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Die Skitour, die Krisenmanagement verlangte
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Auf dem Weg zum Rossstöckli. (Bild: Urs Kyburz )

Mit der Familie auf das Rossstöckli im Lidernengebiet Die Skitour, die Krisenmanagement verlangte

5 min Lesezeit 25.01.2019, 11:00 Uhr

Wie heisst es so (un-)schön? Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Auf jeden Fall sind wir nun wieder um mindestens zwei Erfahrungen reicher. Bei der geplanten Skitour auf den Rossstock im Urner Lidernengebiet war jedenfalls Krisenmanagement gefragt.

Skitourengänger kennen es, das 3×3: Nebst den Fragen nach den Schneeverhältnissen und der Routenwahl sind die Teilnehmer ein zentraler Faktor. Es muss also nicht nur geklärt werden, ob die Route und die Lawinensituation stimmen, sondern ob die Tour auch zu den Teilnehmern passt (oder umgekehrt). Da wir zu viert mit den Kindern auf Tour wollten, waren alle Punkte klar. Wir wählten den Rossstock im Lidernengebiet als Ziel.

Am Vortag wohnten wir einem Vortrag meines ehemaligen Geografielehrers über seine Expedition zum Himlung Himal bei. Das bedeutete, dass wir spät ins Bett kamen. Wir wollten aber am Samstag gehen, da wir für den Sonntag einen Massenansturm befürchteten und wir den Sonntag zur Erholung nutzen konnten.

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Ein Gebiet für Frühaufsteher

Wir fuhren also am Samstagmorgen nach sieben Uhr los. Zu spät, wie sich bei Chäppeliberg, der Talstation der Seilbahn, zeigte: Dutzende Autos standen schon auf dem Parkplatz, noch mehr Leute vor dem Gebäude. Da sackte die Stimmung schon ein erstes Mal durch. Trotzdem löste ich die Billette, retour. Dazu erhielten wir die Platzkarten: Nummern 62 bis 65 – eine Stunde Wartezeit! Und dafür waren wir so früh aufgestanden.

Lektion 1 gelernt: Für das Lidernengebiet muss man früh aufstehen. Sehr früh. Das wussten wir eigentlich, aber dass der Ansturm so krass ist, hätte ich nicht erwartet. Wir sprachen es nicht aus, aber es war klar: Der Rossstock ist für heute gestrichen. Zum Glück konnten wir die Wartezeit im improvisierten Stübli bei einer Ovo überbrücken.

Endlich waren wir an der Reihe

In der offenen Vierergondel bewältigten wir die ersten gut 500 Höhenmeter problemlos. Die Aussicht war fantastisch: Die Tannen waren noch frisch verschneit, gegen Westen zu glitzerte der Urnersee im Morgenlicht. Von der Bergstation aus wählte meine Frau den Weg zur Lidernenhütte. Dabei wollten wir doch zum Rossstock! Wir hatten vorher den Weg ungefähr besprochen, da ich eine Gondel später kam. Aber irgendwie hatten wir aneinander vorbeigeredet. Lektion Nummer zwei: Auch wenn man meint, das Gebiet gut zu kennen, sollte man die Karte zu Rate ziehen. Nun denn, wir liessen die Hütte links liegen und stiegen hoch zur Alp «Abedweid».

Die Kinder jammerten bereits, sie seien müde, fluchten. Oje. Eindeutig zu wenig geschlafen. Eigentlich wussten wir das, nun war Krisenmanagement gefragt. Mit kleinen Zwischenzielen versuchten wir sie zu locken. Es half. Einigermassen. Meter für Meter gewannen wir an Höhe. Silvan lief vor mir, ich versprach ihm, dass wir auf der nächsten Ebene eine Pause einlegen werden und dann entscheiden, wie wir weiter gehen.

Blick auf den Vierwaldstättersee, das Mittelland und den Jura.

Blick auf den Vierwaldstättersee, das Mittelland und den Jura.

(Bild: Urs Kyburz)

Doris und ich schauten in die Karte. Gleich oberhalb war ein kleiner Gipfel eingezeichnet, das «Rossstöckli». Das waren nur noch ein paar Höhenmeter. «Schaut Kinder, hier ist ein Gipfel. Bis hierhin, dann fahren wir wieder runter, OK?» Und nun liefen sie wie Maschinen! Alles eine Frage der Motivation. In einer Viertelstunde machten wir die paar Höhenmeter.

