Wirtschaftsfakultät? Das macht Sinn!
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Wirtschaftsfakultät Ja oder Nein? Das Luzerner Stimmvolk entscheidet.

Wirtschaftsfakultät? Das macht Sinn!

4 min Lesezeit 06.11.2014, 16:03 Uhr

Die Wirtschaftsfakultät eine Konkurrenz zur Hochschule Luzern? «Ein Witz», findet die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz und erklärt, wieso sie wichtig für Luzern ist.

Am 30. November stimmt die Luzerner Stimmbevölkerung unter anderem darüber ab, ob in Zukunft an der Universität Luzern auch Wirtschaft studiert werden kann. Die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) setzt sich, zusammen mit dem Gewerbeverband des Kantons Luzern, für die neue Wirtschaftsfakultät ein. Für einmal wehrt sich die SP gegen die Weiterentwicklung des Bildungsstandortes Luzern. Ausgerechnet jene Partei, die sich sonst konsequent für die Bildung stark macht, hat in diesem Fall andere Pläne. Wie kann man einerseits bei jeder Gelegenheit die Wichtigkeit des «Rohstoffes Bildung» betonen und sich andererseits bei dieser einmaligen Chance für Luzern plötzlich quer stellen? Die Gegner der Wirtschaftsfakultät warnen vor einer Konkurrenzierung des Departements Wirtschaft an der HSLU und befürchten zudem eine Einmischung der Privatwirtschaft in Lehre und Forschung, wenn Private und nicht der Kanton die Anfangsinvestitionen für die Fakultät tätigen. 

Konkurrenzsituation? Die Hochschule Luzern und die Wirtschaftsfakultät haben ein völlig anderes Zielpublikum!

Konkurrenz zur Hochschule Luzern (HSLU)? Ein Witz! Die HSLU richtet sich nicht an Maturanden, sondern an Berufsleute mit Berufsmatur. Die Universität richtet sich nicht an Berufsleute mit Berufsmatura, sondern an Maturanden. Die beiden Institutionen haben ein völlig anderes Zielpublikum. So einfach ist das. Warum diese Angstmacherei? Diese «Konkurrenzsituation» besteht zudem an sämtlichen anderen Universitäts- und Fachhochschulstandorten in der Schweiz, an denen Wirtschaft studiert werden kann. Dies ohne Probleme und negative Begleiterscheinungen. Also hören wir auf, einzelne Bildungswege oder einzelne Hochschulen gegeneinander auszuspielen.

Die Finanzierungsbeteiligung von Dritten entspricht einer Tatsache unserer Zeit.

Das Argument der Einmischung der privaten Geldgeber in Lehre und Forschung kann man – wenn man etwas polemisch sein will – auch zur Sparte «Verschwörungstheorien» zählen. Die finanzpolitischen Realitäten sind nun einmal so, dass ohne Drittmittel der Bildungsbereich schon längst nicht mehr alleine vom Staat finanziert werden kann. Es ist längst eine Tatsache, dass Spitzenuniversitäten wie Yale, Oxford oder Cambridge mit professionellem Finanzmanagement hohe Rendite erzielen. Auch die Eliteuniversität Harvard finanziert sich mit weniger als 20 Prozent aus staatlichen Mitteln. Wer traut sich, in diesen Fällen ernsthaft die Unabhängigkeit der Forschung in Frage zu stellen? Gleiches gilt beispielsweise auch für die Hochschule Luzern: Gemäss Lustat-Bildungsbericht flossen im Jahr 2009 bereits über 50 Mio. Franken an Drittmitteln an die Hochschule Luzern; rund 30 Prozent der Gesamtfinanzierung der Institution. Die Finanzierungsbeteiligung von Dritten entspricht schlicht einem Bedürfnis und einer Tatsache unserer Zeit.

Wir sind zudem überzeugt, dass die Motivation der privaten Finanzgeber zum Aufbau der Wirtschaftsfakultät kaum in der Beeinflussung der Forschung liegt. Im Vordergrund steht vielmehr die zusätzliche Quelle von zukünftigen Arbeitnehmern. Oder wie genau sollte sich der Ruswiler KMU-Unternehmer Reto Sieber (Mitbesitzer der SIGA), der sich bereits als finanzieller Unterstützer der Wirtschaftsfakultät «geoutet» hat, konkret in die wirtschaftswissenschaftliche Forschung an der Universität einmischen? Für solche Beeinflussungsszenarien braucht es ein übersteigertes Mass an Fantasie und Misstrauen. Zudem darf man, aufgrund der Transparenz der Universität und dem öffentlichen Druck, davon ausgehen, dass die Universitätsleitung gerechtfertigte Interessen von plumpen Beeinflussungsversuchen sehr gut unterscheiden kann.

Für Unternehmen ist es beinahe unmöglich Studenten von ausserkantonalen Universitäten wieder nach Luzern zu locken. 

Wenn wir diese politischen Grabenkämpfe zwischen den bürgerlichen Parteien und der Ratslinken des Kantonsparlamentes beiseite lassen, so stehen aus Sicht der zahlreichen Luzerner und Zentralschweizer Unternehmen die Vorteile der neuen Wirtschaftsfakultät im Vordergrund. Die Wirtschaftsfakultät entspricht ganz einfach einem Bedürfnis der zahlreichen KMU’s der ganzen Region. An verschiedenen Kantonsschulen in Luzern werden mit Steuergeldern Maturanden ausgebildet. Zurzeit studieren aber beinahe 800 dieser Maturanden an einer ausserkantonalen Universität Wirtschaft. Dort starten sie oft ihre berufliche Karriere und kehren nicht mehr nach Luzern zurück. Für Luzerner Unternehmen ist es danach beinahe unmöglich, solche Fachkräfte wieder nach Luzern zu locken. Wenn die Maturanden aber in Luzern Wirtschaft studieren können, dann entsteht einerseits für die Luzerner Unternehmen ein beachtlicher Pool an Fachkräften, die immer schwieriger zu finden sind. Andererseits erleichtert der schweizweit einzigartige Masterlehrgang «Unternehmertum» den Wirtschaftsstudenten den Einstieg in die Zentralschweizer Unternehmerwelt. Erfahrene Unternehmer aus Luzerner KMU-Betrieben engagieren sich als Mentoren für die Studierenden; der Berufseinstieg wird erleichtert. Eine «win-win Situation» für alle Beteiligten!

Zudem kostet die Wirtschaftsfakultät den Steuerzahler keinen zusätzlichen Franken. Der Kanton stellt für den Aufbau und den Betrieb der neuen Fakultät kein Geld zur Verfügung. Wie bereits erwähnt, werden die zum Aufbau benötigten vier Millionen Franken von Stiftungen, Firmen und Privaten bezahlt. Das ist keine Behauptung, sondern eine Tatsache, auf die sich der Steuerzahler verlassen kann. Der Kanton bezahlt lediglich jene Beiträge für Luzerner Studierende, die zurzeit an andere Universitätskantone fliessen. Sollen wir weiterhin diese Millionen nach Zürich, St. Gallen und Bern bezahlen oder wäre es nicht sinnvoller, dieses Geld in Luzern zu behalten?

Wir appellieren deshalb an die Weitsicht der Luzerner Stimmbevölkerung. An jene Weitsicht, die Gemeininteressen vor Eigeninteressen stellt und verschiedene Bildungszweige und Bildungsinstitutionen nicht gegeneinander ausspielt. Dies im Wissen, dass es letztlich darum geht, den zukünftigen Generationen ein möglichst breitgefächertes Bildungsangebot in Luzern zu bieten. 

Adrian Derungs

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