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Auf alten Pfaden zum Tomlishorn
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Zahlreiche Ketten helfen im Aufstieg über den Heitertannliweg.

Auf alten Pfaden zum Tomlishorn

4 min Lesezeit 10.08.2015, 12:14 Uhr
  • 1250 m
  • 200 m
  • 9,2km
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Wenn die Sonne knallt und der Schweiss tropft, ist man auf der schattigen Nordseite des Pilatus gut aufgehoben. Die abweisende Nordflanke bietet indes weit mehr als bloss Schatten, nämlich zahlreiche, spannende Alternativen zum einfachsten Pilatus-Aufstieg über den Gsässweg.

Wenn die Sonne knallt und der Schweiss tropft, ist man auf der schattigen Nordseite des Pilatus gut aufgehoben. Die abweisende Nordflanke bietet indes weit mehr als bloss Schatten, nämlich zahlreiche, spannende Alternativen zum einfachsten Pilatus-Aufstieg über den Gsässweg. So etwa den Heitertannliweg ab der Alp Ober Lauelen und danach den Alten Tomliweg. Letzterer ist der klassische und direkteste Aufstieg zum Tomlishorn und führt spektakulär und stellenweise zünftig ausgesetzt durch dessen Nordwand.

Hände aus den Hosentaschen

Der Ausgangspunkt der Wanderung richtet sich nach der Art der Anreise: Wer mit dem Postauto ins Eigenthal fährt, steigt am besten beim Eigenthalerhof aus und läuft über den Chräigütsch und den Höchberg zur Ober Lauelen. Wer mit dem Auto anreist und in der Gantersei parkt, folgt zunächst dem Rümlig und zweigt vor der Unter Lauelen in Richtung Ober Lauelen ab. Nach dem gemütlichen Einlaufen wird es hinter der Alp stotzig. Der Heitertannliweg wurde 1895 erstmals mit farbigen Stangen markiert und später stellenweise mit Ketten bestückt, die den Aufstieg durch die steile, felsige Schlucht etwas entschärfen. Der Wanderweg ist zwar bloss rot-weiss markiert, doch die Hände lässt man lieber nicht in den Hosentaschen. Der Boden ist eher feucht, Stein und Fels zuweilen speckig, weshalb etwas Trittsicherheit nicht schaden kann.

Auf 1’770 Meter über Meer gabelt sich der Weg: Nach links geht es zur Klimsenkapelle und dem gleichnamigen Horn, nach rechts auf einem langen Höhenweg auf die Oberalp. Dazwischen bietet sich sogleich eine dritte Option an: Vorbei an grasenden Steinböcken führt ein unmarkierter Pfad durch das markante Geröllfeld im Gebiet Chastelen. Die ersten Sonnenstrahlen auf der Nordseite des Pilatus treffen zuerst das Klimsenhorn und den Chastelendossen, derweil der Aufstieg noch eine ganze Weile im Schatten bleibt. Kurz vor dem Chastelendossen schmückt ein kleiner Brunnen den Weg. Ein kleiner Abstecher zum Gipfel lohnt sich: Durchatmen und einen Schluck trinken, bevor es ans Eingemachte geht.

Die Idee einer Umkehr aus Bequemlichkeit setzt ein

Auch aus dieser Perspektive wirkt die Nordwand des Tomlishorns abweisend. Das Einzige, was einen auf den nächsten Schritten zum Wandfuss von einer Umkehr abhält, ist das Wissen darum, dass tatsächlich ein Weg durch diese Wand führt – und dieser gar nicht mal so wahnsinnig schwierig ist. Wer aber bereits auf dem Heitertannliweg an seine Grenzen kommt, dem sei spätestens beim Chastelendossen zur Umkehr geraten.

Der Alte Tomliweg ist nicht zu verfehlen. Nach einem kurzen Aufstieg steht man am Anfang einer langen Querung direkt unterhalb der mächtigen Felswand. Die jeweils nächsten zwanzig Meter schauen machbar aus, was danach kommt eher nicht. Und dieser Eindruck zieht sich durch die ganze Traverse. Ebenso das Staunen darüber, dass man hier einfach durch die Wand steigen kann, ohne am Fels Hand anzulegen. Trittsicher sollte man allerdings sein, denn Ausrutscher auf dem doch recht schmalen, ausgesetzten Weg sind verboten. Entsprechend heikel ist es deshalb, den Alten Tomliweg bei grosser Nässe oder Altschneefeldern zu begehen.

Es ist nun nicht mehr weit

Am Ende der Traverse geht es durch eine Rinne aufwärts. Hier werden nun die Hände gebraucht, sei es auch nur, um sich zur Sicherheit an den nun vorhandenen Fixseilen festzuhalten. Aus der Felswand ragt ein Wasserhahn, kurz darauf hängt eine Gamelle mit dem Routenbuch in der Wand. Bis zum Ausstieg ist es nun nicht mehr weit. Einige Kraxelstellen später strahlt einem die Sonne ins Gesicht. Auf 2’060 Metern über Meer stolpert man in die Südwestflanke des Tomlishorns, blickt zurück in die schattige Tiefe und staunt darüber, wie einfach man durch diese abweisende Wand aufgestiegen ist. Auf dem Verbindungsweg vom Widderfeld läuft man nun in wenigen Minuten zum Tomlishorn und widmet sich bei der aussichtsreichen Rast der Frage, auf welcher der zahlreichen Varianten man wieder in tiefere Gefilde gelangt.

Hinweise: Für den beschriebenen Aufstieg auf das Tomlishorn sind drei bis vier Stunden zu veranschlagen. Er ist nur bei trockenen Bedingungen zu empfehlen. Die Schwierigkeit bewegt sich im höheren T4-Bereich der Schwierigkeitsskala des SAC. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas Erfahrung in steilem, ausgesetztem und felsigem Gelände sowie gutes Schuhmaterial sind unerlässlich. Liegt Schnee, ist von einer Begehung dringend abzuraten. Kartenmaterial: Landeskarte 1’170 Alpnach

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