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Kurze Wanderung übers Hochmoor zum Furggelenstock

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Wanderung über das Untere Furggeli
Mit Gletschersicht: Alpin hoch hinaus im Maderanertal

  • Lesezeit: 6 min
  • 1231 m
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  • 11km
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Blick unterhalb des Unteren Furggeli auf den Stäfelfirn, den Gletscher am Fuss von Höhlenstock und Stäfelstock. (Bild: hch)

Ein steiler Anstieg, Gletscher, etwas kraxeln, ein Bad im Bergsee und traumhafte Rundsicht: Diese im Maderanertal hat vieles zu bieten. Dabei stand ursprünglich eine gemütliche Rundtour zur Windgällenhütte auf dem Plan. Doch die Alternative über das Untere Furggeli war zu verführerisch.

Eigentlich planten wir für diesen Tag eine gemütliche Nachmittagswanderung, abgerundet mit einem erfrischenden Bad im idyllischen Golzernsee. Und verbunden mit einem Test, ob das Personal in der Windgällenhütte auf die Frage nach einer Cola Zero immer noch so harsch reagiert. Doch es sollte ganz anders kommen.

Der Start verlief wie vorgesehen. Während im Zentralschweizer Flachland eine immer dickere Wolkendecke aufzog, strahlte der Himmel im Maderanertal im schönsten Blau. Mit der Golzernbahn schwebten wir die ersten 550 Höhenmeter entspannt in die Höhe. Da die Bahn bei grösserem Andrang durchgehend fährt, kam es nicht zu Wartezeiten, obwohl die Kabine maximal acht Personen aufnimmt. Wer seine Wanderstöcke vergessen hat, kann sich an der Talstation für fünf Franken einen handgeschnitzten Haselstock erstehen – wir sollten an diesem Tag noch dankbar sein für Gehhilfen.

Vom Start geht’s steil hinauf

Kaum zweihundert Meter nach der Bergstation führt der Weg stotzig den Hügel in Richtung Oberchäseren hinauf. Mit zunehmender Höhe gewinnt das Panorama; immer mehr Schnee und Eis sind auf den umliegenden Bergen zu entdecken.

Gegen eine Erfrischung hätten wir zu diesem Zeitpunkt wenig einzuwenden, die erste Etappe mit ihren wiederum 550 Höhenmetern ist doch eine ziemlich schweisstreibende Angelegenheit. Gnädigerweise liegt der letzte Abschnitt im kühleren Schatten. Angetrieben vom hysterischen Pfeifen einer Murmeltierfamilie kommen wir nach einer Stunde auf der Alp an und geniessen den Ausblick auf die mächtigen Windgällen und das Schwarz Stöckli.

Spurensuche wegen Steinmännchen

Der steile Anstieg hat eben doch sein Gutes: Die würde nun fast eben zur Windgällenhütte führen, die von Oberchäseren in einer knappen Stunde gemütlich erreichbar wäre. Wäre da nicht die Zusatzschlaufe über das Unter Furggeli, die auf der Wanderkarte der Bergbahn ebenfalls eingezeichnet ist und als blau-weiss markierter Weg etwas Abenteuer verspricht. Laut einem Urner, der mit seinem Sohn vom Chli Windgällen absteigt, sei der Weg gut machbar. Und auch die Online-Recherche, die wir bei kurzzeitigem Handy-Empfang machen, schreibt von einem gut machbaren T4 – da nimmt man die zusätzlichen 90 Gehminuten gerne in Kauf.

Der Weg zum Furggeli führt erst gemütlich ansteigend über die Ebene, bevor es wieder steiler in die geht. Bis zur Alp Oberchäseren ist es ein Bergweg, danach wird die Landschaft zunehmend karger und felsiger – und stiller. Kein Laut dringt hier oben zu uns, es ist wieder fast wie zu Beginn der Corona-Zeit. Obwohl der Weg gut markiert ist, verlieren wir ihn in der Ebene vor dem Übergang ins Nachbartal – die Steinmännchen führten uns hoch über das Karstgestein und in die Irre. Nach etwa 20 Minuten Suchzeit finden wir einige verlassene Biwaks, kurz darauf sind wir auch schon wieder auf dem Weg.

Reste des Erzabbaus auf 2’400 Metern

Hier gilt es einen Schutthaufen zu überqueren. Dabei dürfte es sich um abgesprengte Felsmassen handeln, die vom früheren Erzabbau Ende des 17. Jahrhunderts übrig geblieben sind. Nach dem Wegsprengen fielen die Gesteinsbrocken über eine senkrechte Felswand, an dessen Fuss man sie sortierte.

