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Zur Haifischflosse beim Galenstock
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Nach rund vier Stunden ist die Haifischflosse bei der Oberen Bielenlücke erreicht. (Bild: Fabian Duss)

Frühlings-Skitour im Furkagebiet Zur Haifischflosse beim Galenstock

4 min Lesezeit 18.05.2018, 11:11 Uhr

Gipfel sind es, was Bergsteiger reizen. Meistens. Doch manchmal tut es auch einfach eine aussichtsreiche Erhebung mit einer vielversprechenden Gletscherabfahrt. Fündig wird man in der Oberen Bielenlücke, direkt am Fuss des Galenstocks.

Im Mai schweift der Blick eifriger Skitourengänger öfter auf den Zustand der Passstrassen als auf den Niederschlagsradar und die Schneekarten. Denn nur schon Teilöffnungen von Alpenübergängen eröffnen neue Möglichkeiten oder schnellere Zugänge zu Tourenzielen. Mit Freude nahm ich daher unlängst die Öffnung der Furkapassstrasse bis zum Hotel Galenstock zur Kenntnis. Bereits am nächsten Morgen schnallte ich mit meinen Tourengschpändli die Ski an die Füsse, um auf dem Tiefengletscher nach Sulzschnee zu suchen.

Wer im Frühsommer auf Skitouren geht, wird für den kurzen Schlaf mit schönen Sonnenaufgängen entschädigt.

Wer im Frühsommer auf Skitouren geht, wird für den kurzen Schlaf mit schönen Sonnenaufgängen entschädigt.

(Bild: Fabian Duss)

Da wir «nur» die Obere Bielenlücke und nicht den Galenstock anpeilten, reichte es, erst um 6.00 Uhr zu starten. Trotzdem: Viel Schlaf hatten wir nicht genossen und freuten uns umso mehr, dafür mit einem herrlichen Sonnenaufgang entschädigt zu werden. Auf harter Unterlage zogen wir zum Tätsch hoch, über welchen im Winter auch der präparierte Winterweg zum Hotel Tiefenbach führt. Unsere Aufstiegsroute deckte sich derweil mit dem Zustieg zur Albert-Heim-Hütte des SAC, die seit kurzem und bis Sommer 2019 wegen eines Umbaus geschlossen ist.

Gletschererfahrung nötig

Schon bald also fanden wir uns am Tiefenbach, zwischen besagter Hütte und dem Chräiennest wieder. Einige zuweilen etwas mühsame Traversen hatten wir damit hinter uns, konnten uns nun der Harscheisen entledigen und den Blick in die Höhe schweifen lassen. Das Gebiet lädt im Sommer zu herrlichen Kletter- und Hochtouren ein, wobei sich allerdings der Rückgang des Tiefengletschers zusehends bemerkbar macht.

Eingangs Tiefengletscher montierten wir die übliche Gletscherausrüstung, auch wenn Spalten derzeit noch kein Thema sind, sofern man den Gletscher rechtzeitig wieder verlässt. Wer über keine Gletschererfahrung verfügt, sollte sich an dieser Stelle für das nahe Chli Bielenhorn entscheiden, das unschwierig erreichbar ist und ebenfalls eine grandiose Aussicht bietet.

Haifischflosse ahoi!

Über eine steile Rampe zogen wir nun also den Tiefengletscher hoch, derweil sich – angesichts der Prognose etwas überraschend – Wolken über den Galenstock ausbreiteten. Der Aussicht beraubt litt die Motivation etwas unter der Eintönigkeit des Gletscheraufstiegs. Der Tiefengletscher ist riesig und die Distanzen grösser, als man auf den ersten Blick erwartet. Wie klein der Mensch ist, zeigt sich dort ähnlich eindrücklich wie auf dem Konkordiaplatz. Die Konsistenz des Schnees unter den Latten bedeutete uns allerdings, dass wir für die Abfahrt wohl den richtigen Zeitpunkt erwischen würden.

Über dem Tiefengletscher zeigt sich der Galenstock, an dessen Fuss die Obere Bielenlücke liegt.

Über dem Tiefengletscher zeigt sich der Galenstock, an dessen Fuss die Obere Bielenlücke liegt.

(Bild: Fabian Duss)

Am Fuss der Ostwand des Galenstocks zweigten wir nach Süden ab und peilten die auffallende Haifischflosse bei der Oberen Bielenlücke an. Am Galenstock wühlte sich derweil ein gutes Dutzend Tourengänger zum Gewölk hoch. Dieses blieb, wo es war, weshalb wir doch noch einen guten Teil des Nordtessins, der Gotthardregion und der Surselva zu Gesicht bekamen. Vom benachbarten Galenstock sahen wir indes nur wenig. Genügend allerdings, um Erinnerungen an genüssliche Klettertouren wiederzubeleben.

Sulzschnee al dente

Für die Abfahrt über den Tiefengletscher erwischten wir um 10.00 Uhr den perfekten Zeitpunkt: Ein weiches Sülzchen auf harter Unterlage bescherte uns das erhoffte Vergnügen. Schwierigkeiten boten sich nirgends, da die Spalten noch perfekt zugeschneit waren. Ausgesetzte oder sehr steile Passagen gibt es nicht, sofern man auf der Route bleibt.

A propos Route: Am Ende des Tiefengletschers hat man die Qual der Wahl: Nochmals anfellen und via Albert-Heim-Hütte und Schafberg zurück zum Ausgangspunkt, direkt der Aufstiegsroute entlang und einen kurzen Gegenanstieg in Kauf nehmen oder runter zum Hotel Tiefenbach und von dort auf der Strasse zurück zum Hotel Galenstock. Der Haken: Keine der Varianten ist perfekt. Wir entschieden uns, etwas unterhalb der Aufstiegsroute via Schluchtbielen und Matten zurück zum Tätsch zu gelangen und von dort zur Passstrasse abzufahren. Der zu bewältigende Gegenanstieg fiel dadurch recht kurz aus. Auch beim obligaten Blick zurück blieb der Galenstock in den Wolken – ein Grund mehr, ihm im Juni einen Besuch abzustatten, wenn der Furkapass wieder befahrbar ist.

(Bild: Fabian Duss)

Tourinfo

Die beschriebene Skitour wird auf der Schwierigkeitsskala des SAC mit WS bewertet. Für den Aufstieg ab dem Hotel Galenstock sind rund vier Stunden zu veranschlagen. Mit zunehmender Ausaperung empfiehlt sich das Hotel Tiefenbach als Ausgangspunkt. Auf dem Tiefengletscher ist Gletscherausrüstung und -erfahrung nötig. Die Tour ist aufgrund ihrer Länge höchstens für ambitionierte Schneeschuhläufer machbar. Wer sich im Gebiet trotzdem mit Schneeschuhen austoben möchte, wählt besser das Chli Bielenhorn, den Schafberg oder die Albert-Heim-Hütte als Ziel.

Alle Bilder von Fabian Duss

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