Auch von diesem «Gipfeli» hatten wir eine fantastische Aussicht: Der Vierwaldstättersee und der Sempachersee waren auszumachen, die berühmten Berge Pilatus und Rigi, auch ein grosser Teil der Jurakette und des Schwarzwaldes. Vis-à-vis sah man die Bergstationen des Skigebietes Stoos, den Fronalpstock und den Klingenstock.

Die Laune der Kinder war wieder bestens

Wir machten uns bereit für die Abfahrt, verstauten die Felle im Rucksack. Wir waren zwar die einzigen auf dem Gipfel, mussten aber wohl oder übel dem Mainstream folgen. Es läge fantastischer Pulverschnee, der aber von den Massen total verfahren ist. Trotzdem machte die Abfahrt Spass, die beiden sprangen aggressiv in den Hang hinein.

Steil? Was ist steil? Wenn ich unseren Jüngsten jeweils sehe, wie er hinunter fährt, kommt mir immer wieder eine Episode aus den Anfängen in den Sinn: Es ist neblig im Skigebiet Hasliberg, wir fahren einen etwas steileren Hang hinunter. Bis jetzt nahmen wir Silvan immer zwischen die Beine, diesmal nicht. Mitten im Hang schreit er die Mutter an: «Mama, du weisst doch, dass ich Angst habe, wenn es so steil ist!» Und jetzt? Seht selbst:

Unerschrocken stürzt sich unser Jünster ins Abenteuer.

Unerschrocken stürzt sich unser Jünster ins Abenteuer.

(Bild: Urs Kyburz)

Oberhalb der Hütte stellte sich die Frage: Das Retourbillette einlösen oder hinunter fahren? Der Jüngere wollte abfahren, der Ältere nicht, da es einen Gegenanstieg gibt. Erst, als ihm zugesichert wurde, dass ihm jemand die Felle aufzieht, war er auch fürs Abfahren. Wir genossen nochmals Pulverschnee, der allerdings schon etwas schwer war.

Und dann hiess es nochmals Felle montieren. Wir stiegen ein wenig hoch und querten dann den Hang. Wir mussten jedoch einsehen, dass wir besser noch höher steigen, was Fabian einen tiefen Seufzer entlockte. Er war total müde von der kurzen Nacht. Endlich konnten wir die Felle wieder abziehen und verstauen. Ein paar Meter fahren, dann wieder Hang queren.

Doch noch ein Steilhang

Fabian fiel ungewöhnlich oft um, seine Müdigkeit war diesmal nicht gespielt. Irgendwann war er so weit, dass er nur noch heulte. Wir machten eine kurze Pause, ein Traubenzucker sorgte für den nötigen Energieschub. Von da an ging es besser. Wir kamen an einen Steilhang, einen richtigen Steilhang, wohl über 35 Grad. Völlig unbeeindruckt stachen die zwei wieder in den Hang. Wir gemahnten sie zur Vorsicht, denn der Schnee wurde immer schwerer. Wir erreichten den Talboden, wo wir nun im Nassschnee schwammen.

Zwischendurch mussten wir wieder hochtappen, dann wieder im Nassschnee irgendwie an Höhe verlieren, an elegantes Skifahren war nicht mehr zu denken. Endlich erreichten wir definitiv den Talgrund, wo wir es in einer Spur fahren lassen konnten. Gesund und müde erreichten wir das Auto. Auf der Heimfahrt legten wir noch einen Halt ein bei der Tellskapelle, da wir diese noch nie besichtigt hatten. Jetzt hatten wir wieder etwas aufgeholt zu den Japanern und anderen Touristen.

(Bild: Urs Kyburz)

Fazit

Diese Skitour lehrte uns also einiges:

  1. Wenn du ins Lidernen auf Skitour willst, musst du früh aufstehen (aber nicht dann, wenn wir dort hin wollen 🙂
  2. Auch wenn du die Gegend zu kennen glaubst: Schau lieber nochmals in die Karte
  3. Mit Kindern musst du flexibel sein und die Route zwingend den Umständen anpassen. Eigene Ziele haben keinen Platz.
  4. Gehe nur mit ausgeschlafenen Kindern auf Skitour
Am Ende des Tages gaben die Kinder wie üblich ihr Resumé ab. Was kam dabei heraus? Ihnen hat die Skitour gefallen. Also haben wir es nicht verdorben, aber wir haben unsere Lehren gezogen.
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht mit Kinder-Skitouren?

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