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Von fruchtig bis herb – die Weine der Zentralschweiz
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Der oberste Luzerner Weinbauer über das Weinjahr 2017 Von fruchtig bis herb – die Weine der Zentralschweiz

8 min Lesezeit 20.10.2017, 08:08 Uhr

zentralplus hat mit dem obersten Weinbauern des Kantons Luzern, Beat Felder, über das Weinjahr 2017 gesprochen. Er klärt auf welche Rebsorten bei uns besonders gut wachsen, was wir vom diesjährigen Wein erwarten können und warum die Schweiz beim Weisswein zur erweiterten Weltspitze gehört. Zudem zeigen wir Ihnen auf, wo in Luzern und Zug Wein angebaut wird.

zentralplus: Beat Felder, der Start in die Weinsaison 2017 mit den Frostnächten war alles andere als rosig. Mit welchen Tücken hatten die Luzerner Winzer diese Jahr zu kämpfen?

Beat Felder: 2017 war ein tolles Jahr. Ein früher Austrieb, ein sonniger und warmer Sommer, genügend Niederschläge und ein goldener Oktober. Zwei Ereignisse waren indessen alles andere als toll, die Frostnacht vom 20. April mit dem starken Wind und der nasse und kühle Start in den September. Dies führte in Kombination zu einer frühen und tiefen Ernte. Der starke Nährstoffschub und die damit verbundene Traubenfäulnis bestimmten weitgehend den Erntetermin.   

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zentralplus: Waren die Probleme flächendeckend oder nur regional im Kanton?

Felder: Das war leider flächendeckend im ganzen Mittelland und der Ostschweiz so. In der Ostschweiz gab es am 1. August zudem einen starken Hagelschlag. Etwas besser sieht es am Genfersee und in weiten Teilen des Wallis aus.

zentralplus: Wie sieht es mit der Menge und der Qualität der Weine im Jahr 2017 aus? 

Felder: Die Qualität ist unbestritten sehr gut. Die Trauben konnten gut ausreifen. Bei der Menge reden wir von einer guten halben Ernte. Der Flächenertrag wird etwas unter 500 Gramm pro Quadtratmeter sein. Ohne die erwähnten speziellen Ereignisse könnten wir von einem absoluten Ausnahmejahr sprechen. Die Interpretation des Jahrganges ist gespalten. Bei solch gutem Wetter wäre weit mehr möglich gewesen, bei einem so starkem Frost ist man mit dem Resultat mehr als zufrieden.   

zentralplus: Warum wird in der Region vermehrt Weisswein produziert?

Felder: Der Weissweinanteil steigt wirklich. Der Schweizer trinkt aber ein Drittel Rot- und zwei Drittel Weisswein. Beim einheimischen Wein ist die Nachfrage nach Weisswein grösser. Das hat mit den klimatischen Bedingungen und den Sorten zu tun. Beim Weisswein gehören wir zur erweiterten Weltspitze, beim Rotwein sind immer noch die teils üppigen und überladenen Weine aus dem Süden gefragt, welche jedoch eher nicht zu unseren lokalen Speisen passen. Ich meine, dass auch beim Rotwein der Trend Richtung weniger Alkohol und mehr Frucht gehen wird. Davon werden unsere Rotweine profitieren.

zentralplus: Wird in der Zentralschweiz auch Eiswein produziert?

Felder: Eiswein gibt es bei uns nicht. Die Rechtsgrundlage wäre jedoch vorhanden. Bis der Frost endlich kommt sind die Beeren in der Regel vertrocknet. Das Risiko ist zu gross. Daher macht man den Süsswein mit technischen Methoden, lässt die Trauben trocknen, gefriert sie ein oder entzieht dem Traubensaft Wasser.

zentralplus: Wie viel Liter Wein werden im Kanton Luzern produziert?