Die verschiedenfarbigen, satten Gesteinsmassen fallen zwar auf, wir konzentrieren uns aber auf den Aufstieg zum Furggeli. Dieser ist die letzten Meter mit einem Fixseil gesichert, sodass noch etwas Bergsteigerfeeling aufkommt. Oben eröffnet sich eine grandiose Sicht auf den gegenüber liegenden Stäfelfirn, den Gletscher zwischen Stäfelstock, Höhlenstock und Gross Windgällen. Leider wird die Rundsicht immer wieder durch aufkommende Wolken getrübt.

An Seilen über das Untere Furggeli

Auf der anderen Seite des Furggeli geht es die ersten 30 Meter noch einmal etwas steiler den Berg hinunter. Die Rinne ist wiederum mit Draht- und Nylonseilen gesichert. Gutes Schuhwerk und Wanderstöcke reichen bei trockenem Wetter, um den Weg sicher bewältigen zu können. Über lose Steinplatten und Blockschutt geht es nun rasch in Richtung Gletschermoräne. Aus riesigen Kothaufen einer Lamaherde, die jeweils im Sommer einige Wochen rund um die Windgällenhütte verbringen, wachsen erste Grünpflanzen, etwas weiter unten kommen wir an einem Klettergarten vorbei.

Windgällenhütte besteht Test

Die Windgällenhütte hatte ich bis zu diesem Besuch nicht unbedingt in bester Erinnerung. Beim ersten Besuch vor bald 15 Jahren erntete ich mit meinem Wunsch nach einer Cola Zero noch entsetztes Unverständnis. In der Zwischenzeit ist offenbar auch der Akademische Alpenklub Zürich, der die Hütte führt, in der Neuzeit angekommen. Statt knurrig wie vom damaligen Hüttenchef wird man freundlich begrüsst, das Angebot umfasst unter anderem frische Kuchen und vielfältige, auch lokale Getränke. Für Sportliche steht ein Volleyballnetz auf der Gletschermoräne, ausserdem ist es wohl die einzige Hütte der Schweiz mit einem Sup hinter dem Gebäude.

Für den Abstieg bis zur Bergstation könnte man den 90-minütigen Weg über Oberchäseren nehmen, den wir eigentlich als Hinweg geplant hatten. Wir entscheiden uns stattdessen für die fünf Minuten kürzere Strecke, die über den Golzerensee führt.

Sehnsuchtsort im Katastrophendorf

Erst geht es auf einem schön präparierten Bergweg mit unzähligen Stufen über offenes Gelände, danach über Wurzeln durch einen lichten Wald. Da die Bergbahn bis 20 Uhr fährt, reicht es am Seeende gar noch für ein erfrischendes Bad. Die vielen Feuerstellen und Sitzbänke zeugen vom beliebten Ausflugsziel, an dem am frühen Abend aber schon wieder Stille eingekehrt ist.

Zurück zur Bahn geht es nun durch das hübsche, ganzjährig bewohnte Bergdorf mit zwei Restaurants, in denen übernachtet werden kann. Entlang des gekiesten Wegs sind immer wieder Lawinenfluchtnischen zu sehen. Eine Vorsichtsmassnahme nach dem Lawinenwinter 1999 mit einem Toten, als in Golzern ein Wohnhaus auseinandergerissen und die Bergbahn beschädigt worden war. Glücklicherweise war die Bahn repariert worden, sodass wir entspannt ins Tal zurückschwebten.

Distanz: 11 km
Wanderzeit: 5.15 Stunden
Höhendifferenz: 1’231 Meter auf- und abwärts
Min./max. Höhe: 1’393/2’487 m ü. Meer
Route: Golzern Bergstation 1’393 m ü. Meer – Oberchäseren 1’924 – Oberchäserenälpli 2’230 – Unteres Furggeli 2’487 – Schissenegg 1’879 – Trätter 1’510 – Golzerensee 1’411 – Golzern Bergstation.
Variante: Ab Oberchäseren über Ärggelegg und Bernetsmatt zur Windgällenhütte. Die Tour verkürzt sich so auf rund 4 Stunden und verläuft komplett auf Bergwegen.
Anreise: Mit dem Auto bis Bristen KW, Talstation Golzern-Bahn (15 Franken / Person retour, keine Vergünstigungen). Es stehen 450 Parkplätze zur Verfügung. Noch bis Oktober ist die Strasse zeitweise gesperrt, Infos dazu hier.
Mit den SBB bis Erstfeld, danach mit dem Bus (Auto AG ) bis Amsteg Post, dann umsteigen ins Postauto bis Bristen, Talstation Seilbahn Golzern.

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