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Wanderung auf den Nidwaldner Hausberg

Steil aufs Stanserhorn – und zurück nach Wiesenberg

  • Bewertung★★★★★★★★★★
  • 955 m
  • 955 m
  • 9,5 km
  • Dauer●●●●●●
  • Technik●●●●●●
Gut gesicherter Aufstieg zum Stanserhorn. (Bild: hch)

Zehn Seen soll man vom Stanserhorn aus sehen – heisst es. Bei unserer Wanderung gab es zwar nur dichte Wolken. Dass die steile Rundtour von Wiesenberg aus dennoch Freude machte, lag neben spannenden Wegen auch an überraschenden Begegnungen auf dem Gipfel.

Mit einer Anreise von gerade mal einer Viertelstunde ist der Stanser Hausberg von Luzern aus schneller erreichbar als so mancher Luzerner Berg. Wir nehmen uns an diesem bewölkten Hochsommertag jedoch den Aufstieg auf der hinteren Bergseite ab Dallenwil vor. Für die etwas längere Anreise bleibt an diesem nebelverhangenen Tag ausreichend Zeit. Bis zum Mittag, so sagten die befragten Wetter-Apps unisono, dürfte sich die Wolkendecke dann verzogen haben.

Der Weg startet in Wiesenberg, einem 90-Seelen-Weiler, der mit der Luftseilbahn von Dallenwil oder Wirzweli aus erreichbar ist. Der Einstieg zum Wanderweg ist bei Obermattli ausgangs der Siedlung zu finden. Von hier geht es von der Hauptstrasse abzweigend steil bergauf.

Im Hindernislauf steil hinauf

Die erste Stunde geht es nun über Alpwege, die nebelfeuchten Naturwege sind nach der langen Trockenphase seifig und rutschig. Glockengebimmel kündigt jeweils eine nahende Alp an, die aus den Wolken erscheint. Statt an der Aussicht erfreut man sich so halt an näheren Objekten. So wie den beeindruckenden Baumriesen bei Unter Kneu oder dem Tau, der die Pflanzen perlenkettengleich verziert.

Immer wieder queren Seile den Weg. Nirgends sonst in der Schweiz soll die Seilbahndichte so hoch wie in Nidwalden sein. An diesem Berg kommen unzählige von Bauern gespannte Seile dazu, auch wenn auf den ersten Blick oft nicht auszumachen ist, welchem Zweck diese dienen. Aussergewöhnlich ist auch die Vielfalt der Weidedurchgänge. Ich habe noch kein Gebiet erlebt, in dem Wanderer dermassen phantasievolle Konstrukte erwarten, um zwischen den Elektrozäunen durchzukommen. Und davon gibt es hier nicht wenige, streckenweise erinnert die Wanderung schon fast an einen Hindernislauf.

Vorbildlich präparierte Wege im alpineren Teil

Ab Chrinnen, wo der Weg in Richtung Wirzweli und Ächerlipass abzweigt, verändert sich die voralpine Landschaft schlagartig. Die letzte Stunde bis zum Stanserhorn wird es nun felsiger; gutes Schuhwerk und Schwindelfreiheit sind hier Pflicht. Der Weg ist hier zwar noch als geologischer Themenweg gekennzeichnet, die dazu gehörenden Hinweistafeln wurden aber vor einiger Zeit entfernt.

Nichtsdestotrotz folgt nun der schönste Abschnitt der Wanderung: ein bestens präparierter, ausreichend breiter Weg, der mit unzähligen Treppen und Stufen über einen Grat bis zum Gipfel hoch führt. Kritischere Stellen sind mit Seilen gesichert. So ist die Absturzgefahr auch bei jenen, die die Warntafeln «übersehen» haben und sich in Turnschuhen an den Abstieg machen, reduziert. Am Ende gilt es noch zwei Leitern zu nehmen, und man steht auf dem Stanserhorn-Rundweg. Etwas verblüfft sind wir zwar, als uns hinter der nächsten Biegung der Stanserhorn-Ranger Erwin Marty entgegenstrahlt, doch das sollte auf dem Berg nicht die letzte überraschende Begegnung bleiben.

Begegnung mit Streuner aus Wiesenberg

Nach einem kurzen Zwischenhalt auf dem Gipfel, der sich trotz anderslautenden Wetterprognosen weiterhin hartnäckig in den Wolken zeigt, führt der Rundweg via Rinderalp und Blatti zurück. Kurz vor dem Abstieg zur Rinderalp bietet sich ein schöner Rastplatz mit Feuerstelle für die Mittagspause an. Zwar ist man hier dem Trubel von der Gipfelstation entflohen, dafür blökt eine nahe Schafherde die Tonleiter hoch und runter.

