Bis zuletzt mit vollem Einsatz dabei
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Keine Vorstellungen mehr: Das Luzerner Theater muss geschlossen bleiben.(Bild: Ingo Höhn)

Das Luzerner Theater muss geschlossen bleiben Bis zuletzt mit vollem Einsatz dabei

4 min Lesezeit 19.12.2020, 06:00 Uhr

Der Bundesrat hat es verfügt: Das Luzerner Theater muss geschlossen bleiben. Bis zu diesem Entscheid hat die Theaterleitung alles getan, um einen reduzierten Betrieb aufrechtzuerhalten. Verwaltungsdirektor Adrian Balmer sagt, wie schwierig diese Situation war. Ein Blick zurück.

Albert Schwarzenbach: Nichts geht mehr im Luzerner Theater. Der Bundesrat hat das kulturelle Leben lahmgelegt. Was sagen Sie dazu?

Adrian Balmer: Das schmerzt! Theaterleute leben für das Theater, für jede einzelne Aufführung. Und zwar live! Uns blutet das Herz, dass die aktuelle Situation keine andere Möglichkeit offenliess, als die Kulturunternehmen erneut zu «grounden». Und wir hoffen sehr auf eine baldige und nachhaltige Entspannung.

Sponsor: Luzerner Kantonalbank. (Bild: zvg)

Albert Schwarzenbach: Bereits vorher war die Situation schwierig. Auf die Frage, wie Sie sich fühlen, haben Sie gesagt: «Land unter».

Adrian Balmer: Das war ein Sinnbild für unsere damalige Arbeitssituation. Die Corona-Krise warf unseren Arbeitsplan und unsere Organisation über den Haufen. Uns schränkten die Schutzbestimmungen des Bundes stark ein. Der Aufwand war gross – für die Schutzmasken, die Reinigung, die Desinfizierung vor den Auftritten und auf der Bühne.

Albert Schwarzenbach: Wurden denn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet?

Adrian Balmer: Wir hatten Verdachtsmomente in der Belegschaft und mussten im Einzelfall die Quarantäne anordnen. Konkret haben wir vier bis fünf Fälle von Erkrankungen registriert. Die Betroffenen haben wir sofort isoliert. Im Haus ist aber niemand angesteckt worden. Wir setzten die Schutzkonzepte konsequent um.

Albert Schwarzenbach: Seit dem 29. Oktober war das Publikum auf 50 Personen beschränkt. Was bedeutete das für Sie?

Adrian Balmer: Eine grosse Herausforderung. Die Oper «Das schlaue Füchslein» verlangt 50 Musikerinnen und Musiker, die aber mit den Abstandsregeln im Orchestergraben keinen Platz finden. So mussten wir auf eine andere Orchesterfassung für nur 21 Personen ausweichen. Allerdings müssen wir dafür Tantiemen abliefern. Bei der Originalfassung wäre das nicht der Fall gewesen. Nun mussten wir angesichts der verschärften Massnahmen kapitulieren – die Premiere vom letzten Sonntag wurde abgesagt.

Sponsor: Verkehrsbetriebe Luzern. (Bild: zvg)

Albert Schwarzenbach: 50 Besucherinnen und Besucher anstatt der normalerweise 350– 400. Wie gingen Sie damit um?

Adrian Balmer: Wir mussten selektionieren. 80 Prozent der Plätze gingen an die Abonnenten, der Rest in den freien Verkauf. Wenn die Vorstellung nicht für Abonnements vorgesehen war, konnten mehr Plätze im freien Verkauf angeboten werden.

Albert Schwarzenbach: Mit einem Publikum von nur noch 50 Leuten konnte keine Stimmung aufkommen.

Adrian Balmer: Ja und nein. Es war im Saal sicher ruhiger – aber auch konzentrierter. Andererseits spürten wir eine grosse Dankbarkeit bei den Besucherinnen und Besuchern, dass wir überhaupt spielen, die sich in grossem Applaus und sogar Standing Ovations ausdrückte.

Albert Schwarzenbach: Haben Sie nie daran gedacht, das Theater von sich aus bereits früher zu schliessen?

Adrian Balmer: Wir haben das diskutiert. Unsere Aufgabe ist es aber zu spielen. Unsere Leute sind unter Vertrag und wollen auf die Bühne. Das ist ihr Leben. Wir hätten nur rund 10 Prozent gespart, denn es gibt natürlich Verträge, die weiterlaufen. Wenn wir das Haus bereits früher geschlossen und Kurzarbeitsgeld beantragt hätten, wären das auch öffentliche Mittel gewesen.

Verwaltungsdirektor des Luzerner Theaters Adrian Balmer. (Bild: zvg)

Albert Schwarzenbach: Das Defizit wird grösser. Wer deckt es?

Adrian Balmer: Wir wagen keine Prognose, wie wir die Spielzeit finanziell abschliessen werden, denn wir wissen nicht, wie lange das Virus so stark verbreitet ist und uns einschränkt. Die Schliessung wirft uns jetzt noch mehr zurück und wir müssen nun doch partiell in Kurzarbeit gehen.

Albert Schwarzenbach: Im Extremfall mussten Sie Vorstellungen absagen. So zum Beispiel das Stück «Happy End auf der Allmend», das in der Swissporarena gespielt worden wäre.

Adrian Balmer: Wir haben diesen Entscheid sehr bedauert. Aber mit 50 Besucherinnen und Besuchern hätte das Aufwand-Ertrags-Verhältnis definitiv nicht mehr gestimmt. Wir müssen mit unseren Mitteln haushälterisch umgehen.

Albert Schwarzenbach: Zum Theaterbesuch gehört das Cüpli vor der Vorstellung im Foyer und für das Premierenpublikum die Premierenfeier. Beides fiel zeitweise weg.

Adrian Balmer: Wir konnten nach rund drei Wochen Gastropause ein neues Angebot einführen. Im Foyer durften Getränke gekauft und in den Theaterraum mitgenommen werden, wo die Gläser auf kleine Tische gestellt werden konnten, was vom Publikum sehr geschätzt wurde.

Albert Schwarzenbach: Wir stecken mitten in der Corona-Krise und trotzdem sollte das Luzerner Theater den neuen Spielplan vorbereiten.

Adrian Balmer: Unsere neue Intendantin Ira Karr und ihr Team sind voll an der Arbeit. Wir gehen davon aus, dass wir in der kommenden Spielzeit wieder normal spielen können. Die Verträge mit den Künstlerinnen und Künstlern werden wir abschliessen. Wir sind optimistisch hoffnungsvoll.    

Am Montag liest du im Blog, wie die Kirchen auf die Situation eingehen.

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