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Grenzüberschreitungen am Rigi-Südhang
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Wen es in die Höhe zieht, wird belohnt. (Bild: Fabian Duss)

Winterwanderung von Hinterbergen nach Rigi Scheidegg Grenzüberschreitungen am Rigi-Südhang

4 min Lesezeit 14.01.2020, 11:04 Uhr

Die Nebel- und die Kantonsgrenze: Sie prägen eine gemütliche Wanderrunde von den Hinterbergen nach Rigi Scheidegg und retour. Auf dieser winterlichen Wanderung lässt es sich auch an überlaufenen Feiertagen und Wochenenden gemütlich dem Nebel entfliehen.

Legt sich ein zähes Nebelmeer über die Zentralschweiz, hilft stündliches Klagen herzlich wenig. Munition dafür liefern zwar die Webcams, doch sie lassen sich auch anderweitig nutzen: Zur Bestimmung der Nebelobergrenze und als Ausgangspunkt für den Blick auf eine Karte und die Fahrpläne der unzähligen Luftseilbahnen in der Gegend – denn die Sonne ist näher, als man denkt. Über die Festtage herrschte denn auch in vielen höhergelegenen Ausflugsgebieten ein ansehnlicher Rummel.

Dieser lässt sich aber meiden. In den Hinterbergen etwa. Die Siedlung hoch über Vitznau ist seit über hundert Jahren durch eine kleine Seilbahn erschlossen und während des ganzen Jahres bewohnt. Einen festen Fahrplan kennt die Luftseilbahn deshalb nicht. Gefahren wird bei Bedarf. Ist kein Maschinist vor Ort, wird am Automaten bezahlt und auf Knopfdruck gefahren.

Über dem Nebel wird grilliert

Die Hinterberge sind in zähen Nebel gehüllt, als wir aus der Bergstation treten. Man sieht kaum 20 Meter weit. Das sollte sich aber bald ändern, denn zur Nebelobergrenze sind es nur noch etwa hundert Höhenmeter. Unser Plan lautet denn auch: Schnellstmöglich hoch an die Sonne, dann via Hinder Dosse nach Rigi Scheidegg und über den Burggeist und die Fälmisegg zurück in die Hinterberge. Das bisschen Schnee, das weiter oben zu erwarten war, würde uns nicht stören.

Vorbei am Restaurant Hinterbergen laufen wir auf dem Strässchen nach Eselsberg. Dort zweigen wir auf den markierten Wanderweg ab. Bereits auf Höhe des Oberbergs lassen wir die Nebelsuppe hinter uns – und zwei Schichten Kleider im Rucksack. Der Neuschnee ist hier längst weg und die erdige Unterlage halbwegs trocken. Einigermassen steil, doch unschwer, zieht sich der Wanderweg zum Felsband im Gebiet Hinzi hoch. Über diesem, bei der Alp Gletti, grillieren Ausflügler ihre Würste. Kurz darauf zweigen wir zum Oberstafel ab, von wo es auf den Hinder Dosse – und damit die Rigi – geht.

Vom Eselsberg aus geht es auf den markierten Wanderweg. (Bild: Fabian Duss)

Ab Hinder Dosse auf präpariertem Pfad

Längst sind wir im Schnee angekommen, doch dieser ist mit Bergschuhen problemlos zu begehen. Schneeschuhe wären bei diesen Verhältnissen völlig übertrieben. Ausserdem führt winters ohnehin ein präparierter Winterwanderweg von Hinder Dosse nach Rigi Scheidegg. Der Schnee ist hier nicht tief, sondern höchstens stellenweise vereist. Auf dem rege begangenen Weg ist die Scheidegg nun schnell erreicht. Die letzten 10 Minuten wandert man auf einer ebenen Krete und geniesst einen ungetrübten Blick in die Schwyzer und Urner Alpen.

Wer sich verköstigen oder den Durst löschen will, findet auf Rigi Scheidegg genügend Angebote. Für uns tut’s auch die Thermosflasche und eine der zahlreichen Sitzbänke. An einen Skibetrieb ist auf der Scheidegg derzeit nicht zu denken, doch die beiden Luftseilbahnen Kräbel und Burggeist spülen dennoch viel Fussvolk und schlittelnde Dreikäsehochs auf den Berg.

Der Kantonsgrenze entlang

Zurück in die Hinterberge laufen wir via Rigi Burggeist. Die Siedlung liegt unterhalb der Scheidegg und gehört ebenfalls zu Gersau. Darunter breitet sich dessen Alpgebiet aus. Wir lassen das bisschen Ausflugsrummel hinter uns und zweigen nun scharf nach Westen ab, denn wir wollen zurück in den Kanton Luzern. Bald erreichen wir die Kantonsgrenze: eine markante Krete, die hinunter zur Fälmisegg zieht. Wie der Berggipfel heisst, über den sich die Grenze weiter in Richtung See zieht, ist Ansichtssache: Gersauer nennen ihn Gersauerstock, die Vitznauer Vitznauerstock. Swisstopo nennt, in gut-eidgenössischer Manier, beide Namen.

Unser Abstieg führt noch eine Weilchen der Schwyzer Seite entlang, bis wir bei der Chruwele den Grenzübertritt vollziehen, wieder mehr Abendsonne auf die Nase kriegen und den Hinterbergen entgegenschreiten. Die Nebelgrenze hat sich in der Zwischenzeit keinen Meter weit verschoben. Bald wird deshalb das Unvermeidbare Tatsache: Wir tauchen wieder in die kalte, graue Suppe ein. Wärme spenden nur die Erinnerungen an die vergangenen Stunden.

Das Nebelmeer verblieb den ganzen Tag auf gleicher Höhe. (Bild: Fabian Duss)

Infos

Für den Aufstieg von Hinterbergen zur Rigi Scheidegg sind rund eineinhalb bis zwei Stunden zu veranschlagen. Für den Abstieg via Rigi Burggeist benötigt man etwas weniger lang. Die Wanderung bewegt sich zwischen den Schwierigkeitsgraden T2 und T3 auf der Skala des SAC (http://www.sac-cas.ch/unterwegs/schwierigkeits-skalen.html).

Kartenmaterial: Landeskarten 1151 Rigi.

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