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Rund um den Göscheneralpsee Herbstwanderung am Fuss von drei Zentralschweizer Gletschern

26.10.2021, 11:02 Uhr 5 min Lesezeit
  • 555 m
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  • 8,8km
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Blick über den See auf den Gletscher mit Gletschhorn, Tiefenstock, Rhonestock und dem 3630m hohen Dammastock.
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Blick über den See auf den Gletscher mit Gletschhorn, Tiefenstock, Rhonestock und dem 3630m hohen Dammastock. (Bild: hch)

Sie gilt als eine der schönsten Rundwanderungen der Zentralschweiz: Die knapp vierstündige Tour um den Göscheneralpsee. Auch in der dritten Jahreszeit, wenn es hier oben wieder ruhiger wird und das Herbstlicht den Kontrast zwischen dem türkisfarbenen See und den nahen Gletschern verstärkt, lohnt sich die Wanderung – trotz erschwerter Bedingungen.

«Geht ihr Bergkristalle suchen?», werden wir auf dem Parkplatz von einem älteren Ehepaar gefragt, während Filou, ein Jack-Russel-Terrier, ungeduldig zwischen den Beinen einer Zürcher Familie herumwieselt. Es ist einiges los an diesem Samstagmorgen auf dem schattigen Parkplatz auf beinahe 1800 Metern über Meer, trotz Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt.

Wetter bestimmt die Gehrichtung

Die Frage, in welcher Richtung wir die Rundwanderung absolvieren wollen, beantwortet sich schon fast von selbst. Während im Gegenuhrzeigersinn die Sonne schon nach wenigen Höhenmetern erreichbar scheint, dürfte die gegenüberliegende Seeseite noch lange im Schatten liegen.

Ein schöner, aber wegen der Nässe teilweise etwas rutschiger Weg führt stetig ansteigend in Richtung Berg. Hier führt der Pfad durch eine sehenswerte Moorlandschaft mit einzelnen Föhren. Ein Holzsteg würde kurz vor dem Hochplateau zu einem Aussichtspunkt führen, uns ist er etwas zu vereist. So geniessen wir den Ausblick auf den Göscheneralpsee ein paar Meter weiter oben.

Die nahen Berge oberhalb des Chelengletschers markieren bereits die Grenze zum Kanton Bern, über den Dammagletscher ginge es ins Wallis. Über allem liegt eine fast schon ungewöhnliche Ruhe, nur das weitentfernte Rauschen des Wassers ist zu hören. Es scheint, als ob sich die Natur bereits in den Winterschlaf verabschiedet hätte. Vor rund 150 Jahren soll die Zunge des Dammagletschers noch bis zum heutigen See geführt haben. Heute reichen die Eisflächen noch von 3300 bis auf etwa 2060 Meter (Angabe aus dem Jahr 2011). Bis auf etwa 100 Höhenmeter sollten wir später unterhalb des ewigen Eises vorbeikommen, was beinahe schon etwas Gletscherfeeling aufkommen lässt.

Brücke demontiert

Vorerst aber gilt es für uns, die Nordseite des Sees zu umrunden. Der gut präparierte und breite Bergweg führt nun vorbei am Aufstieg zur Bergseehütte, bevor es leicht absteigend bis zur Chelenreuss geht. Der Zufluss zum See an seinem hinteren Zipfel bedingt einen Umweg. Bereits beim Einstieg zur Wanderung machte eine Tafel darauf aufmerksam, dass die Seeumrundung erschwert sei. Anstelle der Brücke führen nur noch zwei Stahlträger wie Schwebebalken übers Wasser, was einen Umweg über die etwas weiter oben gelegene Brücke beim Rieter bedingt. Sozusagen als Gegenleistung zeigt sich der Fluss hier mit ausgewaschenem Gletscherfels von einer besonders schönen Seite.

Während am Seeufer einige Wanderer ein spätherbstliches Sonnenbad geniessen, geht es für uns wieder bergauf. Nach der Querung eines Geröllfelds mit etwas Schuttblock folgt mit dem Aufstieg zwischen Egghubel und Dammareuss der technisch anspruchsvollste Teil der Wanderung. Da der Weg mit Ketten gesichert ist, eignet er sich auch für etwas weniger geübte Wanderer. Grundsätzlich sind aber eine gute Ausrüstung und Trittsicherheit Pflicht. Denn noch etwas schwieriger gestaltet sich die Querung der Dammareuss. Auch diese Brücke wurde für den kommenden Winter demontiert, sodass wir über glitschige Steine balancieren – was nur teilweise gelingt.

Eiszapfen als Boten des nahen Winters

Als Gegenleistung werden wir auf der anderen Seite mit einer grandiosen Sicht auf gleich drei Zentralschweizer Gletscher (Dammagletscher, Rotfirn, Chelengletscher) belohnt. Hier wäre auch der Aufstieg zur Dammahütte, eine von drei Hütten, die oberhalb des Sees thronen. Um diese Jahreszeit sind jedoch alle unbewartet.

Der Weg führt noch einmal etwas ansteigend entlang der Bergflanke in Richtung Staudamm. Es ist faszinierend zu sehen, wie aus den Felsen immer wieder Wasser austritt und erneut versickert, um am Ende als kleiner Wasserfall in den See zu stürzen. In der kälteren Jahreszeit bilden sich so auf der Schattenseite unzählige Eiszapfen oder Eisflächen, unter denen das Wasser für viel Bewegung sorgt.

Vor dem Alpergenbach führt der Weg unterhalb des Planggenstocks vorbei, wo zwei Strahler im Jahr 2005 eine Kristallhöhle entdeckten, aus welcher sie rund 2,5 Tonnen Bergkristalle von bis zu 1,2 Metern Länge bergen konnten. Dieser Schatz ging für sechs Millionen Franken an das Naturhistorische Museum Bern. Nicht weiter erstaunlich, zieht das Gebiet bis heute immer wieder Kristallsucher an.

Über den Damm zurück zum Ausgangspunkt

Wir lassen stattdessen auch den letzten Abzweiger, der unter anderem zur Albert-Heim-Hütte führen würde, rechts liegen und kommen nach einer knappen halben Stunde und einem steilen Abstieg an den Staudamm. Nach Querung der 540 Meter langen und mit Naturmaterialien aufgeschütteten Talsperre gelangen wir zurück zum Ausgangspunkt. Es bestehen Pläne, den Damm mit Ausbruchmaterial aus der zweiten Gotthardröhre um acht Meter zu erhöhen, was auch die Urner Umweltorganisationen unterstützen würden. Unser Abstieg würde so nicht mehr ganz so steil ausfallen. Für die Runde benötigten wir eine halbe Stunde länger als angegeben (3:10 Stunden).

Start und Ziel: Göscheneralp
Schwierigkeit: T2
Distanz: 8,8 km
Wanderzeit: 3:45 Stunden
Höhendifferenz: 555 m
Min/max Höhe: 1784 / 2050 m

Route: Göscheneralp 1784 m– Berg 1950 m – Vorder Röti 1825m – Verzweigung Dammareuss 1966 m – Älpergen 1925 m – Göscheneralp

Anreise: Mit dem PW bis zum Berggasthaus Dammagletscher, kostenpflichtiger Parkplatz. ÖV: Mit dem Zug nach Göschenen. Hier steigt man auf das Postauto der Linie 411 um (fährt nur von Juni bis Oktober).

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