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Wieso Insta-Posts von Sportlern nur die halbe Wahrheit zeigen
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Damit man ans Limit gehen kann, braucht es auch langweiligere Trainings. (Bild: Linus Bolzern)

Auch das «aufregende» Leben hat seine öden Seiten Wieso Insta-Posts von Sportlern nur die halbe Wahrheit zeigen

3 min Lesezeit 04.02.2020, 13:55 Uhr

Zweieinhalb Stunden Hanteln heben oder 90 Minuten alleine joggen ohne Musik und Unterhaltung: Macht das Spass? Ist das nicht langweilig? Nun ja, doch. Und trotzdem ist es mein Alltag. Tue ich das Falsche in meinem Leben?

Wer mein Instagram-Profil besucht, findet dort etliche Posts über Dinge, die ich erlebt habe. Da ist ein Video vom Paddeln im sonnigen Florida oder ich auf dem gefrorenen See vor der sonnengetränkten Berglandschaft des Engadins oder das Bild, wie Maurus Pfalzgraf und ich uns nach dem Zieleinlauf an der WM erleichtert ein «High-Five» geben.

Happy Life. Ja das stimmt – doch nur eingeschränkt.

Sport langweilt manchmal auch

Wie die meisten Menschen gebe ich auf dem Internet nur zur Schau, was spannend ist und mich in einem besseren Licht erscheinen lässt. Doch wie die meisten Menschen erlebe ich nicht nur spannende Dinge. Oft ist mein Leben auch ziemlich öde.

Sechs Tage in der Woche zu trainieren – meistens entweder Paddeln, Krafttraining oder Laufen – macht zwar Spass, geht einem aber irgendwann auch auf den Geist. Auf dem Wasser kennt man nach einiger Zeit jede Bucht, beim Joggen irgendwann jeden Anstieg und im Kraftraum ist sowieso alles wie immer. Sport ist Fleissarbeit und Fleiss ist nach Duden ein strebsames unermüdliches Arbeiten. Dass Fleiss Spass macht, gehört nicht dazu.

Wenn das Training zur Routine wird

Für manche gehört es wahrscheinlich nicht zum Traumberuf, an die Grenzen seines Körpers zu gehen und sich alles abzuverlangen. Ich finde das toll. Doch das gibt es im Sportlerleben nicht jeden Tag. Im Winter steht bei uns Kanuten vor allem Ausdauertraining auf dem Plan. Langes zähes Training statt knackige Sprints. Wo der Körper von der Anstrengung her erst nach einer Stunde oder mehr ermüdet. Wenige Einheiten, bei denen man mal Vollgas gibt. Für mich ist jener Teil das eher Unattraktive am Sportlerleben – und nicht, wenn meine Lunge brennt und meine Finger das Paddel vor lauter Anstrengung beinahe nicht mehr halten können.

Nicht immer sieht das Sportlerleben so toll aus wie hier:

Und doch habe ich mich für diesen Weg als Sportler entschieden. Wahrscheinlich gerade, weil ich diese Herausforderung suche und gerne fleissig bin. Natürlich gehören die auf Instagram geteilten Momente zu denen, an welchen ich am meisten Freude habe. Und natürlich passieren die lustigsten Erinnerungen nicht beim Kanufahren, sondern beim Teamausflug am Ruhetag oder im Ausgang.

Doch das Paddeln bietet mir genauso viel. Ich lerne mich selbst besser kennen und gewöhne mir an, nicht gleich beim ersten Hindernis aufzugeben. Und das wiederum hilft mir auch sonst im Leben. Etwas nur nicht zu tun, weil es vielleicht langweilig oder keinen Instapost wert ist, kommt für mich immer weniger in Frage.

Mit Disziplin zum Ziel

Man könnte sich fragen, wieso wir die langweiligen Trainings überhaupt machen. Nun ja, die gehören einfach dazu, wenn man schneller werden will. Wer eine schlechte Ausdauer hat, dessen Körper erträgt die harten (spannenden) Trainings im Sommer weniger gut. Im Winter denke ich deshalb immer daran, für was ich das überhaupt tue – das hilft.

Wenn ich mich zudem bei jedem langweiligen Training ein wenig fordere, zum Beispiel eine Kraftübung mal etwas anders ausführe als üblich, ist das Ganze schon halb so schlimm.

Zwei Dinge, die ich also vom Sport mitnehmen werde: Wenn ich einen Grund für eine Sache habe und ich mich dabei noch etwas fordern kann, kann ich mein Ziel erreichen – auch wenn es langweilig oder öde ist.

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