Innovation in der Zentralschweiz – wie man mit einer Mondlandung Arbeitsplätze sichert

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Ein Stück Zentralschweizer Innovation auf dem Mond: Mit der unbemannten chinesischen Raumsonde landeten auch mehrere hundert Exemplare der Raumfahrtsicherung von Schurter (Bild: zvg)

Was braucht es, damit regionale Unternehmen Spitzenleistungen im Bereich der Innovation erbringen können? Adrian Derungs geht dieser Frage im ersten Beitrag des Wirtschafts-Blogs auf den Grund – und landet auf dem Mond. 

Innovation. Ein oft gebrauchtes Schlagwort. So oft, dass es bei manchen den Eindruck erwecken mag, vor allem als Marketing-Instrument zu dienen. Wird man als innovativ bezeichnet, so gilt man gleichzeitig als modern, flexibel und erfolgreich. Diese Auffassung wird dem tatsächlichen Wert von Innovation aber nicht gerecht. Denn Innovation ist in unserer globalisierten und hoch spezialisierten Gesellschaft Pflicht, wenn man sich als Unternehmen langfristig im Markt behaupten und Arbeitsplätze sichern will.

Zum Glück ist Innovation eine Art Lieblingsdisziplin der Schweizer Unternehmen und das Land gilt als Weltmeister in diesem Bereich. Seit mehreren Jahren führen wir die Rangliste beim Global Innovation Index (GII) an. Besonders stark sind wir bei den High-Tech-Firmen, der Anzahl Firmengründungen und in Bezug auf die hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung der Unternehmen.

Auch wenn die Zentralschweiz nicht mit den ganz grossen Wirtschaftsregionen wie Zürich, Basel oder Genf mithalten kann, so gehören zweifellos zahlreiche Zentralschweizer Unternehmen in diesen drei Bereichen zu internationalen Spitzenreitern (Schindler Holding, Pilatus Flugzeugwerke AG, Maxon Motor AG, Dätwyler Holding AG, Victorinox AG; um nur ein paar wenige Beispiele aus den fünf IHZ-Kantonen aufzuzählen). Die Industrie- und Handelskammer zeichnet jedes Jahr Unternehmen aus, die mit einem besonderen Produkt, einer einzigartigen Dienstleistung oder einem neuen Prozess auf sich aufmerksam gemacht haben. Im vergangenen Jahr gewann das Luzerner Unternehmen Schurter AG diese Auszeichnung. Schurter produziert Elektronikkomponenten und beschäftigt weltweit rund 1’500 Mitarbeitende. Kaum ein Luzerner, der nicht schon am Firmenhauptsitz in der Nähe der Ufschötti beim Alpenquai vorbeigefahren ist. Doch ist man sich auch bewusst, dass dort «rocket science» im wahrsten Sinne des Wortes betrieben wird? Schurter gewann den IHZ-Innovationspreis für eine Sicherung, die speziell weiterentwickelt worden war, um auch in der Raumfahrt eingesetzt werden zu können. Dies erforderte innovative Prozesse im Bereich der Produktion und der Qualitätssicherung. In der Folge hatte dieses Stück Zentralschweizer Innovation Anteil an der geglückten Landung einer unbemannten chinesischen Raumsonde auf dem Mond im vergangenen Dezember.

«Die Sieger-Sicherung»

«Die Sieger-Sicherung»

Schurter ist zudem europaweit der einzige Hersteller, der für eine solche Sicherung die strengen Auflagen für eine Zertifizierung durch die Europäische Raumfahrtbehörde ESA erfüllt hat. Das ist Zentralschweizer Weltklasse in der Raumfahrtbranche. Und dies ist notwendig, um den Produktionsstandort Luzern zu sichern und wichtige Arbeitsplätze in der Zentralschweiz zu erhalten. 

Zahlreiche Zentralschweizer Unternehmen gehören in den Bereichen Innovation, High-Tech und Forschung/Entwicklung zu internationalen Spitzenreitern.

Doch was braucht es, damit Unternehmen wie die Schurter AG solche Spitzenleistungen im Bereich der Innovation erbringen können?

Da dies vor allem die Unternehmen selber beurteilen können, hat die IHZ im vergangenen Herbst eine entsprechende Umfrage gemacht, an der sich rund 160 Unternehmen beteiligten. Hier die wichtigsten Resultate:

  • Rund neun von zehn Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren an Innovationen gearbeitet
  • 80 Prozent der Unternehmen haben die Innovationsbestrebungen ohne Unterstützung durch die öffentliche Hand geleistet
  • Bei der konkreten Umsetzung von Innovation setzen die Unternehmen besonders auf die eigenen Mitarbeiter
  • Von der öffentlichen Hand erwarten die Unternehmen vor allem, dass diese sich auf die Bereitstellung von guten Rahmenbedingungen konzentriert, Fachkräfte ausbildet und den Bereich Forschung an den Hochschulen fördert. 
     

Die Umfrage macht deutlich, dass weitaus der grösste Anteil an Innovation durch die Unternehmen selber geleistet wird. Innovation ist auch in der Zentralschweiz überwiegend Sache privater Akteure. Das ist gut so. Innovation geschieht «bottom-up». Steuergelder werden nicht im Giesskannenprinzip im Sinne einer staatlichen «top-down»-Innovationsförderung verteilt, sondern gezielt in Bereichen eingesetzt, wo staatliche Innovationsförderung Sinn macht. Das Erfolgsmodell beruht darauf, dass der Staat einen fruchtbaren Nährboden bereitstellt, der es den Unternehmen erleichtert, innovativ zu sein. Dazu gehören nicht nur Investitionen in die Infrastruktur, den Bildungsbereich oder Vernetzungs- und Vermittlungsangebote. Ebenso wichtig sind der Abbau von unnötigen bürokratischen Hürden und Überregulierungen. Diese binden bei den Unternehmen zunehmend finanzielle Mittel, die im Bereich der Innovationen nachhaltiger eingesetzt werden könnten.

Was braucht es damit Unternehmen innovativ sein können?

Was braucht es damit Unternehmen innovativ sein können?

Wenn wir folglich weiterhin eine innovative Schweizer Wirtschaft wollen, so können wir dies nicht nur als Konsumenten unterstützen, sondern auch als Stimmbürger. An der Urne können wir dem Werkplatz Schweiz und unserer Region in den kommenden Monaten bei mehreren wirtschaftspolitischen Abstimmungen das Vertrauen aussprechen. Mit diesem Vertrauen schaffen wir eine Grundlage, dass auch in Zukunft bahnbrechende Innovationen aus der Zentralschweiz für weltweite Schlagzeilen sorgen. Noch wichtiger als diese Schlagzeilen sind jedoch die mit der Innovation verbundenen Arbeitsplätze, die in der Region gesichert werden.

Übrigens: Die Ausschreibung für den diesjährigen Innovationspreis ist wiederum ein Erfolg. Über 20 innovative Projekte wurden eingereicht und die Jury zerbricht sich zurzeit den Kopf, welches Unternehmen ausgezeichnet werden soll. Wer den Zentralschweizer Innovationspreis in diesem Jahr erhält, wissen wir im Spätsommer 2014.

Innovationspreis 

Untersuchung Innovation (PDF) 

Adrian Derungs


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