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Frühaufsteher werden mit der ersten Spur belohnt
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Auf dem Gipfelgrat. Auf drei Seiten fällt der Rossstock senkrecht ab. (Bild: Fabian Duss)

Skitour auf den Rossstock bei Riemenstalden Frühaufsteher werden mit der ersten Spur belohnt

4 min Lesezeit 02.03.2018, 17:09 Uhr

Nasenrümpfen statt Begeisterung. Das löst bei mir aus, wer bei der Tourenplanung den Rossstock in Erwägung zieht. An machen Tagen beisse ich trotzdem an – und bereue es nicht.

Riemenstalden, die kleinste Gemeinde auf Schwyzer Boden, ist keine weitbekannte Tourismusdestination. Mit dem Lidernen-Gebiet hält sie aber einen Trumpf für Wanderer, Kletterer und Skitourengänger in der Hand. Im Winter ist man deshalb selten allein, wenn man fast zuhinterst im Tal in die Luftseilbahn Chäppeliberg-Spilau steigt. Für manche ist bereits die Bähnlifahrt ein Highlight, denn die Kabine ist offen und garantiert neben schönen Ausblicken auch etwas Gefrierfachfeeling (zentralplus berichtete).

Tourengänger statt Kühe

Wieder warm kriegt, wer sich bewegt. Also ab auf die Tourenski und los geht’s! Liegt derart viel Schnee im Gebiet wie diesen Winter, schafft man es nicht einmal aufrecht aus der Bergstation Gitschen. Draussen hat der Schnee nicht nur Felsen und Bäume, sondern auch ganze Alphüttchen verschluckt. Unser Ziel ist der Rossstock, der neben dem Hagelstock einfachste Skigipfel im Lidernen-Gebiet. Die Route wird oft begangen, weshalb es sich lohnt, früh aufzustehen. Wir bezahlen dafür mit vereisten Bärten und eiskalten Fingern.

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Der Tourenbeginn ist etwas unübersichtlich, doch dass man hier die erste Spur in den Schnee legen darf, ist selten. Wichtig ist, bei den Spilauhütten nach links (nach Osten) abzuzweigen. Zunächst steigt das Gelände an, bevor man durch ein kurzes Tälchen das Mälchbödeli erreicht. Im Sommer wird das Gebiet intensiv bewirtschaftet. Auf das Mälchbödeli folgt deshalb – wen wundert’s? – das Chüeband. Zuvor begeht man die neben dem Gipfelbereich steilste Passage auf der Tour. Die lawinentechnisch relevante 30°-Grenze wird hier allerdings nur kurz überschritten.

Der Gipfelhang: oft abgeblasen

Danach bewegt sich die Hangneigung stets im gemütlichen Bereich und der Gipfel rückt näher. Im Rückspiegel reicht der Blick über den Vierwaldstättersee ins Flachland, links und rechts zeigt sich zusehends die Schwyzer und Urner Bergwelt. Oft ist der Gipfelhang etwas abgeblasen, weshalb der Standort des Skidepots variiert. Manchmal bewältigt man besser den ganzen Gipfelhang zu Fuss, zuweilen kann man aber auch auf Ski bis zuoberst steigen. Herrschen Frühlingsverhältnisse, können die letzten Meter auch mal so hart werden, dass ein Eispickel zur Sicherheit nicht schadet.

Nach zwei Stunden ist der Höhepunkt erreicht. Auf dem schmalen Gipfelgrat wanken wir südwärts zum Gipfelkreuz. Viel Platz hat man hier oben nicht, dafür eine wunderbare Aussicht. Wegen des Windes müssen wir unsere Rast aber auf später verschieben. Doch es ist auch der tiefe Pulverschnee, der uns in die Tiefe lockt: Die Hänge sind noch kaum verspurt – und so wollen wir sie auch unter die Ski kriegen.

Lohnender Umweg in der Abfahrt

Wen’s nicht noch auf weitere Gipfel zieht, zweigt beim Mälchbödeli nach rechts ab und fährt in den Kessel beim Ober Hüttli. Hier könnte man nun zur Lidernernhütte fahren, um dort auf die Abfahrtsroute nach Chäppeliberg zu gelangen. Da uns deren lange Traverse nach Osten nicht sonderlich reizt, weil wir lieber tal- statt seitwärts Ski fahren, fellen wir beim Ober Hüttli nochmals an. Ostwärts ziehen wir zum Übergang beim Schmal Stöckli. Für die folgende, kurze Abfahrt lassen wir die Felle an den Ski, weil uns noch ein letzter, kurzer Anstieg zum Schnüerstocksattel bevorsteht.

Der Aufwand lohnt sich, denn vom Schnüerstocksattel geniessen wir eine rauschende Abfahrt ins Riemenstaldner Tal, ohne uns mit Querungen abmühen zu müssen. Via Lang Eggen und Alt Stafel laden breite Hänge zu vergnüglichen Schwüngen. Beim Riemenstaldner Bach ist der Spass vorbei. Etwas mühsam gelangen wir auf der Nordseite des Bachs ins Gebiet Chatzenschwanz und von dort zurück nach Chäppeliberg, wo sich der Kreis schliesst.


Die beschriebene Skitour wird auf der Schwierigakeitsskala des SAC (http://www.sac-cas.ch/unterwegs/schwierigkeits-skalen.html) mit WS bewertet. Für den Aufstieg ab der Talstation Chäppeliberg sind drei bis dreieinhalb Stunden zu veranschlagen, für jenen ab der Bergstation Gitschenen zwei Stunden. Der Aufstieg vom Tal ist stellenweise eher mühsam als lohnend, weshalb ihn nur wenige unter die Felle nehmen. Der Ausgangspunkt Chäppeliberg ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, wenn auch spärlich. Die Luftseilbahn fährt vor allem bei schönem Wetter. Ein Blick auf deren Webseite (http://spilau.ch/webcam/webcam_aktuell/spilau.jpg) am Vortag lohnt sich deshalb. Die Tour ist auch bei Schneeschuhläufern sehr beliebt. Skitourengänger schätzen es, wenn Schneeschuhwanderer eine separate Aufstiegsspur anlegen.

Kartenmaterial: Skitourenkarte 1:50000 246S Klausenpass, Landeskarte 1:25000: 1172 Muotathal

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