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Blue Balls erhält keine zusätzliche Unterstützung von der Stadt Luzern
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Jedes Jahr strömen viele Besucher an das Blue Balls Festival. (Bild: KKL Luzern)

Stadtrat lehnt Stiftungsmodell ab Blue Balls erhält keine zusätzliche Unterstützung von der Stadt Luzern

4 min Lesezeit 2 Kommentare 06.04.2020, 11:00 Uhr

Die Stadt Luzern hat mit Blue-Balls-Chef Urs Leierer nach einer Möglichkeit gesucht, die Finanzierung des Festivals breiter abzustützen. Der Stadtrat entschied nun aber, dass alles beim Alten bleiben soll. Die Blue-Balls-Macher reagieren mit Unverständnis.

Ein finanzieller Beitrag von 130’000 Franken pro Jahr, die Gewährung von Nutzungsrechten im KKL Luzern sowie die unentgeltliche Zur-Verfügung-Stellung des öffentlichen Grundes. Das ist der jährliche Beitrag der Stadt Luzern an das Blue-Balls-Festival, das dieses Jahr vom 17. bis zum 25. Juli stattfinden soll.

Seit Sommer 2019 führt die Luzerner Bildungsdirektion im Auftrag des Stadtrates Verhandlungen mit Festival-Chef Urs Leierer über eine Weiterführung des Blue Balls Festivals über 2020 hinaus (zentralplus berichtete). Leierer hatte zuvor in Aussicht gestellt, dass das Festival ohne breitere Trägerschaft und ohne zusätzliche Mittel von Privaten und der Stadt nach 2020 nicht mehr staffinden werde. Er sei nicht mehr bereit, das Festival auf eigenes Risiko und auf dasjenige des von ihm präsidierten Vereins auszurichten.

Der Vorschlag: Ein Stiftungsmodell, in dem die Stadt als Stifterin und Beitragsgeberin mitwirken sollte. Weitere private Kreise hätten gegenüber Urs Leierer ihre Bereitschaft zu einer Mitwirkung bestätigt, sofern das Modell zustande käme.

Da es um ein Engagement der Stadt von über 750’000 Franken in den nächsten vier Jahren gegangen wäre, musste der Stadtrat nun entscheiden, ob er dem städtischen Parlament eine entsprechende Vorlage vorlegen will.

Die Stadt hält Stiftungsmodell für ungeeignet

«Aus grundsätzlichen Überlegungen lehnt der Stadtrat nun eine weitergehende Mitwirkung der Stadt Luzern beim Blue Balls Festival ab», sagt jetzt Stadtpräsident Beat Züsli. Die Stadt wolle von einem entsprechenden Präjudiz absehen und sei der Meinung, dass das vorgeschlagene Stiftungsmodell nicht geeignet sei, den Festivalbetrieb für die Zukunft zu sichern. Eine Mitwirkung der Stadt Luzern im Rahmen einer privatrechtlichen Stiftung passe zudem nicht in die Beteiligungsstrategie der Stadt Luzern.

Der Stadtrat wolle aber «ein Zeichen der Kontinuität» setzen und sei bereit, seine bisherigen Leistungen zugunsten des Blue Balls Festivals weiter zu erbringen. Die Stadt leistet gemäss geltendem Vertrag (2019–2022) die besagten 130’000 Franken pro Jahr an das Festival. Zudem gewährt sie dem Festival die Rechte für zwei Nutzungstage im KKL Luzern und elf Nutzungstagen im Luzerner Saal. Darüber hinaus stellt sie den beanspruchten öffentlichen Grund unentgeltlich zur Verfügung.

Urs Leierer versteht den Entscheid nicht

Geführt wurden die Verhandlungen seitens der Stadt von einer Delegation unter der Leitung von Rosie Bitterli Mucha, Chefin Kultur und Sport. «Sie fanden in einem konstruktiven und einvernehmlichen Klima statt – sowohl Urs Leierer als auch die Vertretenden der Stadt Luzern suchten nach einer pragmatischen und rasch umsetzbaren Lösung zum Erhalt des in Luzern und der Zentralschweiz überaus beliebten Sommerfestivals», heisst es in der Mitteilung.

Blue Balls: Seit 1992 in Luzern

Das Blue Balls Festival besteht seit 1992. Früher fand es im öffentlichen Raum und auf Schiffen statt. Seit der Fertigstellung des KKL Luzern laufen die Konzerte im Konzert- und im Luzerner Saal, in weiteren KKL-Räumen sowie auf dem Europaplatz und rund um das Seebecken.

Träger ist der Verein Luzerner Blues Session mit Sitz in Luzern. Seit 1999 wird der Name «Blue Balls» verwendet. Der Anlass ist über die Jahre stets gewachsen, sowohl räumlich als auch finanziell.

