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Blue Balls: Eine scharfe Sache
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Sound, Food und Ambiente: An diesem Festival leistet man sich gerne was.  (Bild: Christine Weber)

zentralplus futtert sich durch's Festival Blue Balls: Eine scharfe Sache

5 min Lesezeit 23.07.2016, 17:08 Uhr

Nicht nur die Ohren der Blue-Balls-Besucher kommen auf ihre Kosten. Auch kulinarisch ist hier was los. zentralplus hat sich durch die Essensstände gefuttert. Das Fazit: Essen gut, Preise gesalzen, Verkäufer lustig.

zentralplus will wissen, was da los ist am Blue Balls. Und für einmal berücksichtigen wir dabei nicht unsere Ohren, nein, unser Gaumen soll dieses Mal verwöhnt werden. Wir ziehen also los, mit leerem Bauch und mächtigem Kohldampf.

Gleich eingangs Quai bei den Foodständen treffen wir auf einen Wandervogel, der soeben aus Escholzmatt zurückgekommen ist. Dort hat er einen ausgiebigen Zwischenstopp im Gasthof Rössli alias «Der Hexer» gemacht. «Das Lämmli auf dem Flämmli mit Minzesauce war phantastisch!», schwärmt er und jetzt habe er nur noch Platz für etwas Kleines.

Er entscheidet sich für  einen Burger. «Ein sicherer Wert, der Stand von Rockstar Burgers ist an allen grösseren Festivals und man weiss, in was man hineinbeisst.» So ist es denn auch: gut und unaufgeregt.

Burger mit dies und jenem: Ab 10 Franken.

Burger mit dies und jenem: Ab 10 Franken.

(Bild: Christine Weber)

Nachher greift er sich eine süsse Zigarillo von der Werbe-Frau, die mit einer Schachtel voller Rauchwaren unterwegs ist, nimmt einen Schluck Bier aus der mitgebrachten Dose und schlendert zum Pavillon, wo schon das erste Highlight auf der Bühne steht: Die Band «Faber» aus Zürich. Unbeeindruckt von den paar Regentropfen lässt sich das Publikum in Bann ziehen und bekommt zur Belohnung einen fetten Regenbogen, der sich vom Pavillon über den See bis hin zum KKL rundet: schön und bunt wie das Festival selbst.

Die paar Tropfen vermiesen die Stimmung beim Pavillon nicht.

Die paar Tropfen vermiesen die Stimmung beim Pavillon nicht.

(Bild: Christine Weber)

 

Am Sri-Lanka-Stand geht es lustig zu und her: Ein topmotivierter Moderator preist seine Spezialität lautstark und in rasend schnellem Züridüütsch an. Dazwischen ruft er die Bestellungen auf Tamilisch zu seinen Kollegen, die schwitzend hinter den heissen Platten stehen.

«Hier gibt es audiovisuelle Kulinarik mit Migrationshintergrund.» 
Verkäufer am Sri-Lanka-Stand 

Kottu Roti heisst das Gericht und gehört nicht zu den 08/15-Sachen, die es üblicherweise an Asien-Ständen gibt: Fladenbrot wird rhythmisch gehackt, zusammen mit Eiern und Gemüse oder Poulet und mit einer hervorragenden Minzesauce serviert. Das schmeckt lecker und die Zubereitung ist faszinierend. «Hier gibt es audiovisuelle Kulinarik mit Migrationshintergrund», spöttelt der witzige Verkäufer.

Wo einem das Wasser im Mund zusammenläuft from zentralplus on Vimeo.

Mal besser, mal weniger – das ist irgendwie wurst

Bei diesem Festival gehört das Essen (und ja: auch das Heineken-Bier-Trinken) mindestens genauso dazu wie der Blues, der Rock und die vielen Konzerte während der nächsten Tage. 29 Stände mit Spezialitäten aus aller Welt gruppieren sich teils dem Quai entlang und teils vor dem KKL. Von tibetisch über griechisch und senegalesisch bis hin zur schweizerischen Wurst- und Käseware gibt es alles, was das Herz begehrt. Mal ist es besser, mal weniger. Irgendwie ist das auch wurst. 

Gefüllte Wraps aus dem Yemen: Ab 10 Franken.

Gefüllte Wraps aus dem Yemen: Ab 10 Franken.

(Bild: Christine Weber)

Anklang finden auch die Wraps beim Jemen-Stand: In einem Fladenteig werden diverse Füllungen eingerollt, ähnlich wie bei einer Crèpe. Was genau daran jemenitisch ist, lässt sich nicht genau eruieren, aber egal: Der Poulet-Wrap ist genauso gut wie die süsse Nachspeise mit Bananen-Schoggi-Füllung.

