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Erlebnisreiche Rundtour in der Obwaldner Bergwelt Abenteuerlich über den Grat und das Mändli zur Höch Gumme

20.08.2021, 11:02 Uhr 5 min Lesezeit
  • 850 m
  • 850 m
  • 11,3km
  • Dauer:
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  • Technik:
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Abenteuerlich über den Grat und das Mändli zur Höch Gumme
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Gipfelkreuz auf dem Mändli mit den vier Elementen und dem Luftloch im Holzstück. (Bild: hch)

Das Mändli im Sarnertal ist nicht zuletzt bei Skitourengängern beliebt. Doch auch im Sommer hat die Gegend zwischen Lungern und Mörlialp viel zu bieten. Dies zeigte sich auf einer erlebnisreichen Gratwanderung mit grossartiger Panoramasicht. Einzig verschiedene Sponsoringbemühungen scheinen hier nicht so ganz zur intakten Bergwelt zu passen.

Zu meinem Glück ist die Seilbahn von Lungern nach Turren seit 2016 wieder in Betrieb und bringt die Wanderer und Biker in kurzer Zeit hoch auf 1530 m ü. M. Etwas verloren stehe ich bei der Bergstation und versuche, mich mittels Karte zu orientieren. Tatsächlich steht der Hauptwegweiser erst etwas weiter unten, an den ausgestellten Gondeln der im Jahr 2013 stillgelegten Bahn. Es sollte glücklicherweise das letzte Mal an diesem Tag sein, an dem ich etwas ratlos in der Gegend stand.

Die Fahrstrasse führt nun erst einmal bergab bis Dundel, eine Ansammlung von Alpgebäuden, bevor es stetig ansteigend zur Dundelegg weitergeht. Oben auf dem Berg zeigen gleich drei markante Strommasten die Richtung. Bis hier gehört der wenig attraktive Weg zum Schmetterlingspfad – einer von vielen Themenwegen, die in Lungern Schönbüel zu finden sind.

Picknick statt Älplermagronen?

Doch die Viertelstunde auf der Fahrstrasse ist rasch vergessen, denn die nächsten Stunden bieten dem Wanderer ein eindrückliches Bergpanorama. Oder böten, denn an diesem Tag will die Aussicht erduldet sein, immer wieder trüben Wolkenschwaden in den ersten Stunden die Sicht. Auf einem Bergweg geht es von der Alp Dundelegg nun erst einmal hoch zur Rückenegg. Hier könnte man zur Mörlialp absteigen. Mein Weg führt auf dem Gratweg in Richtung Rothorn jedoch steil bergauf, dafür geht es auf grasigem Untergrund weiter.

Der Gratweg führt von der Dundelegg über die Rückenegg zum Mändli.

Weshalb dieser Abschnitt Älplermagronenweg heisst, erschliesst sich mir allerdings nicht. Ausser einer durch eine Kernser Teigwarenfabrik gesponserten Tafel deutet jedenfalls nichts darauf hin und auch die Wegzehrung muss man im Rucksack selber mitbringen. Eigentlich schade, so ein Teller frische Pasta wäre hier auf knapp 1800 Meter über Meer eine deutlich bessere Werbung gewesen als eine schicke Blechtafel.

Die halbe Schweiz im Blick

So gibt es oben auf dem Mandli halt ein kaltes Picknick. Das etwas unförmig erscheinende Gipfelkreuz soll die Grundelemente Erde, Wasser und Eisen symbolisieren. Für das vierte hat man im Baujahr 2003 – das Kreuz sieht deutlich älter aus, als es tatsächlich ist – ein Loch in eine Holzscheibe gebohrt, um die Luft durchzulassen. Mindestens ebenso spannend ist hier die Aussicht, immer wieder schweift das Auge in Richtung Pilatus, zum Titlis oder über die Frutt und die Schrattenfluh bis zu den Berner Alpen.

