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Was Name und Outfit des Athleten mit seiner Note zu tun haben
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Snowboard World Series in Laax (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Dario Burch über das Bewerten der Judges im Snowboard-Sport Was Name und Outfit des Athleten mit seiner Note zu tun haben

4 min Lesezeit 27.01.2018, 14:00 Uhr

Dario Burch ist Profisnowboarder und erklärt, wie die Punkte im Frestyle-Snowboarden zusammenkommen und auf was es ankommt, um schlussendlich im Ranking möglichst weit vorne zu landen.

Bei Sportarten, in denen die gezeigte Leistung von Menschen bewertet wird, sind gewisse Entscheidungen dieser Punkterichter manchmal schwer nachzuvollziehen. Einmal wird man positiv überrascht und die Punkte fallen höher aus als gedacht, ein anderes Mal wird man negativ überrascht, mit dem Gefühl, dass die Leistung eine bessere Bewertung verdient hätte. In diesen Sportarten wird man subjektiv von Punkterichtern bewertet. Klar gibt es Richtlinien zur Bewertung, die Entscheidung liegt schlussendlich jedoch immer bei den Judges. Genau so läuft dies auch beim Freestyle-Snowboarden.

Das Bewertungssystem

Im Normalfall besteht das Judging-Panel, die Gruppe der Judges, aus ungefähr sechs Judges (Punkterichter) und einem Head Judge. Der Head Judge koordiniert das Ganze und behält alles im Überblick. Diese Judges beurteilen gezeigte Leistungen anhand von vorgegebenen Judging-Kriterien (Beurteilungs-Kriterien). Diese bestehen meistens aus Schwierigkeitsgrad, Höhe, Ausführung, Style, Landung und Flow. Zusammengesetzt entsteht so die schlussendliche Punktzahl. Das Bewertungssystem hängt ein bisschen von Wettkampf und Disziplin ab. Manchmal wird einem oder zwei Judges je ein Kriterium zugewiesen, manchmal bewerten alle zusammen die gesamte Leistung.

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Da dabei nicht einfach die Zeit gestoppt oder die Weite gemessen wird, sondern die Bewertungen von Menschen entschieden werden, spielen die subjektive Wahrnehmung der Judges und die Individualität der Athleten eine wichtige Rolle.

Snowboard World Series in Laax. Ein Trick mit einem Grap

Snowboard World Series in Laax. Ein Trick mit einem Grab (Hand greift ans Sbowboard)

(Bild: AURA/Emanuel Ammon)

Die Bewertungskriterien

Bei Kriterien wie Höhe, Weite und Landung sind einzelne Sprünge relativ einfach zu unterscheiden und zu bewerten. Ein bisschen komplizierter wird es zum Beispiel schon beim Kriterium Schwierigkeitsgrad. Bei Sprüngen gilt der Grundsatz, dass mehr Umdrehungen schwieriger sind, jedoch müssen da immer noch Überkopf-Rotationen und verschiedene Grabs (Griffe ans Brett) einberechnet werden. So entsteht mal die Punktzahl für den Trick selbst, dann sollte aber auch noch der Faktor Kreativität einbezogen werden. Denn ein Fahrer zeigt vielleicht einen Sprung, welcher technisch sehr anspruchsvoll ist, jedoch von vielen Fahrern gemacht wird. Ein anderer Fahrer zeigt aber einen Sprung, der vielleicht technisch nicht unbedingt anspruchsvoller ist, jedoch von keinem anderen Fahrer oder sehr selten gemacht wird.

Solche Entscheidungen sind schlussendlich immer den Judges überlassen und können so von Wettkampf zu Wettkampf variieren. Deshalb gibt es auch nicht einen besten Trick, da es so viele verschiedene Tricks und Kriterien gibt. Bei Rails (Geländer) spielt der Faktor Kreativität noch eine grössere Rolle, da es dort noch viel mehr verschidene Tricks und Optionen gibt. Deshalb sind Rails aus meiner Sicht die schwierigsten Hindernisse zum Bewerten.

Wenn ein Judge das Outfit schon nicht mag, beeinflusst dies im Unterbewusstsein schon das Gesamtbild eines Fahrers.

Dario Burch, Profi-Snowboarder

Das komplizierteste Kriterium ist der Style. Style bedeutet, wie man Tricks aussehen lässt. Style ist etwas Individuelles, was bei jedem Snowboarder unterschiedlich ist. Da Style so individuell ist und in so vielen verschiedenen Arten und Formen kommt, gibt es nicht wirklich einen besseren und einen schlechteren Style. So wie Menschen unterschiedliche Farben als schön empfinden, läuft es auch beim Style rein auf die subjektive Wahrnehmung der beurteilenden Person hinaus. Dabei gibt es auch ganz unbewusst noch Einflüsse wie zum Beispiel die Kleidung, die ein Fahrer trägt. Wenn ein Judge das Outfit schon nicht mag, beeinflusst dies im Unterbewusstsein schon das Gesamtbild eines Fahrers.

Es kommt auch vor, dass bekanntere Namen teilweise bessere Bewertungen erhalten, da nur schon der Name das Gesamtbild von Judges beeinflussen kann.

Dies ist meiner Meinung nach die grösste Herausforderung, die gute Judges zu meistern haben. Denn diese sollten theoretisch die Leistungen objektiv betrachten und keine «Vorlieben» haben. Da dies praktisch für Menschen jedoch nicht möglich ist, muss dies einfach so gut es geht ausgeübt werden. Das heisst, dass alle Fahrer möglichst gleich angeschaut werden.

Judging ist und bleibt ein schwieriger und teilweise undankbarer Beruf, da man nie alle Athleten und Coaches zufriedenstellen kann. Genau so wird die subjektive Wahrnehmung der Judges immer eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn es manchmal nur Zehntel Punkte ausmacht, können genau diese über einen Sieg entscheiden. Doch dies macht die Sportart sehr spannend, da es immer für Abwechslung sorgt und sich die Sportart immer in neue Richtungen entwickelt.

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