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Samba auf der Strasse, Stromschlag unter der Dusche

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Eine Samba-Party auf der Strasse.
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Eine Samba-Party auf der Strasse. (Bild: Marco Liembd)

zentral+ Redaktor Marco Liembd ist in Brasilien angekommen und berichtet von seinen ersten Eindrücken: Abenteuerliche Duscherlebnisse, der Kampf um seine WM-Tickets, eine Party von der wir Schweizer noch lernen können und – weit und breit keine Spur von Protesten.

Ich bin nun in Belo Horizonte im Bundesstaat «Minas Gerais» angekommen und habe mein Quartier für die nächsten drei Wochen bezogen. Schon bei meinem ersten Brasilien-Besuch konnte ich feststellen, dass die Luzerner und die «Mineiros» sehr viel gemeinsam haben. Nicht nur, dass die Clubs FC Luzern und «Cruzeiro Esporte Clube» dieselben Clubfarben haben. Nein.

Minas Gerais ist wirtschaftlich von zwei Bereichen geprägt: Einerseits von Minen – daher das Minas – andererseits von der Landwirtschaft. So ist zum Beispiel hier Käse so wichtig wie in der Schweiz. Und in Brasilien ist die Region für den Käse bekannt. Was die Mineiros uns voraus haben, nennt sich «Pão de queijo». Anders als wir in der Schweiz den Käse zwischen das Brot legen, wird er hier direkt in den Teig gemischt. Das Resultat – wenn man so will ist ein «Käsemutschli» – lässt jedes Schweizer Herz höher schlagen.

Trotz der vielen Gemeinsamkeiten zwischen Luzern und Minas Gerais, findet man natürlich Unterschiede, vor allem, was die Dimensionen angeht: In Minas Gerais leben 20 Millionen Menschen und mit einer Fläche von rund 590’000 km2 ist der Bundestaat zirka 14-mal grösser als die Schweiz und ganze 20’289-mal grösser als der Kanton Luzern. Die Dimensionen hier, die muss man sich erst einmal bewusst werden. Ein weiteres Beispiel: Mir wird nahegelegt, die nächstgrössere Stadt zu besuchen. Rio de Janeiro. Der Mineiro sagt: «Hey, geh nach Rio. Die Stadt ist nur neun Autostunden entfernt.» Nur neun Autostunden? Erkläre ich den Brasilianern, dass, wenn man in Luzern mit dem Auto neun Stunden nördlich fährt, bereits in der Nordsee sein Fahrzeug versenkt, dann haben sie genauso Mühe mit den Dimensionen in der Schweiz, wie ich hier in Brasilien.

Ein erstes Abenteuer hier war die erste Dusche. Ich wollte, während das Wasser schon lief, die Temperatur anpassen. Resultat war ein Stromschock, da, wenn das Wasser läuft, die gesamte Duschapparatur unter Strom steht. Als «Bünzli-Schweizer» meinte ich natürlich da stimmt was nicht. Fehlanzeige. Dem ist so und für die Brasilianer ist das völlig normal. Wahnsinn, lernen wir doch, dass Strom und Wasser besser weit auseinander zu halten sind. Aber hey: Ich habe mittlerweile fünf Duschen überlebt. Geht also schon.

Der komplizierte Weg zum Ticket

Heute war ich im FIFA-Ticketingcenter. Klar, ich besuche hier auch ein Spiel. Und zwar in der Hauptstadt Brasilia, Schweiz gegen Ecuador. In der Schweiz habe ich lediglich einen Gutschein zugesandt bekommen. Diesen tauscht man hier gegen die Tickets ein. Tönt kompliziert und ist auch so. Erst muss man das Ticketingcenter ja auch finden. Gar nicht so leicht, denn es ist in der ersten Etage eines Parkhauses (!?) untergebracht. Eigentlich hätte ich nur meine Kreditkarte in einen Automaten stecken sollen und die Tickets würden dann wie bei einem SBB-Schalter unten rauspurzeln. Funktionierte natürlich nicht, auch nicht bei dem, der es nach mir versuchte. Also muss man da zum Troubleshooter vor Ort. Mühsam. Aber: Ich habe meine Tickets.

Von Protesten noch keine Spur

Ach ja, wegen den Protesten. Ich habe noch keinen einzigen Protest gegen die WM, auch nicht gegen die FIFA gesehen, bin aber auch erst seit ein paar Tagen hier. Einzig ein Zeltlager von Lehrern ist mir aufgefallen. Diese demonstrieren hier aber schon seit Jahren für bessere Anstellungsbedingungen und mehr Investitionen in die Bildung.

Die Einheimischen sind sich nicht einig, was ab Donnerstag in ihrem Land passieren wird: Von gar nichts, bis hin zu der Meinung, dass einige Spiele wegen Strassenblockaden abgesagt werden müssen. Diese Frage wird wohl erst ab Mittwoch beantwortet werden können. Dann, wenn der Ball endlich rollt.

Gestern wollte ich nur kurz was besorgen und entdeckte zufällig eine Party. Ungefähr 200 Studenten feierten an der Ecke eines Einkaufzentrums die kommende WM. Als Eintritt brachte man gebrauchte Kleider oder Schulbücher mit. Diese werden dann in den Favelas verteilt. Die Party war so einfach aufgezogen, dass wir Schweizer davon nur lernen können: Es gab Bier zu kaufen, nur Bier, genau an einer Bar. In der Mitte des Platzes sass eine Samba-Band. «Roda de Samba» nennt sich das. Übersetzt: Ein Samba-Rad, oder Rad vom Samba. Um diesen Kreis von Musikern herum standen dann die Party-Besucher. Sangen und klatschten mit. Wer von den Besuchern mit mir in Kontakt kam und natürlich sofort merkte, dass ich ein «Gringo» bin (Gringos sind alle, die nicht von Brasilien sind), kam mir eine unglaubliche Freude entgegen, dass ich den «Copa» besuche. Und mehr als einmal hörte ich: Falls etwas nicht in Ordnung sei, soll ich mich sofort melden, man würde mir helfen, egal um was es geht.

Danke für diesen Auftakt. Das nächste Mal wenn ich mich melde, ist die WM gestartet. Das wird nach dem Eröffnungsspiel Brasilien – Kroatien sein.

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2 Kommentare
  1. Marco Liembd, 21.06.2014, 16:41 Uhr

    Liebe Kerstin. Vielen Dank für deinen berechtigten Input. Hier unten bekommt man schnell ein Sprachwirrwar. Portugiesisch, Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch. Wir lassen nun die Texte in der Schweiz gegenlesen und wenn ich zurück bin, muss ich glaub in einen Deutschkurs, um mein Durcheinander zu entflechten. Lieber Gruss, Marco.

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  2. Kerstin Kroschel, 11.06.2014, 14:23 Uhr

    Text zum Schmunzeln. Macht Freude.
    Aber bitte auch mindestens 1x gegenlesen lassen, sonst ist’s mit der Freude bald aus.

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