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Armes Sion
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Gähnende Leere: Ein emotionsgeladener Gästeblock sieht anders aus. (Bild: fcl.fan-fotos.ch)

Armes Sion

3 min Lesezeit 06.08.2013, 07:00 Uhr

Tschutti Heftli erklärt, was Christian Constantin vom ehemaligen FCL-Präsident Walter Stierli betreffend Umgang mit Fans lernen könnte.

Es war ein trauriges kleines Häufchen von Sion-Fans, die am Sonntag den Weg vom Wallis in die Allmend antraten. Geschätzte 50 Anhänger erlebten eine weitere Niederlage ihres Lieblingsvereins, eine weitere Schmach für das geschundene Fanherz. Das 0:1 war die dritte Niederlage in dieser frischen Saison. Neben der sportlichen Misere belastet den Verein zurzeit vor allem ein Zwist neben dem grünen Rasen, der hauptverantwortlich dafür ist, dass nur noch wenige Sion-Fans ihre Mannschaft unterstützen.

Viele Anhänger des Vereins stellen sich gegen den Club, boykottieren die Spiele und fordern umfassende Änderungen im Club. Im Blickpunkt: Präsident Christian Constatin. Dieser brachte Ende Mai mit der scheinbar willkürlichen Degradierung von Spielern und Trainer das Fass zum Überlaufen. Langjährige Fans sind die Eskapaden des Vereinspräsidenten leid. Trotzdem kam es zu einem Klärungsgespräch zwischen Fanvertretungen und der Vereinsführung. Das Resultat entsprach aber bei weitem nicht den Erwartungen der Fans. Constantin zeigte wenig Einsicht betreffend seines Verhaltens und meinte offenbar, dass es ihm egal sei, ob 10’000 oder nur 1 Zuschauer das Spiel im Stadion verfolge. Harter Tubak für jeden Fan.

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Sollte Herr Constatin diese Aussage wirklich so gemacht haben, begeht er einen folgenschweren Überlegungsfehler, den schon andere Fussballpräsidenten in der Schweiz vor ihm gemacht haben. Wir erinnern uns an die Saison 2011/2012, als der damalige FCL-Präsident Walter Stierli den Fans aufgrund verschiedener Pyro-Aktionen die Stehplätze in der swissporarena streichen wollte. Die Fans reagierten mit einem Boykott, was Stierli zu einer Constantin-ähnlichen Aussage hinreissen liess, «dass man auf diese Fans nicht angewiesen sei und man diese Fans halt austauschen werde». Die darauffolgenden Wochen hatten gezeigt, dass dies eine falsche Einschätzung war. Der Verein suchte den Dialog mit den Fans um die unhaltbare Situation im Stadion zu beenden. Denn eines wurde bei den boykottierten Spielen klar: Kein Fussballerlebnis ohne Stimmung in der Kurve.

Christian Constatin wird hoffentlich wie Walter Stierli erkennen, dass die floskelmässige Aussage «Die Fans sind die Seele eines Vereins» halt doch zutrifft. Um das Produkt Fussball verkaufen zu können, braucht es eine gute Stimmung im Stadion. Diese wird nicht von der Haupttribüne oder gar den Logenplätzen ins Stadioninnere getragen, sondern von den einfachen Stehplätzen hinter den Toren. Der Fall in Luzern hat aufgezeigt, dass ein unfaires Verhalten gegen die Fans eine riesen Sympathiewelle auslöst und sich viele Leute im und ums Stadion mit ihnen solidarisieren. Für den Verein heisst das, dass man mit den Fans auf Augenhöhe diskutiert und ihre Anliegen ernst nimmt. Ein offener Dialog heisst ja nicht, dass der Verein sich von den Fans auf der Nase herumtanzen lässt. Das Stadion ist und bleibt kein rechtsfreier Raum und die Regeln werden noch immer vom Verein gemacht.

Dass ein Austausch zwischen Fans und Verein indes nicht immer einfach ist, weiss man. Zum Teil prallen völlig unterschiedliche Welten aufeinander, völlig andere Ansichten und völlig andere Kulturen. Diese Gegensätze gilt es auszuhalten und zwar auf beiden Seiten. Für den Verein muss aber auch ganz klar sein: Die Fans sind zwar die Seele des Vereins, aber sie sind nicht Bestandteil des Vereins. Das heisst, dass man auf den Stadionbesuch der Fans, auf ihre Stimmung, auf ihre Lieder und auf ihre Choreographien angewiesen ist, dass die Fans aber nicht Angestellte des Vereins sind, denen man direktiv Anweisungen geben kann. So schön die Stimmung bei Erfolg und Siegen ist, so mühsam kann das Fanverhalten bei Unzufriedenheit sein.

Christian Constantin und dem FC Sion ist zu wünschen, dass sie die Wichtigkeit der Fans erkennen und zusammen mit ihnen Lösungen in diesem Streit finden. Es wäre zu schade, wenn die emotionalen Besuche im altehrwürdigen Tourbillon auch weiterhin von einer trostlosen Stimmung begleitet würden.

 

Oliver Wehrli

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