Felder: Die Produktion steigt kontinuierlich an und geht bei einer vollen Ernte gegen 400’000 Flaschen. Rot- und Weisswein halten sich in etwa die Waage.

zentralplus: Welches ist die meist angebaute Traube im Kanton?

Felder: Eine eigentliche Hauptsorte gibt es nicht. Blauburgunder steht mit etwas weniger als 25 Prozent an der Spitze.

zentralplus: Welche Innovationen gibt es im Luzerner Weinbau?

Felder: Jeder vierte Rebstock ist eine Pilzwiderstandsfähige Sorte (PIWI). So hoch ist der Anteil dieser ökologisch wertvollen Sorten in keinem anderen Kanton der Schweiz. Bekannte Vertreter sind Solaris, Johanniter oder Cabernet Jura.

zentralplus: Zum Schluss eine persönliche Frage: Welches ist Ihr Lieblingswein aus der Region?

Felder: Es gibt bei uns nur gute Weine. Alles andere lässt sich nicht verkaufen. Je nach Stimmung und Zeitpunkt ändert das mit den Lieblingen. Lassen Sie sich mit dem Genuss einheimischer Weine selber überraschen.

Beat Felder arbeitet beim Kanton Luzern, am Berufsbildungszentrum Natur, Ernährung und Landwirtschaft. Dort ist er  verantwortlich für Spezialkulturen. Zudem ist er selber Weinbauer in Sursee. 

Industrielle Tankanlage in der Weinproduktion.

Industrielle Tankanlage in der Weinproduktion.

Eine Übersicht über Weinproduzenten in der Region Luzern und Zug:

Aesch
Klosterhof Aesch
Ein altehrwürdiger Betrieb, der zum einstigen Benediktinerkloster in Muri gehörte. 1604 wurde eine Weintrotte gebaut, welche heute noch existiert. Im Klosterhof wird Rebbau mit Eigenkelterung betrieben. Produziert werden diverse Rot- und Weissweine. Die Produkte haben schon diverse Auszeichnungen erhalten.

Alberswil
Weingut Castelen
Auf den sonnigen Terrassen des sehr steilen Castelen-Südhanges gedeihen auf 10’000 m² vier verschiedene Rebsorten. Der Castelen-Rebberg gilt nach Ökoqualitätsverordnung des Bundes als Rebfläche mit erhöhter Ökoqualität und natürlicher Artenvielfalt. Es werden zwei weisse Traubensorten, Muscat Olivér und Solaris, und zwei blaue Sorten, Garanoir und Dornfelder, gekeltert.

Altwis
Weinbaugenossenschaft Saffergarten
Am warmen Fuss des Lindenbergs wachsen Riesling-Silvaner, Blauburgunder und Dornfelder im Rebberg Saffergarten. Das Gut betreibt Eigenkelterung in Tanks, einige Weine erhalten den letzten Schliff im Barrique. Weine von Gut wurden bereits ausgezeichnet.

Dagmersellen
Weingut Bisang
Am Rande des Dorfes Dagmersellen liegt das Weingut der Familie Bisang-Heller. Auf 5 Hektaren und vier Reblagen wachsen Riesling-Silvaner, Weissburgunder, Grauburgunder und Sauvignon Blanc.

Ermensee
Herrenberger Weine
Das Weingut Herrenberger liegt im Seetal, zwischen Hallwiler- und Baldeggersee. Es wird Rebbau mit Eigenkelterung betrieben, und zu Wein verarbeitet wird Riesling-Silvaner.

Eschenbach
J & H Südhang GmbH
Das Gut liegt, wie der Name schon sagt, am Südhang von Eschenbach. Ein idealer Ort für den Anbau von Weintrauben. Die Trauben werden selbst gekeltert. Neben der Weinproduktion bietet das Gut auch Edelessig und Edelbrände an.

