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Wie mich Uni-Prüfungen fast die WM-Medaille kosteten
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Selina Witschonke mit ihren Eltern. (Bild: zvg)

Curlerin Selina Witschonke: Entscheid für den Sport Wie mich Uni-Prüfungen fast die WM-Medaille kosteten

4 min Lesezeit 17.09.2019, 11:01 Uhr

Die Sempacher Curlerin Selina Witschonke liebt ihren Sport, hat aber auch ein anspruchsvolles Studium gewählt. Eine misslungene Prüfung führte beinahe zum Verlust einer Medaille an der Nachwuchs-WM – und hatte danach Folgen für ihre Laufbahn.

Nebst dem Sport ist immer auch die Ausbildung ein Thema. Im letzten Jahr begann ich mit meinem Studium an der Université de Lausanne. Ich muss zugeben, dass es in diesem Jahr viele schöne, aber auch mehrere schwierige Momente gab.

Ich wählte die Studienrichtung Sciences Criminelles. Obwohl mich das Studium sehr interessierte, war der Entscheid, diesen Weg einzuschlagen, nicht ganz einfach. Mir war bewusst, dass ich ausziehen musste und in einer fremden Stadt mit einer anderen Sprache leben werde. Auf der einen Seite sehr aufregend, jedoch musste ich mich noch sehr an die neuen Umstände gewöhnen.

Neue Aufgaben im Alltag

Eine eigene Wohnung respektive ein eigenes Studio zu haben, bedeutete viel Freiheit. Gleichzeitig musste ich aber auch an sehr vieles denken, was mir zu Hause bei meinen Eltern nicht wirklich bewusst war. Bereits das Abwaschen, die Wohnung zu putzen oder das Essen einzukaufen war neu.

An alle diese Punkte musste ich mich nebst dem Studium und dem Training erst einmal gewöhnen.

Das Französisch gefällt mir sehr gut, so war ich auch sehr positiv eingestellt, um diese Sprache besser zu lernen, bis sie zur Normalität wurde. Dennoch musste ich mich am Anfang stark überwinden, dass ich mit fremden Leuten ins Gespräch gekommen bin.

Vor allem aus der Furcht, dass ich sie nicht verstehen könnte oder ich ihnen nicht mitteilen kann, was ich sagen möchte. Dies, weil ich mich in der Sprache einfach noch zu unsicher fühlte.

Viele verpasste Vorlesungen

Zum Teil bereute ich den Entscheid, die Herausforderung Lausanne auf mich genommen zu haben. Aufgrund der vielen Absenzen begleitete mich immer wieder die Angst, ich könnte das Studium nicht bestehen. Ich habe viele Vorlesungen verpasst, weil ich im Training war oder an Turnieren teilnahm.

Ich musste mich einfach viel mehr engagieren und organisieren, als noch während der Zeit des Gymnasiums. Eine gute Zeitplanung für das Studium und den Sport war also ein Muss.

Als ich mich zwischendurch in Lausanne alleine und unwohl gefühlt habe, gab mir der Sport extrem viel Kraft. Die Zeit mit meinem Team zu verbringen, war für mich immer wieder eine neue Motivation, für das zu kämpfen, was ich mir vorgenommen habe. Sei es im Sport oder aber in der Ausbildung.

Grosser Entscheid für meine Zukunft

Den schwierigsten Moment bisher erlebte ich im vergangenen Februar, als ich an der Curling-Junioren-Weltmeisterschaft in Kanada spielte. Die ersten Spieltage liefen für uns ausgezeichnet, so konnten wir alle fünf Spiele für uns entscheiden. Die Stimmung im Team war gut und die Konzentration für die kommenden Spiele vollkommen da. Plötzlich wurden meine guten Gefühle durcheinandergewirbelt und ich musste mit mir selber kämpfen.

Der Grund waren die erhaltenen Noten meiner Uni-Prüfungen. Fazit: Bei beiden Prüfungen durchgefallen. Von da an drehten sich meine Gedanken nur noch um das Studium. Wie soll es nun weitergehen? Woran hat es gelegen? Meine Gefühle waren Traurigkeit, Enttäuschung und Unsicherheit.

Unterstützung der Eltern

Ich war sehr froh, dass meine Eltern auch vor Ort waren. So konnten sie mich relativ gut beruhigen und neu auf das Wesentliche fokussieren. Im Nachhinein war ich extrem froh, dass sie mir in diesem Moment vor allem einredeten, dass in den nächsten Tagen nur das Curling wichtig sei.

Egal, wie die Resultate meiner Prüfungen ausgefallen waren. Um in Kanada an der WM eine Medaille zu holen, habe ich sehr hart gearbeitet. Damit wir dieses Ziel erreichen konnten, mussten die negativen Gedanken ausgeschaltet werden.

Volle Konzentration auf das Ziel WM-Medaille

Nur dank meinen Eltern habe ich es geschafft, die schlechten Ergebnisse so gut wie möglich zu vergessen und mich auf das momentan Wichtige, das Curling, zu konzentrieren. Schlussendlich konnten wir mit grosser Freude die Bronze-Medaille gewinnen.

Ich bin aber überzeugt, dass ich dies ohne sie nicht geschafft hätte. Ohne mentale Unterstützung wäre ich nicht imstande gewesen, mein Können auf dem Eis abzurufen und die Ruhe zu bewahren.

Entscheid für den Sport

Nach der WM war dann die Zeit gekommen, mich mit dem misslungenen Studium auseinanderzusetzen. Schlussendlich habe ich mich entschieden, das Studium abzubrechen und mich neu zu orientieren.

Das Curling hat mir schon immer viel Spass gemacht. Doch das vergangene Jahr hat mir nochmals bestätigt, dass es die richtige Entscheidung ist, mich noch mehr auf den Sport zu konzentrieren und Vollgas zu geben. Bis heute bin ich überzeugt, dass es richtig war, das Studium abzubrechen.

Die schlechten, oder besser gesagt, die schwierigen Momente, welche mich forderten und zeitweise überforderten, haben mich gestärkt und zu einer grossen Erkenntnis in meinem Leben gebracht.

Die Erkenntnis, dass für mich der Sport und vor allem die Familie das Wichtigste in meinem Leben sind.

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