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Der Schimbrig als Nebelfänger
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Das heutige Ziel: der Schimbrig. (Bild: uky)

Unterwegs in der Biosphäre Entlebuch Der Schimbrig als Nebelfänger

4 min Lesezeit 04.11.2020, 10:58 Uhr
  • 840 m
  • 840 m
  • 15km
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Am Samstagabend suchten wir noch ein Ziel für den nächsten Tag und kamen auf den Schimbrig in der Biosphäre Entlebuch, einem Berg in den Luzerner Voralpen. Dass der Schimbrig an diesem Tag als Nebelfänger fungieren würde, war nicht vorgesehen, verlieh aber der Exkursion eine besondere Note.

Wir starten unsere Wanderung bereits um halb acht bei Gfellen. Der Himmel ist stahlblau, kein Wölkchen über uns. Wie ich erst jetzt mit Schaudern feststelle, liegt unsere Wanderung an der Glaubenberg-Passstrasse, Lärmbelästigung durch Töffs ist uns also sicher. Noch ist es aber ruhig, wir wandern oberhalb der Grossen Entle über Weiden und durch Wälder bis zum Vordergrund, einer Alphütte.

Dort weist uns der weiss-blaue Wegweiser nach rechts. War der Weg bis jetzt eher gemütlich, geht es nun steil bergan, meist durch den Wald, worüber wir froh sind, denn es ist schon ziemlich warm. Die Luft ist feucht, der Schweiss drückt aus den Poren. Wir kommen nicht so schnell voran, Silvan findet immer wieder Blumen zum Fotografieren. Aber wir haben ja Zeit. In den Lücken im Wald blicken wir immer wieder auf den Glaubenbergpass. Und je höher wir gelangen, desto mehr Berge sehen wir.

Auf dem Gatterweg

Wir erreichen durch ein Gatter eine Schafalp. Es wird an die Hundehalter appelliert, ihre Tiere an der Leine zu führen, denn die Schafherde wird bewacht – nicht von Hunden, sondern von Lamas. Die Alp ist durch Zäune unterteilt, immer wieder passieren wir ein Gatter.

Beim ersten Blick auf die Mittellandseite stellen wir fest, dass sich ein Nebelmeer gebildet hat. Bald erreichen wir die Waldgrenze, steigen hoch zum ersten Gipfel, dem Hängst. Während wir die Innerschweizer und Berner Alpen bestaunen, erhebt sich in unseren Rücken eine Nebelwand.

Auf zum zweiten Gipfel

Man könnte vom Hängst direkt zum Schimbrig rüber, das erfordert aber eine kurze Kletterei abwärts, auf einem sehr schmalen und ausgesetzten Grat. Da die Sicht schlecht und der Boden feucht und rutschig ist, steigen wir auf dem gleichen Weg ab, bis zum weiss-blauen Wegweiser. Ein Pfad führt unaufgeregt auf den Schimbrig.

Sind wir vorher noch fast alleine gewesen, so hat es hier jetzt wesentlich mehr Leute. Der Nebel ist nun noch ausgeprägter. Das Wechselspiel ist spannend, aber die Aussicht ins Mittelland bleibt uns nach wie vor verwehrt.

Am Schimbrig Bad vorbei

Wir steigen nun durch den Wald auf dem Bergwanderweg ab und gehen über die Kuhweide. Wir wählen den weiteren, aber weniger steilen Weg. Unterwegs begegnet uns der Älpler. Er ist zum Plaudern aufgelegt. «So, jetzt muss ich noch die Rindli und Guschti go zählen», verabschiedet er sich dann doch. Der Weg geht nun knieschonend auf einer Alpstrasse weiter.

Wir erreichen das Schimbrig Bad, eine Baracke, die auch ein Restaurant ist. Etwas weiter unten erzählt eine Tafel die Geschichte dazu. 1862 wurde ein mondänes Kurhaus gebaut, das die Schwefelquelle nutzte. Schon 1885 brannte es ab und wurde anschliessend, in den Jahren 1888 und 1889, für noch mehr Gäste wieder aufgebaut. 1933 kommt es jedoch zur zweiten Katastrophe, es brennt wieder ab, wird aber nicht mehr aufgebaut.

Schwefliges Wasser

Dort, wo diese Tafel steht, kann man auch die ergiebigste Schwefelquelle der Schweiz bestaunen. Und riechen. Auf den ersten Blick sieht das Wasser trinkbar aus und man möchte die leere Flasche füllen, wenn einem aber der schweflige Geruch in die Nase steigt, vergeht der Durst sofort wieder. Inzwischen sind wir unter dem Nebel und sehen ins Mittelland, ich kann aber nicht ausmachen, auf welche Ortschaften man blickt.

Bei einer Verzweigung bleiben wir auf der Alpstrasse, anstatt den Wanderweg zu nehmen, denn jene hat ein gleichmässiges Gefälle, was unseren Gelenken entgegenkommt. Die zusätzlichen zwei Kilometer nehmen wir dafür in Kauf. Von der Brücke her ist es nicht mehr weit. Zum Glück verläuft der Weg dem Bach entlang im Wald, weg vom Verkehr. Inzwischen hat das Restaurant am Ausgangspunkt geöffnet. Wie gut, dass wir Durst haben!

Info

Die Tour würde eine schöne Aussicht ins Mittelland bieten, wenn es keine Wolken auf Gipfelhöhe hätte. Aber auch so ist es eine schöne Rundtour. Wählt man den Weg, den wir gegangen sind und startet früh, hält sich der Andrang sehr in Grenzen, auch die Töffs stören noch nicht so.

Weitere Beiträge von Urs Kyburz sind auf seinem Blog www.idnu.ch zu finden.

Start: Gfellen, Entlebuch
Ziel: Gfellen, Entlebuch
Schwierigkeit: T3
Distanz: 15 km
Wanderzeit: 4.5 h
Höhendifferenz: 840 m
Route: Gfellen – Vordergrund – Pt 1476 – Hängst – Schimbriggipfel – Ober Loegg – Schimbrigbad – Flöschen – Gfellen

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