Ein aufgeweckter Appenzeller-Rüde kommt immer wieder mal vorbei, auf der Suche nach Leckerli. Als er etwas gar aufdringlich wird, beeilen sich die beiden Frauen vom Nebentisch zu erklären, dass der Hund nicht zu ihnen gehöre. Vielmehr habe er sie den ganzen Aufstieg vom Ausgangsort Wiesenberg hoch begleitet. Da wir nun wissen, dass er gleich neben der Wiesenberg-Bahn zuhause ist und wir denselben Rückweg planen, versuchen wir den Streuner zum gemeinsamen Abstieg zu bewegen – vergeblich. So durfte er die Rückreise zusammen mit seinen beiden neuen Freundinnen mit der Bahn antreten.

«Tiifels Zittere» auf dem Rückweg

Für uns heisst es nun wieder Treppen steigen, diesmal einfach bergab. Auch hier ist der Weg frisch renoviert und hervorragend ausgebaut, wie man es nicht oft sieht. Immer wieder kommen uns nun aus dem Nebel andere Wanderer mit tropfnassen Haaren entgegen, die sich sehnsuchtsvoll informieren, ob auf dem Gipfel schon die Sonne scheine. Bis Blatti geht es nun sehr schön auf der Flanke entlang, die Aussicht hier müsste wohl grossartig sein.

Wer mag, kann zuvor beim Abzweiger Muettergotteswald einen Umweg zur Ahornhütte einlegen. Alleine schon der als «Tiifels Zittere» bezeichnete Wegabschnitt verführt dazu, das Abenteuer muss man sich am Ende jedoch mit einem Gegenanstieg erkaufen. Dabei handle es sich übrigens nicht um ein besonders gefährliches Wegstück, sondern um einen früher in Nidwalden üblichen Ausdruck des Erstaunens. Der damalige Oberförster Max Kayser soll in den 1930er-Jahren zusammen mit Behördenmitgliedern unterwegs gewesen sein, als ein Schuss eines wildernden Jägers knallte – sein Satz «s'Tiifels Zittere! Was machid äü die da obe?» gab dem Gebiet seinen Namen.

Stetig bergab, dem seifigen Untergrund zum Trotz

Wir gehen stattdessen direkt weiter nach Blatti, wo der Weg steil zurück nach Wiesenberg führt. Es sind nun wieder grüne Alpweiden, die vorherrschen, und auch auf dieser Bergseite scheint man sich am Wettbewerb für den kreativsten Weidedurchgang zu beteiligen. Streckenweise wird es hier auf dem seifigen Untergrund nun eher ein munteres Bergabrutschen, ohne sichernde Wanderstöcke wären wir wohl schlammfarben angekommen.

Nicht ganz einfach wird es im Leiterenwäldli, wo entweder der Wegweiser fehlt oder im Nebel übersehen wird. Die Lösung ist jedoch auch bei schlechter Sicht einfach: Immer weiter bergab, entweder stösst man auf den eigentlich gut mit Stöcken markierten Wanderweg oder eine asphaltierte Strasse, die zum Ausgangspunkt zurückführt.

Fazit: Eine schöne und teilweise steile Wanderung, die fast ausschliesslich auf Naturstrassen begangen werden kann. Die Höhepunkte sind im oberen, sehr gut präparierten Abschnitt zu finden. Es empfiehlt sich, die Strecke bei trockenem Wetter zu begehen.

Distanz: 9,5 km
Wanderzeit: 4:20 Stunden
Höhendifferenz: 955 Meter auf- und abwärts
Min./max. Höhe: 1044/1883 m ü. Meer
Route: Wiesenberg Obermattli 1050 m ü. Meer – Unter Kneu 1255 – Ober Kneu 1426 – Chrinnen 1718 – Stanserhorn 1898 – Rinderalp 1635 – Blatti 1567 – Wiesenberg 1044.
Anreise: Es empfiehlt sich, ab Dallenwil die Wiesenbergbahn zu nehmen (erreichbar ab Luzern mit der Zentralbahn, Talstation neben Bahnhof). Alternativ besteht ein Wanderparkplatz etwa 1 km nach Wiesenberg in Richtung Dürrenboden, erreichbar über eine schmale Bergstrasse mit Gegenverkehr.
Variante: Rundreise mit der Wiesenbergbahn ab Dallenwil, Wanderung aufs Stanserhorn, danach mit Cabriobahn und Oldtimer-Standseilbahn nach Stans und mit der Zentralbahn zurück nach Dallenwil.

Verwendete Quellen
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Wo lässt es sich in der Zentralschweiz am schönsten wandern? Was gibt es auf welchen Wanderwege und Wanderrouten zu sehen? Wo lässt sich unterwegs gut Rast machen? Von längeren Spaziergängen, Wanderungen bis hin zu schwierigen Bergtouren – für Anfänger bis Wander-Experten – im Wander-Blog berichten natur- und wanderfreudige Blogger aus der...
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