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In den Spuren von Fuchs und Hirsch

Raus aus dem Nebel: Ungewohnte Rundwanderung auf dem Zugerberg

In der wärmeren Jahreszeit geht es bei der Feuerstelle Brand deutlich betriebsamer zu und her. (Bild: hch)

Wenn der Nebel das Flachland und der Schnee die Berge bedeckt, locken mit Hase, Fuchs und Hirsch drei tierische Rundwanderungen auf dem Zugerberg. Wir haben die längste der gut markierten Routen absolviert. Mit gut 14 Kilometern benötigt sie etwas Ausdauer, ist aber das ganze Jahr gut begehbar.

War es nun «Zugerberg hell» oder «Ägeri hell»? Diese Tafel vorne in den Zuger Bussen dürfte jedenfalls vielen Zugerinnen noch bekannt sein. Und auch wenn man heute erst zu Hause eine Livecam konsultiert: Bequemer als auf dem Zugerberg finden Novembernebelgeschädigte nur schwerlich die Sonne.

Als Wanderparadies ist der Zugerberg trotz eines Wegnetzes von 80 Kilometern nicht unbedingt bekannt. Wer in Zug etwas auf sich hält, überquert den Bergrücken eher als Zwischenstation auf dem Weg zum höchsten Zuger, dem Wildspitz. Dabei stehen mit den drei tierischen Rundwegen bei weniger idealen Wetterlagen erlebnisreiche Rundwanderungen zur Auswahl.

Hirsch, Fuchs und Hase teilen sich Weg

Nach früheren Begehungen des mittleren Rundwegs, Fuchs, sollte es an diesem Tag erstmals die längste Tour sein. Dafür steht der Hirsch, von dem es im Kanton Zug derzeit rund 120 Exemplare geben soll.

Die ersten Kilometer ab Vordergeissboden bis Räbrüti teilen sich die drei Rundwege, wir wandern also gleichzeitig in den Spuren von Hase, Fuchs und Hirsch. Und alle drei haben gleich zu Beginn einen etwas unangenehmen Anstieg zu bewältigen. Auf dieser Strecke, wo wohl schon bald geschlittelt wird, sind bereits die Wegweiser für die Winterwanderwege montiert. Und auch der Skilift wartet betriebsbereit.

Noch aber teilen sich Wanderer und Bikerinnen den Weg, der nach dem Anstieg im Wald in eine Naturstrasse übergeht. Immer wieder säumen Unterstände den Weg, die uns bei schlechterem Wetter auch schon nützliche Dienste geleistet haben. Ein weiterer Höhepunkt sind die vielen Grillstellen, die allesamt mit ausreichend Brennholz ausgestattet sind. Eine der schönsten ist nach etwa einer halben Stunde bei Brand erreicht. Den Kleinen bieten sich hier Spielmöglichkeiten und den Grossen eine tolle Aussicht auf den Hintergeissboden und die teilweise schneebedeckte Rigi.

Idyllische Feuerstelle bei Fiselstuden

Bei Räbrüti zweigen wir wieder von der Waldstrasse auf einen Waldweg ab, bald darauf führt der kürzeste Rundweg im Bogen zurück. Wir haben glücklicherweise noch drei Viertel des Wegs vor uns, die Sonne sorgt für angenehme Herbsttemperaturen. Zugerberg hell, eben.

Im Wald kommen wir immer wieder an geschnitzten Tierfiguren oder Installationen mit Rätseln vorbei, bis bei Fiselstuden eine idyllische Feuerstelle mit Hütte und Teich wartet. Der uns bekannte mittlere Rundweg würde von hier in 15 Minuten geradewegs zum Buschechappeli führen. In wärmeren Jahreszeiten gäbe es hier eine Rast, wir gehen stattdessen direkt weiter durch den Wald in Richtung Nollengatter. Weiter oben wurde frisch geholzt, die Waldstrasse gleicht nun einer Schlammpiste, dafür riecht es wunderbar weihnachtlich nach Tannenholz und Harz. Dieser Teil des Wegs ist definitiv nichts für Sneakers-Wanderer.

Wann geht es endlich zum Buschechappeli?

Der Weg führt nun in Schlaufen weiter hoch zur Bergstation des Nollen-Lifts, wo sich eine ganz andere Perspektive als beim Skifahren bietet. Nach einem kurzen Blick auf die Graspiste marschieren wir jedoch gleich weiter in den Wald. Immer wenn man denkt, der Weg führe nun zurück zum Buschechappeli, geht es noch weiter hoch, so auch bei der nächsten Abzweigung beim Grossmattstollen. In weiteren 20 Minuten geht es bei schöner Aussicht auf Rigi und Zugersee dann endlich zum Buschechappeli.

