Andy Wolf
Mein liebster FC Luzern

  • Lesezeit: 4 min
  • Blog
  • Wolf im Schafspelz
(Bild: Cut & Shoot)

Endlich steht die Rückrunde an und mir wird dabei doch ganz bang: Auch wenn ich durch und durch auf Blau-Weiss getrimmt bin, habe ich kein gutes Bauchgefühl für die Mission Ligaerhalt.

Zum Glück sagte dein CEO Marcel Kälin unlängst, dass ihr «transparenter werden» müsst. Das gibt mir Hoffnung, dich wieder besser zu verstehen als in den letzten paar Wochen. Es waren aufregende und vor allem aufreibende Wochen.

Erlaube mir bitte ein paar Anmerkungen wie weiland der kauzige Fernsehkommissar «Columbo» im Stile seiner einzigartigen Absatztrickli mit erhobenem Zeigefinger und dem legendären «Ich hätte da noch eine Frage».

Himmelherrgottsakrament: Warum nur gingen dir in den letzten Wochen das Herzblut, die Ausstrahlung, die Emotion und die Empathie verloren?

Du bist seit über 30 Jahren mein Fussballclub. Ob in guten oder erst recht auch in schlechten Zeiten: Ich fiebere mit dir, liebster FC Luzern. Früher in der Horwer Kurve, heute auf der Tribüne. Wenn immer es mir möglich ist, bin ich bei dir in der wunderbaren Swissporarena – falls im Ausland, bin ich sicher per Liveticker dabei, um zu wissen, wie du dich gegen die gegnerische Mannschaft wehrst.

Diese Saison ging auf dem grünen Rasen gut los, trotz der grossen personellen Veränderungen auf und neben dem Spielfeld. Unter der meines Erachtens richtigen Prämisse «Budget einhalten und nicht sparen» hast du dein Gesicht ziemlich verändert. Der Erfolg gab dir zumindest bis in den Frühherbst Recht.

Aber auf einmal kam Sand in das Getriebe der «Vision 2021». Das lässt mein blau-weisses Fussballerherz jetzt schon seit Wochen bluten.

Der Entscheid mit Cheftrainer Markus Babbel hätte für mich als Fan unbedingt ausgeschmückt werden müssen. Mit Antworten auf Fragen wie zum Beispiel:

  • Warum hat Markus Babbel wohl folgende Worte gewählt, dass das Gesamtpaket, vor allem neben dem Platz, für ihn nicht mehr stimme?
  • Wieso ging der Cheftrainer diesen externen Weg via Medien?
  • Wieso wertet ein gestandener Fussballfachmann die Stimmung und das Umfeld im Club als nicht zielorientiert?
  • Hast du dich dies auch gefragt, lieber FCL?

Das tönt für mich wie ein Hilfeschrei.

Da von dir nicht früh genug eine Reaktion kam, haben die Journalisten nach einem anderen Sprachrohr gesucht und wurden – wie wir alle wissen – auch fündig. Mit der öffentlichen Medienkonferenz, welche inzwischen Kultstatus erreicht hat, wurde dann der Abschied vom Cheftrainer verkündet. Da frage ich mich:

  • Kam das alles wirklich so überraschend?
  • Musst du in diesem Geschäft nicht täglich mit einem Plan B rechnen?

An der nächsten Medienkonferenz wurde dann mit Gerardo Seoane der neue Cheftrainer verkündet. Eine positive Nachricht. Denn der Rothenburger ist einer von uns! Kennt dich, lieber FCL, durch und durch. 

Und jetzt geht’s wieder los: Das Samstagabendspiel gegen Lausanne ist meiner Meinung nach «rüüdig» wichtig. Für die Moral, für das Selbstvertrauen, für den Punktestand – und natürlich für die Stimmung auf und neben dem Platz. 

Und da sind wir bei meiner Frage an dich, mein lieber FCL:

  • Warum nur spüre ich kein Herzblut, keine Emotion wenige Stunden vor dem Lausanne-Spiel?
  • Wieso nur rufst du uns, deine Fans, nicht noch leidenschaftlicher auf, dir in dieser Schicksalsstunde zu folgen?

Die Swissporarena muss voll sein: ein lauter Hexenkessel. Dein 12. Mann muss dich beflügeln! Du brauchst unsere Unterstützung jetzt. Denn ab sofort zählt nicht nur jeden Rappen – sondern vor allem jeder verbissen erkämpfte Punkt.

  • Wie wär’s mit einer 30-Franken-Aktion? Oder Gratisbier- und -wurst für Saisonkarteninhaber?
  • Wir ahnen ja: Der Tabellenletzte FC Sion wird an dir vorbeiziehen – so sicher wie das Amen in der Kirche.

Ich bin nervös, fiebere mit, bin fast schon nah am Nervenzusammenbruch!

Genug der Fragen

Auf zu Taten! So, wie es einst der ehemalige FC-Basel-Boss Bernhard Heusler sagte: «Vom Lehrling bis hin zum Verwaltungsratspräsidenten unternimmt der FCB alles, dass die erste Mannschaft am Wochenende erfolgreich ist. Wenn dies einmal nicht so war, dann hinterfragen Sie am Montag nicht das Team, sondern sich selber: Was können wir noch besser machen? Denn erst wenn die erste Mannschaft gewinnt, können Sie unter der Woche in Ruhe arbeiten.»

Nehmen wir uns das zu Herzen!

Denn nur wenn die einzelnen Egos zum Wohle von dir gebündelt werden, kannst du erfolgreich sein.

In diesem Sinne laut und voller Leidenschaft: Hopp Lozärn #eimolblauwiisemmerblauwiis

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