Wirtschaftsfakultät schwächt auch die Berufsbildung
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Die Universität kann mit einer Wirtschaftsfakultät wachsen. Das beschlossen die Stadtluzerner an der Urne.

Wirtschaftsfakultät schwächt auch die Berufsbildung

3 min Lesezeit 17.11.2014, 15:15 Uhr

Marcel Budmiger vom Luzerner Gewerkschaftsbund antwortet auf den Wirtschaftsblog der IHZ und nimmt seinerseits Stellung zur Abstimmung vom 30. November und der Wirtschaftsfakultät der Universität Luzern.

Im letzten Wirtschaftsblog bezeichnete die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) eine rein privat finanzierte Wirtschaftsfakultät als einmalige Chance. Die drohende Konkurrenzierung der Hochschule Luzern wird zudem als Witz abgetan. Wenn der «Rohstoff Bildung» tatsächlich die Gunst der Wirtschaftsvertreter hätte, warum wehren sie sich dann nicht mit uns Gewerkschaften gegen die Sparmassnahmen im Bildungsbereich?

Der Luzerner Gewerkschaftsbund hat sich schon bei der Abstimmung über das neue Stipendiengesetz gegen die zunehmende Privatisierung im Bildungsbereich, das sogenannte «Luzerner Modell», gewehrt. Dass die befürchtete Einflussnahme privater Geldgeber bereits heute Realität ist, bewies der Skandal um den prominenten Unigesetz-Befürworter Reto Sieber. Er wollte, dass der Rektor der Hochschule Luzern (HSLU) Markus Hodel gegen die Interessen der Hochschule den eigenständig organisierten Alumni-Verein sanktioniert, da sich dieser gegen die neue Wirtschaftsfakultät ausgesprochen hatte (Die Argumente der Hochschulabsolventen gibt es hier.). Vorerst scheint die Sache nun geklärt zu sein. Künftig kommen aber solche versuchten Einflussnahmen aber vielleicht gar nicht mehr an die Öffentlichkeit.

Die Gegner der Wirtschaftsfakultät stören sich aber weniger an der ungewöhnlichen Finanzierung, denn am Angebot selber, welches in direkter Konkurrenz zum Wirtschaftsdepartement der HSLU steht. Warum sonst hätten sich Universität und HSLU nicht mehr öffentlich zum Thema äussern sollen? Uni-Rektor Paul Richli setzte sich jedoch über den regierungsrätlichen Maulkorb hinweg und mischt fröhlich im Abstimmungskampf mit. Mit einem Paukenschlag präsentierte er an der Medienkonferenz der Unigesetz-Befürworter sein Konzept der neuen Wirtschaftsfakultät. Herzstück ist die sogenannte Unternehmerschule, die schon mit ihrem Namen verdeutlicht, dass sie die HSLU konkurrenziert – auch wenn dies Wirtschaftsvertreter als «Witz» abtun. Natürlich richtet sich die Uni in erster Linie nach den Gymnasien aus und die HSLU nach der Berufsmatura. Zum Glück ist unser Bildungssystem heute aber durchlässig und ein Wechsel durchaus möglich.

«Für Arbeitgeber wird es immer schwieriger, den Unterschied zwischen den einzelnen Abschlüssen zu verstehen.»

Warum nun im Vorfeld der Abstimmung einige Wirtschaftsvertreter ihre Contenance verlieren, ist nicht ganz einleuchtend, gäbe es doch auch aus ihrer Sicht viele Argumente gegen die Wirtschaftsfakultät. Denn neben unsinnigen Doppelspurigkeiten beim Grundstudium und bei der Weiterbildung schreitet mit der Unternehmerschule die von der Wirtschaft oft beklagte Verwässerung zwischen Universität und Hochschule weiter voran. Für die Arbeitgeber wird es immer schwieriger, den Unterschied zwischen den einzelnen Abschlüssen zu verstehen, wenn an beiden Institutionen das gleiche angeboten wird.

«Durch die Schwächung der Hochschule und der gleichzeitigen Verwässerung der beiden Hochschulsysteme droht unser starkes Berufsbildungswesen Schaden zu nehmen.»

Gegen diese Verwässerung richtete sich auch der Dachverband der Wirtschaft Economiesuisse Anfang Oktober (vgl. «Wirtschaft für deutlichere Unterscheidung zwischen Universitäten und Fachhochschulen»). Wenn nun Gewerbeverbandspräsident Roland Vonarburg in der «Neuen Luzerner Zeitung» noch zugibt, dass seine Mitglieder – die Luzerner KMU – nicht an Uni-Absolventen interessiert sind, fragt man sich schon, warum die Verbandsspitze die Ja-Parole beschlossen hat. Denn durch die Schwächung der Hochschule und der gleichzeitigen Verwässerung der beiden Hochschulsysteme droht unser starkes Berufsbildungswesen Schaden zu nehmen. Es ist leichtfertig, für Wachstum nur um des Wachstums Willen der Uni Luzern diesen Kollateralschaden in einem Bereich in Kauf zu nehmen, um den wir international beneidet werden.

Wirklich erstaunlich ist dies jedoch nicht. Denn, als im letzten Jahr Bibliotheken an den Berufsschulen gestrichen wurden oder auch beim Sparopfer der pädagogischen Hochschule – bei Leistungen und Strukturen II schwiegen die Wirtschaftsvertreter. Bildung ist zwar wichtig, die eigenen Profite dank Dumpingsteuern bringen aber halt doch mehr Geld.

Marcel Budmiger, Geschäftsleiter Luzerner Gewerkschaftsbund

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