«Natürlich schlagen sie etwas drauf mit dem Preis. Aber das leisten wir uns gerne.»
Besucherinnen, die in den Fleisch-Spiess beissen 

Ein Dreier-Grüppli beisst gerade gut gewürzte Fleischstücke von langen Spiessen ab. Oben dran steckt ein Mutschli, das Gebilde sieht lustig aus. «Fein und richtig scharf!», sind sich die Gourmets einig. Der Spiess kostet 17 Franken, das finden sie in Ordnung. «Natürlich schlagen sie schon etwas drauf mit dem Preis. Das ist aber verständlich und wir leisten uns das am Blue Balls gerne.» 

Spritzige Sache: Hier gibt's Apérol-Spritz.

Spritzige Sache: Hier gibt’s Apérol-Spritz.

(Bild: Christine Weber)

 «So gäääil! Öpfelchüechli wie am Zürifäscht!», ruft einer und verleitet mich dazu, diese zu probieren. Obschon sie sehr dick durchfrittiert sind und nicht wirklich gluschtig aussehen, schmecken sie recht gut. Und heiss sind sie auch. Also machen wir uns auf die Suche nach Abkühlung. Nebst den Heineken-Ständen steht auch ein lustiger Apérol-Spritz-Wagen mit aufklappbarer Theke herum, der Getränke anbietet. Apropos Getränke: Wie jedes Jahr hört man die Klagen über das Bier, das mit 6 Franken für 3 DL schon schampar teuer sei. 

«Mein Rucksack ist ein Kühlschrank. Ich unterstütze das Festival mit Pin – aber nicht mit Heineken.»
Besucher mit gefülltem Rucksack

Manche lösen das, indem sie ihr Bier selber mitbringen. Zum Beispiel jener Typ, der am Bühnenrand steht und auf seinen Rucksack tippt. «Mein Rucksack ist ein Kühlschrank. Ich unterstütze das Festival mit Pin und Essen – aber nicht mit Heineken», sagt er.

Auf der Plaza vor dem KKL

Wie auf einer durchgeschüttelten Weltkarte reihen sich auch vor dem KKL die Spezialitäten aneinander: indisch, griechisch, mexikanisch, chinesisch, Schweizer Küche und mehr. Wie so oft an Festivals klingt das allerdings besser, als es schmeckt. Die Kunst besteht darin, unter den durchschnittlichen und miserablen Ständen die Perlen ausfindig zu machen.

Viel Kulinarik gibt's auch rund um's KKL.

Viel Kulinarik gibt’s auch rund um’s KKL.

(Bild: Jacqueline Lipp)

Gut gesalzen, gepfeffert bezahlt

Besonders lang ist die Schlange vor dem indischen Stand, wo in grossen Pfannen Tandoori-Poulet und Pakoras gebraten werden. Beim Elsässer daneben steht hingegen kein Mensch an. Wieso, wird kurz darauf klar: Der traditionelle Flammkuchen ist zwar anständig gross und wird im Holzofen knusprig gebacken. Doch nebst den klassischen Zutaten hat auch eine Menge Käse den Weg auf den Teig gefunden, sodass der Flammkuchen den Salzbedarf mehr als abdeckt. Gesalzen sind auch die Preise, finden zumindest zwei Besucherinnen, die sich für einen Flammkuchen mit Lachs für 18 Franken entschieden haben.

Elsässer Flammkuchen: Ab 15 Franken. 

Elsässer Flammkuchen: Ab 15 Franken. 

(Bild: Jacqueline Lipp)

Leckeres Souvlaki-Pita gibt es beim Griechen: mariniertes Schweinefleisch und frisches Gemüse an einer feinen Joghurt-Sauce. Bloss, wie isst man das? Spätestens nach zwei Dritteln tropft das Tzatziki ungehemmt zu Boden. Abgesehen davon ist es jedoch sehr empfehlenswert. Und das Pita hat einen weiteren Vorteil: Es kommt ohne Depot-Geschirr daher.

Stänkern muss sein. Schön ist es dennoch

«Dass man für jeden Plastikbecher und jeden Teller Depot zahlen muss, nervt schon», sagt ein junger Mann. Dafür sind die Pin-Verkäufer nicht so penetrant wie auch schon und so ist es wie immer am Blue Balls: Es gibt immer etwas zu stänkern, aber das Publikum kommt in Scharen und geniesst nicht nur die Konzerte, sondern auch das ganze Ambiente rund ums Seebecken. 

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