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Steil auf den Oberbauenstock
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Schlicht und bar religiöser Symbolik: der Gipfel des Oberbauenstocks. (Bild: Fabian Duss)

Von Nidwalden nach Uri Steil auf den Oberbauenstock

3 min Lesezeit 22.07.2016, 14:24 Uhr

Aus Luzerner Perspektive erscheint der Oberbauenstock etwas unnahbar. Tatsächlich ist der Aufstieg auf der Nordseite steil und felsig, jedoch für geübte Wanderer kein Problem. Und vor allem lohnenswert, denn das Panorama hoch über dem Vierwaldstättersee ist hervorragend.

Man muss nicht auf 3000 Metern suchen, um im Juli noch Schnee zu finden. Es reichen zuweilen auch Schattenlöcher in deutlich niedrigeren Gefilden, in denen sich die letzten Überreste des Winters hartnäckig behaupten. Die Nordwestflanke des Oberbauenstocks ist so ein Beispiel.

Bis in den Juni versperren heikle Schneefeldern den Wanderern den Zustieg. Ohne Pickel, Steigeisen, einer Portion Mut und zwei Beutel Erfahrung lässt man das Unterfangen bei derartigen Verhältnissen besser bleiben und wartet auf den Juli.

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Die Sonne scheint erst spät in die Aufstiegsroute, was gerade an Hitzetagen höchst willkommen ist. Ausgangspunkt ist die Bergstation der Luftseilbahn Niederbauen. Gemütlich und flach zieht sich das Alpsträsschen dem Gütsch entlang in Richtung Hundschopf. Dort endet der Spaziergang, die Route zweig ab, der Weg verjüngt sich und das Gelände wird steiler.

Ausgeschildert ist der Weg nicht, jedoch blau-weiss markiert und gut unterhalten. Über den Faulberg erreicht man die Nordwestflanke des Oberbauenstocks. Das Gelände ist abschüssig, der Wanderweg für trittsichere Berggänger jedoch ohne nennenswerte Herausforderungen.

Steile, schattige Schlüsselstelle

Viele Höhenmeter sind noch nicht vernichtet, doch sollte sich das bald ändern. Nun wartet die Schlüsselstelle der Tour: der Aufstieg durch die steile Schrofen- und Felsflanke. Was aus der Ferne noch etwas abschreckend wirkte, entpuppt sich aus der Nähe zwar nicht gerade als Kinderspielplatz, jedoch auch nicht als allzu steil. Die Stöcke gehören spätestens jetzt an den Rucksack und die Hände an den Fels und die Fixseile. Von klettern zu sprechen wäre allerdings übertrieben.

Panorama mit Uri-Rotstock, Wissigstock und Ruchstock. (Bild: Fabian Duss)

Panorama mit Uri-Rotstock, Wissigstock und Ruchstock. (Bild: Fabian Duss)

Eine Viertelstunde später ist der Spuk ebenso vorbei wie der Schatten. Auf dem Südwestgrat des Oberbauenstocks öffnet sich das Panorama gen Süden. Noch sind es hundert Höhenmeter zum Gipfel. Durch die schrofige Südflanke zieht der Bergweg sanft in die Höhe. Auch hier gehören die Hände nicht in den Hosentaschen. In Kürze ist der kreuzlose Gipfel erreicht und Zeit für eine ausgedehnte, aussichtsreiche Znünipause. Bis hierhin benötigt man zwischen eineinhalb und zwei Stunden.

Abstieg durch Alpenrosen

Für den Abstieg bieten sich mehrere Möglichkeiten. Am Sinnvollsten und Schönsten ist wohl jener ins Choltal oder zur Klewenalp. Stets in Gratnähe führt der Weg zum Lückli, derweil unten auf den Baberger Weiden die Alpsaison in vollem Gang ist. Zur Rechten bieten sich immer wieder gewaltige Tiefblicke. Die Kadenz der Schweisstropfen lässt erst nach, wenn beim Lückli auf die Nidwaldner Seite der Bergkette gewechselt wird.

In der Ferne bellt es laut. Ein Schild weist auf die Ursache hin: Hier sind Herdenschutzhunde an der Arbeit. Dies mit gutem Grund: Letztes Jahr riss ein Wolf in der Gegend zwischen Emmetten und Isenthal vierzig Schafe. Als die Abschussbewilligung erteilt wurde, machte er sich aus dem Staub. Auch dieses Jahr ist wieder ein Wolf unterwegs und hat schon mehrere Schafe gerissen. Die gut beschützte Schafherde weidet abseits des Wegs hinter einem Zaun. Das Gebell verstummt und an Alpenrosenfeldern vorbei geht es in die Tiefe.

Zu Fuss oder mit Gondelbahn

Beim Haseneggli ist Zeit für einen Entscheid: Weiter Absteigen und zu Fuss durchs Choltal zurück nach Emmetten lautet die eine Option. Die Alternative – die Gondelbahn bei der Stockhütte – ist etwas kürzer, jedoch mit einem kurzen Aufstieg verbunden. Für den Entscheid ist ein kühler Kopf vonnöten – und den gibt’s im nahen Bergbach.

Die beschriebene Tour erreicht auf der Skitouren-Schwierigkeitsskala des SAC den Grad T4+. Für den steilen Aufstieg durch die Nordwestflanke des Oberbauenstocks sind trockene, schneefreie Verhältnisse von Vorteil. Fixseile sind nur passagenweise vorhanden.

Kartenmaterial: Landeskarte 1171 Beckenried

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