Doch das sehen die Vertreter des Blue Balls offenbar anders: «Der Entscheid der Stadt Luzern wird vom Verein Luzerner Blues Session nicht verstanden», wie Urs Leierer in einer eigenen Mitteilung schreibt. Das Unverständnis rühre daher, dass der Vorschlag für das entsprechende Stiftungsmodell von Rosie Bitterli im Namen der Stadt Luzern ausgearbeitet worden sei, heisst es da weiter.

«Der Verein Luzerner Blues Session hat bereits an der ersten Sitzung klar gemacht, dass es ein Stiftungsmodell sein muss, das für die Stadt Luzern funktioniert, damit das Blue Balls Festival in seiner Art erhalten bleiben kann», hält Leierer fest. Der Verein Luzerner Blues Session habe sämtliche Vorgaben der Stadt Luzern eingehalten und weitere private Stifter eingebracht, die bereit gewesen wären, die Stiftung per 1. Januar 2021 zu gründen.

Eine Stiftung wird es nicht geben

Der Festival-Chef selbst wäre nicht Teil der Stiftung gewesen. «Wieso die Stadt Luzern ein von ihr vorgeschlagenes Konzept nicht mehr weiterverfolgt, verstehen wir nicht. Wieso wurde ein Konzept vorgeschlagen, das nicht geht?» Für Leierer und den Verein ist damit klar, dass es für das Blue Balls Festival keine Stiftung geben wird.

Für die aktuelle Ausgabe ist er trotz Corona-Krise aber noch zuversichtlich – zurzeit gehen die Veranstalter davon aus, dass das Festival im Juli stattfinden kann. Über eine Ausgabe 2021 und seine Rolle dabei will er sich zu diesem Zeitpunkt nicht äussern: «Es gibt momentan dringendere Probleme auf der Welt.»

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2 Kommentare
  1. M. Moser, 13.04.2020, 01:33 Uhr

    Wie lange will Herr Leierer diesen Disput noch weiterführen? Man machte Ihm hier öffentlich einige Vorschläge, aber Herr Leierer scheint beratungsrestitent zu sein. Jetzt kommt er mit einem Stiftungsmodell an dessen Hauptträger die Stadt Luzern sein soll? Auf deutsch: Soll ihnen die Stadt Luzern für ihre Liebhaberei „Blues Balls Festival“ auch noch den „Arsch pudern“? Wer sich so störrisch zeigt wie Sie, Herr Leierer der darf sich nicht wundern wenn er plötzlich dann jedesmal ein gewaltiges Minus in der Kasse hat. Versuchen sie das Ganze doch mal in Züri, offensichtlich hat aber die Stadt Zürich an Ihrer Liebhaberei kein Interesse.

  2. CScherrer, 07.04.2020, 08:37 Uhr

    Ein vollkommen richtiger Entscheid. Alles andere wäre ein fatales Zeichen der Stadt. Es kann nicht angehen, dass Misswirtschaft vom Staat subventioniert wird. Wie in aller Welt ist es möglich, andauernd einen Schuldenberg zu erwirtschaften? Urs Leierer schwafelt andauernd etwas von Wertschöpfung und dem einmaligen Veranstaltungsort (KKL). Andererseits beklagt er sich dann schon mal über das KKL Vielleicht ist das Blue Balls in seiner Qualität eben nicht so gut, wie die Veranstalter dies weiss machen wollen. Gefühlt seit Anbeginn jammert Herr Leierer über die Finanzen, geändert hat sich nichts. Herr Leierer scheint mir schon etwas Beratungsresistent zu sein. Sponsoren springen ab und werden durch finanziell weniger potente Sponsoren ersetzt. Da ist die Frage erlaubt, ob Herr Leierer richtigen „geschäftet“. Zumal er dies mit seiner GmbH auch noch von Zürich ausmacht. Warum nicht in Luzern? Auch dies etwas eigenartig. Und apropos Wertschöpfung: Auch dieses Argument hinkt. Natürlich profitiert die Stadt, aber das Blue Balls ja auch, aufgrund der Lage. Da könnten dann Bucherer, Gübelin, Casagrande und Bachmann auch kommen und sagen, wir generieren eine Wertschöpfung. Nein, die Hausaufgaben machen und zur Kenntnis nehmen, dass der Beitrag der Stadt Luzern von CHF 130’000.– und die kostenlose Nutzung des öffentlichen Raumes sehr grosszügig sind. Vielleicht wäre ein Dankeschön von Seiten Herr Leierer einmal angebracht. Das ständige Fordern wirkt unsympathisch und arrogant.

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