Bei der Gruen-Hütte, wo die gelben Wanderwegzeichen auf dem ansonsten ausgezeichnet markierten Weg etwas ausgebleicht sind, ist für einmal etwas Aufmerksamkeit gefragt. Wir umrunden die kleine Erhebung Grossmattstollen und ignorieren hier die Abzweigung zum Alpli und damit in Richtung Wildspitz. Uns reichen die 1'100 Höhenmeter für diese Jahreszeit.

Tipp: Abzweiger bei Ewegstafel

Beim Buschechappeli erwartet uns der gerne genutzte Grillplatz. Die vielen Tische, Schatten spendenden Bäume und vor allem die direkte Zufahrt machen ihn für Familien sehr beliebt. Daneben glänzt die frisch herausgeputzte, 1754 erstmals urkundlich erwähnte Kapelle in der Sonne. Zu deren Entstehung gibt es verschiedene Theorien. Am besten gefällt uns jene des verirrten Offiziers zur Zeit der Französischen Revolution. Er habe geschworen, hier eine Kapelle bauen zu lassen, sollte er seine Heimat je wiedersehen.

Besser dokumentiert ist die nächste Station der Wanderung, Früebüehl. Der für neun Millionen Franken ausgebaute Forschungsstandort der ETH Zürich war zuvor eine Militärstrafanstalt, in der noch in den 1980er-Jahren Russen interniert waren (zentralplus berichtete). Lange Zeit stachen diese im nahen Hochmoor Torf.

Heute führt durch dieses Gebiet nun der Wanderweg, für unseren Geschmack leider etwas gar lange auf Hartbelag. Die aus früheren Zeiten vorhandenen Entwässerungsgräben wurden vor einigen Jahren zugeschüttet, sodass die intakte Naturlandschaft in vielfältigen Herbstfarben aufwartet. Die Aussicht lässt sich beim Ewegstafel gut geniessen, wo eine ausgeschilderte Alternative zum Kiesweg über die Weide führt.

Zurück zum Vordergeissboden

Je näher man dem Vordergeissboden kommt, desto belebter wird es nun. Spazier- und Bikewege oder Spielplätze locken rund um die Tankfalle, ein Überbleibsel des Reduits, ganzjährig viel Volk an. Wir machen noch einen Umweg in Richtung Bergstation der Zugerbergbahn und geniessen so das Panorama auf Zug und den See, bevor wir nach knapp vier Stunden beim Ausgangspunkt ankommen.

Fazit: Eine schöne und aussichtsreiche Rundwanderung für die Übergangszeit oder den Winter, jedoch mit viel Hartbelag und Kiesstrassen. Die Rundwanderung «Fuchs» ist 75 Minuten kürzer, man erspart sich so ein langes, wenig abwechslungsreiches Waldstück. Familien wird vor allem zu Beginn viel geboten.

Route

Distanz: 14,4 km
Wanderzeit: 3:45 Stunden
Höhendifferenz: 393 Meter auf- und abwärts
Min./max. Höhe: 930/1135 m ü. Meer
Route: Vordergeissboden 936 m ü. Meer – Hünggigütsch-Sätteli 975 – Brand 1005 – Räbrüti 1020 – Fiselstuden 970 – Ahorn 1030 – Nollen 1045 – Brünnli 1078 – Grossmattstollen 1097 – Chlistollen 1064 – Buschenchappeli 1021 – Früebüel 980 – Ewegstafel 990 – Altenboden 946 – Tankfalle 943 Zugerbergbahn Station 925 – Vordergeissboden.
Abkürzungen: Ab Verzweiger Grossmattstollen über Chlistollen zum Buschechappeli, spart etwa 20 Minuten Wegzeit. Wer es noch kürzer mag: Der Rundweg Fuchs führt von Fiselstuden in 15 Minuten zum Buschechappeli, bleibt sonst aber gleich. Gesamt-Wegzeit 2:30 Stunden.
Anreise: Ab Bahnhof Zug mit Buslinie 11 bis Schönegg. Die Zugerbergbahn fällt wegen Neubau des Trasses bis 11. Dezember aus (zentralplus berichtete). Zwischen Schönegg bis Montana verkehrt ein Ersatzbus. Alternativ mit dem PW bis Vordergeissboden.

Verwendete Quellen
  • Begehung der Wanderung
  • Diverse Artikel zentralplus
  • Fahrplan Ersatzbus
  • Eidgenössische Jagdstatistik
  • Die Entstehung des Buschechappelis (pdf-Download)
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Wo lässt es sich in der Zentralschweiz am schönsten wandern? Was gibt es auf welchen Wanderwege und Wanderrouten zu sehen? Wo lässt sich unterwegs gut Rast machen? Von längeren Spaziergängen, Wanderungen bis hin zu schwierigen Bergtouren – für Anfänger bis Wander-Experten – im Wander-Blog berichten natur- und wanderfreudige Blogger aus der...
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