Gelfingen
Weingut Heidegg
Um 1300 pflanzten Nachfahren des Ritters Heinrich von Heidegg die ersten Reben am Schlosshügel. Der Rebberg wird nach strengen ökologischen Richtlinien bewirtschaftet. Die Produkte des Weingutes Heidegg reichen von den Basisweinen über Spezialitäten bis zu den Barrique-, Süss- und Schaumweinen. Das Unternehmen betreibt Rebbau mit Eigenkelterung und produziert neben den Spezialitäten diverse Rot- und Weissweine sowie Roséwein.

Hitzkirch
Brunner Weinmanufaktur
Die Brunner Weinmanufaktur liegt in einem Gebiet, das ideale Voraussetzungen für das Werden hochwertiger Weine bietet. Die Manufaktur besteht aus drei Weingütern: dem Weingut Eichenberg Sempach, dem Schlossrebgut Kommende Hitzkirch und dem Rebgut Schloss Trostburg, welches im Kanton Aargau liegt.

Rebbaugesellschaft Hitzkirch
Der Hitzkircher Rebberg liegt eingebettet zwischen zwei Seen am sonnigen Südwest-Hang des Lindenbergs. Am Dorfende reifen Blauburgunder- und Riesling-Silvaner-Trauben auf einer Fläche von einer Hektare. Die Bewirtschaftung und die Kelterung übernimmt das Weingut Heidegg. Es wird Weiss- und Rotwein gekeltert.

Kaiserspan
1851–1860 baute man die Landwirtschaft und den Rebberg auf dem Kaiserspan, welcher zur Gemeinde Gelfingen gehört, auf. Das Markenzeichen des Weingutes ist das Rebhäuschen. Die Familie Mächler-Britschgi produziert Weiss-, Rot- und Süsswein. Dazu bieten sie ein kaltgepresstes Baumnussöl an.

Hohenrain
Rebbau Gebrüder Ottiger
Das Gut der Gebrüder Ottiger ist idyllisch gelegen zwischen dem Schloss Heidegg und der Johanniterkommende Hohenrain. Die Produktion wird in aufwendiger und behutsamer Handarbeit und nach den Regeln der IP-Produzenten ausgeführt. Der Wein wird in Küttigen von der Oenologin Susi Wehrli gekeltert.

Rafael Schacher, Rebberg Mühlihalde
Die gut besonnte Hanglage und ein steiniger Boden aus der Zeit des Reussgletschers waren vielversprechend. Seit 2011 wurden in drei Etappen auf 14’000 m² Rot- und Weissweinstöcke angepflanzt. Nach mehreren tausend Arbeitsstunden konnte der erste Jahrgang 2013 abgefüllt werden. Es werden Weiss- und Rotweine produziert.

Hünenberg
Chäppeli-Genossenschaft
Chäppeli-Wy gibt es als Weiss-, Rotwein und Barrique. Für die Bewirtschaftung des Rebbergs wurde eine Rebberg-Kommission gebildet, welche aus Vertretern der Einwohnergemeinde Hünenberg und Vertretern der Chäppeli-Genossenschaft besteht.

Kastanienbaum
Weinbau Ottiger
Seit 1981 gedeihen Pinot Noir und Riesling-Silvaner auf dem Weingut Rosenau. Heute werden etwa zehn Sorten auf den Rebbergen angepflanzt. Dies ermöglicht die Produktion von sortenreinen Rot- und Weissweinen, Cuvées, je eines Süss- und Schaumweins sowie zahlreicher Destillate.

Das klassische Barrique in der Weinproduktion.

Das klassische Barrique in der Weinproduktion.

Luzern
Rebgut Seeburghof
Bereits 1584 wird der «Hof Seeburg» erstmals urkundlich erwähnt. Der Betrieb wird nach den Richtlinien der Bio Suisse geführt. Der Rebbau in der Stadt Luzern geht bis ins Jahr 1250 zurück. Im Frühling 2008 wurde der Rebberg neu bepflanzt, heute wachsen auf dem Seeburghof die modernen Weissweinsorten Solaris und Johanniter.

