatrice Schelker, Vorstandsmitglied des Vereins der Zentralschweizer Floristen, zu bedenken. Ob sich insbesondere das Einstellen von zusätzlichem Personal auch monetär ausbezahlen wird? Für eine abschliessende Antwort auf diese Frage sei es noch zu früh.

Ein Veilchen und letzte Chancen

Ähnlich zurückhaltend zur Grosswetterlage der Blumenbranche äussert sich auch Ruth Villiger von Blumen Villiger aus Hochdorf. Wer schon vor der Krise mit einem überzeugenen Onlineauftritt aufwartete und die sich bietenden Chancen der Krise konsequent ausgenutzt hat, der dürfte «mit einem blauen Auge davongekommmen sein.» Aber auch wenn manch einer den Blumenstrauss als Dankeschön oder Muntermacher wiederentdeckt habe, so liessen sich Ausfälle von Caterings, Hochzeiten und auch Trauerarrangements nicht mir nichts dir nichts wegdiskutieren.

Immerhin: Es gab interessante Kollaborationen zwischen Floristen und anderen lokalen Unternehmen, die ohne Notlage wohl nicht möglich gewesen wären: Velokuriere lieferten Blumen aus, die Vasen aus dem Designershop wurden gemeinsam mit den Bouquets unter die Leute gebracht. Trotz Corona-Krise ist die Versorgung mit Frischblumen nie zusammengebrochen. Die Umschlagbörsen haben ihre Tätigkeit nie eingestellt, allfällige Ausfälle von ausländischer Ware hätten Schweizer Produzenten kompensieren können.

Das sind gute Neuigkeiten für all jene, die sich den Kauf des Blumenstrausses zum Muttertag noch aufgespart haben. Denn auch wenn vereinzelte Blumenläden vor lauter Aufträgen keine Bestellungen mehr aufnehmen können, sind in vielen anderen noch genügend Arrangements in allen Preisklassen vorhanden – und das auch noch sonntags. 

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