Wo auch das Mentaltraining an seine Grenzen stösst
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Aus Niederlagen können wichtige Informationen für zukünftige Siege gewonnen werden. (Bild: Pixabay)

Nicht immer lassen sich Niederlagen einfach wegstecken Wo auch das Mentaltraining an seine Grenzen stösst

3 min Lesezeit 09.06.2020, 10:53 Uhr

Niederlagen gehören genauso zum Spitzensport wie glamouröse Siege. Doch einen besonderen Wettkampf konnte Selina Witschonke bis heute nicht verarbeiten. Auch vier Monate nach dem erwarteten Höhepunkt reagiert die Sempacher Curlerin mit Wut auf sich selbst und schlaflosen Nächten.

Schon oft wurde mir im Mentaltraining mitgegeben, aus Niederlagen zu lernen und dann mit den negativen Gedanken abzuschliessen. Ich merke auch, wie ich immer etwas besser werde im Überwinden negativer Gedanken, die mich hindern, mein Bestes zu geben. Doch einen Wettkampf habe ich bis heute noch nicht annähernd abschliessen und akzeptieren können.

Sportler, die jahrelang trainieren und sich optimal auf grosse Anlässe vorzubereiten versuchen, wollen, dass ihr Wunsch nach einem Sieg an einer Europameisterschaft, Weltmeisterschaft oder an den olympischen Spielen in Erfüllung geht. Nach unserem Schweizermeister-Titel im Jahr 2019 durfte ich zum fünften Mal an der Junioren-Weltmeisterschaft teilnehmen. Trotz viel Zuversicht, dass wir gute Chancen auf eine Medaille haben würden, schlossen wir die Weltmeisterschaft auf dem fünften Rang ab, was ich bis heute nicht akzeptieren möchte.

Die grosse Enttäuschung

Aufgrund unserer gesammelten Erfahrung an Grossanlässen, durch unser hartes Training und die grosse Freude, an dieser WM die Schweiz vertreten zu können, war ich sehr optimistisch, dass die Woche in Krasnoyarsk erfolgreich ausfallen würde. Doch leider kam es anders als erhofft.

Spiele, die wir gewinnen sollten, haben wir verloren. Spiele, die wir eher klar gewinnen sollten, haben wir zum Teil nur ganz knapp gewonnen. Dies zeigt auf, dass wir nicht alle unsere Fähigkeiten abrufen konnten. Ich habe mich zu stark von kleinen Fehlern verunsichern lassen.

Ich habe einfach funktioniert

Wenn ich zurückdenke, wird mir bewusst, wie ich während des Events neben mir stand. Ich würde sogar behaupten, ich habe eine Woche lang einfach funktioniert, ohne es wirklich wahrgenommen zu haben.

Dessen bin ich mir bewusst geworden, als ich feststellen musste, dass mich diese misslungene Weltmeisterschaft im Nachhinein extrem viel mehr beschäftigt als noch vor Ort. Natürlich war ich nach dem Ausscheiden für die Halbfinals sehr enttäuscht, doch jetzt, nach fast vier Monaten, geht es mir fast schlechter als noch in Krasnoyarsk selber. Ich habe mich das erste und hoffentlich auch das letzte Mal so unbewusst leer an einem solchen Wettkampf gefühlt.

Mithilfe von Zeit und Mentaltraining abschliessen

Mein Können voll auszuschöpfen, die Niederlagen nach kurzer Aufregung hinter mir zu lassen und die Nervosität in Grenzen halten zu können ist mir nicht gelungen. Wut über mich selbst schafft mir heute noch schlaflose Nächte und gereizte Antworten, wenn ich auf diesen Event angesprochen werde. Ich werde noch mehrere Mentaltrainings benötigen, um mit dieser Weltmeisterschaft endgültig abschliessen zu können.

Ich hoffe, dass ich so bald wie möglich die positiven Punkte dieser Weltmeisterschaft erkennen kann und sie mich für meine Zukunft als Sportlerin weiterbringen werden. Ich werde alles dafür tun, dass ich einen solchen Event nicht nochmals in dieser Art erleben werde.

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