Meggen
Weingut Letten
Seit dem Jahr 2000 bewirtschaften Karl und Cornelia Sigrist-Erb den traditionellen Familienbetrieb in der 8. Generation. Das Seeklima und der Föhn sorgen dafür, dass die Rebe im Frühling früh austreibt. Die Bewirtschaftung des Weinbergs erfolgt nach den «VINATURA»-Richtlinien. Im Angebot: Weiss-, Rot-, Rosé- und Schaumweine.

Bio-Weingut Sitenrain
Seit dem Jahr 2006 werden auf dem Gut Sitenrain Bio-Weine produziert. Es wachsen ausschliesslich PIWI-Sorten, die auf natürliche Art pilzwiderstandsfähig sind. Die Weine werden bei Oettiger in Kastanienbaum gekeltert und vinifiziert.

Oberkirch
Weinbau Haselrain
Hier werden 2400 Rebstöcke der Sorten Pinot Noir, Garanoir und Pinot Gris bewirtschaftet. Die Produktion erfolgt nach IP- beziehungsweise AOC-Richtlinien. Im Sortiment sind ein fruchtiger Pinot Noir, ein Cuvée, ein Pinot Gris, ein neuer Blanc de Noir sowie ein Schaumwein.

Risch
Weinbau Risch GmbH
Seit dem Jahr 2000 wird von Alfred Knüsel der rund 600 m² grosse Bio-Weinberg im Kanton Zug bewirtschaftet. Auf zwei Dritteln des Weinbergs wird die robuste Weissweintraube Solaris angebaut. Auf dem Rest wächst eine speziell aus den Sorten Léon Millot und Maréchal Foch gezüchtete Traube.

St. Erhard
Wyguet Terret
Der produzierte Rotwein wird rund zehn Monate in Barriques ausgebaut.
Die Weine werden in neue wie auch zwei-jährige Fässer aus amerikanischer und slowenischer Eiche abgefüllt. Der Wein wird bei der Familie Oettiger in Kastanienbaum ausgebaut.

Schenkon
Weinbau am Tannberg
Am Tannberg wachsen seit Frühling 2010 die Trauben Grauburgunder, Blauburgunder und Gamaret. Daraus werden vier verschiedene Weine gekeltert.

Sempach
Weingut Sennhof
Die Interessengemeinschaft Weingut Sennhof wurde im Sommer 2004 gegründet. Das Gut liegt oberhalb vom Sempachersee bei Kirchbühl. Auf dem Sennhof sind 20 Aren mit fast 1000 Rebstöcken der Sorten Grauburgunder und Cabernet Dorsa bepflanzt.

Steinhausen
Rebbaugenossenschaft Steinhausen
Im Jahr 1996 wurde die Rebbaugenossenschaft gegründet, mit einer Fläche von 12 Aren. Mittlerweile hat sich die Anbaufläche verdoppelt. Es wird Pinot Noir und Riesling-Silvaner in kleinen Mengen angebaut.

Sursee
Weinbau Mariazell
Der Rebberg liegt im Naherholungsgebiet der Region Sursee. Bewirtschaftet wird der Betrieb nach den naturnahen Richtlinien des Zertifikates Vitiswiss®. Die Sorten Zweigelt und Gamaret, St. Laurent und Cabernet Dorsa werden hier bewirtschaftet. Es wird Weiss-, Rot- und Süsswein produziert.

Triengen
Weinbau Hans Barmet
Aus pilztoleranten und europäischen Trauben werden im eigenen Keller verschiedene weisse und rote Weine gekeltert. Aus 14 Traubensorten wird selber hochwertiger AOC-Wein hergestellt. Die Trauben werden von Hand gelesen.

Wir verlosen einen Gutschein im Wert von 50 Franken von Schubi Weine in Luzern.

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