Bloss nichts anfassen: Weshalb in der Pandemie die Gefahr von Stürzen steigt
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Es graust uns: Immer mehr Menschen vermeiden es, die Handläufe von Treppen zu berühren. (Bild: Adobe Stock)

Angst vor dem Coronavirus Bloss nichts anfassen: Weshalb in der Pandemie die Gefahr von Stürzen steigt

3 min Lesezeit 1 Kommentar 30.10.2020, 05:00 Uhr

Aufgrund der Topografie gibt es in der Stadt Luzern viele – teils sehr steile – Treppen. Laut einer aktuellen Bevölkerungsbefragung vermeiden wir es derzeit aber, uns beim Treppensteigen festzuhalten – aus Angst vor dem Coronavirus. Doch gerade das ist gefährlich.

Schweizweit geschehen die meisten Unfälle aufgrund eines Sturzes. Jährlich werden über 1’600 tödliche Sturzunfälle gezählt, hinzu kommen durchschnittlich 15’800 Schwerverletzte. Besonders gross ist die Sturzgefahr auf Treppen. Davon gibt es in der hügeligen Stadt Luzern etliche.

Schon unter normalen Umständen bergen Treppen eine gewisse Gefahr. Besonders, wenn es nun wieder kälter wird und somit das Risiko steigt, dass der Boden eisig und rutschig wird. Dieses Jahr sorgt aber noch ein weiterer Faktor für ein erhöhtes Risiko.

Sammelort für Viren

Die nationale Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) hat eine Bevölkerungsbefragung zur Nutzung von Treppen durchgeführt. Demnach halten sich plötzlich sehr viel weniger Menschen am Handlauf der Treppengeländer fest, wenn sie eine Treppe benutzen müssen.

Der Grund dafür liegt, nach Ansicht der BFU, wortwörtlich auf der Hand: Es ist eine direkte Auswirkung der Pandemie und der damit verbundenen Angst vor Viren. Handläufe gelten seit jeher als Sammelorte für Viren.

Starke Zunahme bei Risikogruppe

Über ein Viertel der befragten – 28 Prozent – gaben an, sich nie am Handlauf festzuhalten. Das sind mehr als doppelt so viele, wie noch vor zwei Jahren. Der Anteil jener die angeben, sich nie festzuhalten, ist durch alle Altersgruppen hindurch gestiegen. Augenfällig ist aber der Anstieg bei der unter den Befragten grössten Risikogruppe für einen Sturz: den 65- bis 74-Jährigen.

Gaben 2018 nur 5 Prozent in dieser Altersgruppe an, sich gar nie am Geländer festzuhalten, sind es nun 23 Prozent. «Da die Befragung zwischen April und Juni 2020 stattgefunden hat, kann der Effekt überwiegend als Folge der Covid-19-Pandemie gedeutet werden», schreibt die BFU in der Auswertung der Befragung. «Von der Benützung des Handlaufs sehen in dieser Situation wohl aus hygienischen Gründen viele Personen ab.»

Einzige Lösung: Angst überwinden

Die BFU empfiehlt trotz der anhaltenden Pandemie, sich beim Treppensteigen stets festzuhalten. So tönt es auch bei der Pro Senectute Luzern. Dort rät man ebenfalls, die Angst zu überwinden und das Treppengeländer zu benutzen. «Bei unserer Sozialberatung empfehlen wir unseren Klienten, sich entweder mit dem Ellbogen festzuklemmen – wie beispielsweise im Bus», sagt Heidi Stöckli, Bereichsleiterin Marketing und Kommunikation. «Wenn ihnen das zu unsicher ist, kann auch ein Taschentuch benutzt werden. Wobei hier kräftig zugegriffen werden muss.»

Eine Möglichkeit, gefährliche Wege zu vermeiden, ist der Fahrdienst, welcher von Pro Senectute angeboten wird. Allerdings stellen sich hier nun neue Herausforderungen in der Umsetzung. Etwa in Bezug auf die Maskenpflicht in Autos (zentralplus berichtete).

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1 Kommentare
  1. mebinger, 30.10.2020, 12:20 Uhr

    Und wenn jemand daran stirbt ist es kein Corona-Opfer, sondern eines der viele Toten, welche die hysterische Corona-Politik zu verantworten hat

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.