Gut gesättigt geht es auf dem Grat mit einem kleinen Zwischenanstieg runter bis Biet. Hier wartet eine etwa vier Meter hohe Steinskulptur. Warum die Steinfrau, wie diese Skulptur genannt wird, auf ihrem Kopf einen Sockel mit einer metallenen Kantonalbank-Fahne trägt, ist wohl ein weiteres Marketingrätsel. Ein Bancomat jedenfalls lässt sich hier nicht entdecken, würde aber auch wenig Sinn machen.

Erste Beiz verpasst

Nun steht man vor der Wahl: Reicht die Energie noch für die 150 Höhenmeter auf die Höch Gumme oder nimmt man hier den direkten Weg in Richtung Schönbüel? Obwohl die kürzere Variante zugleich den Vorteil einer Bergbeiz hätte – oder eines «Bärghuis», wie es hier so schön heisst, entscheide ich mich für die längere Variante. Glücklicherweise, müsste man anfügen. Denn einerseits wird der kurze Abstecher in den Kanton Bern mit einer grandiosen Aussicht auf den Brienzersee und die Berner Viertausender belohnt.

Aussicht von der Höch Gumme auf den Brienzersee.

Andererseits hätte ich mich um einen abenteuerlichen Abstieg gebracht. Geht es erst auf dem Bergrücken einen schönen, aber unmarkierten Pfad entlang, endet dieser bald einmal über einer Bruchsteinplatte. Zwar ist der direkte Abstieg machbar, weniger geübten Wanderern sei aber der Umweg auf dem markierten Pfad in Richtung Schönbüel empfohlen.

Ungewöhnlicher Kuhaltar

Nach einer kurzen Rast an der überraschend gut ausgebauten Brätlistelle Gibel – auch hier könnte man noch einmal in Richtung Sörenberg/Rothorn abzweigen – folgt ein aussichtsreicher und gut gesicherter Abstieg über die Scheidegg bis zum Tüfengrat. Über die Üsseri Alp, wo einige neugierige Alpschweine auf einer betonierten Fläche ein doch eher tristes Dasein führen, geht es weiter nach Breitenfeld.

Nicht alltäglich: Ein Kuhaltar in der Marienkapelle beim Breitenfeld.

Zahlreiche Alphütten stehen hier rund um die Kapelle Maria zum Schnee, die einst zur Abwendung von Viehseuchen erbaut wurde, nachdem Anfang des 17. Jahrhunderts mehr als hundert Kühe verendet waren. Davon zeugt bis heute ein Kuhaltar im Innenraum. Dieser scheint ganz gut gewirkt zu haben, denn beinahe die gesamte Wanderung wird immer wieder von Kuhgebimmel begleitet.

Ab Breitfeld führt der Weg nun noch ein paar Minuten über Asphalt, bevor er etwas versteckt nach links über die Wiese abzweigt. Über Stock und Stein und durch etwas Wald geht es nun bergab zurück zum Ausgangspunkt. Kurz vor der Bergstation erwartet die Wanderer im Restaurant Turren noch einmal eine Gelegenheit für einen kalten Most oder ein Zvieriplättli auf der Terrasse, bevor es mit der Bahn im 20-Minuten-Takt nach unten geht.

Kleiner Tipp am Rand: Weite Teile des Weges führen auf einem gut einsehbaren Grat entlang. Es lohnt sich daher, die wenigen WC-Stopps unterwegs wahrzunehmen.

Distanz: 11,3 km
Wanderzeit: 4.15 Stunden
Höhendifferenz: 850 m aufwärts, 850 m abwärts
Min./Max. Höhe: 1452/2205 m über Meer

Route: Turren 1562 – Dundel 1452 – Dundelegg 1726 – Rückenegg 1949 – Mändli 2055 – Biet 2067 – Arnifirst 2154 – Höch Gumme 2205 – Gibel 2019 – Teiffengrad/Tüfengrat 1858 – Breitenfeld 1763 – Turren

Anreise: Mit dem Auto auf der A8 Richtung Interlaken, Ausfahrt Lungern bis zur Talstation Turren. ÖV: mit der Zentralbahn bis Bahnhof Lungern. Der Fussweg bis zur Gondel dauert 15–20 Minuten. Bei der Talstation (041 679 01 11) kann ein Shuttlebus bestellt werden.

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