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Silbermedaille und ein «Krimi» an den Weltmeisterschaften
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Grosse Freude und Erleichterung (Bild: cism-wmc.ch)

Nicht allen Nationen behagte Alltag in der Militärkaserne Silbermedaille und ein «Krimi» an den Weltmeisterschaften

3 min Lesezeit 03.08.2018, 09:50 Uhr

Die Rothenburgerin Petra Lustenberger qualifizierte sich für die Militärsport-Weltmeisterschaften in Thun, an der Athleten aus 46 Nationen teilnahmen. Dabei gab es einige Highlights – nicht nur wegen der Teilnahme von Ländern wie Palästina oder Nordkorea, sondern auch wegen der Unterbringung in der Militärkaserne.

An Weltmeisterschaften vor eigenem Publikum zu starten, ist ein aussergewöhnliches Ereignis für einen Sportler. Für mich wurde dieser Traum wahr. Vom 29. Mai bis 6. Juni fanden in Thun die 50. Militärsport-Weltmeisterschaften im Schiessen statt. Als Absolventin der militärischen Spitzensport-Rekrutenschule hatte ich das Privileg, teilzunehmen, musste mich aber zuvor bei Qualifikationswettkämpfen behaupten.

46 Nationen haben sich für die 50. CISM-Weltmeisterschaften (CISM = Conseil International du Sport Militaire) angemeldet, darunter auch Nationen wie Nordkorea oder Palästina. Insgesamt waren über 360 Athleten am Start. Ich erlebte einige spannende, lustige und kuriose Highlights.

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«Lilö» im 12-Bett-Raum

Zusammen mit den anderen Nationen rückte ich in die Militärkaserne in Thun ein, die für rund neun Tage mein Zuhause war. Das Schweizer Damenteam teilte sich den 12-Bett-Raum mit den Athletinnen aus der Ukraine. Diese Konstellation war anfänglich vor allem wegen der Verständigung ein wenig von Skepsis begleitet, welche sich aber schnell auflöste, denn es entwickelte sich ein angenehmes freundschaftliches Verhältnis.

Die militärische Disziplin bekamen wir bereits am ersten Tag zu spüren. Denn der Tag begann in aller Herrgottsfrüh. Tagwache um 05.30 Uhr, «Lilö» (Lichterlöschen) um 22.00 Uhr. Mit den recht spärlichen Platzverhältnissen und der Militärkost kamen nicht alle Nationen zurecht. So zog etwa die Mannschaft aus Katar kurzerhand in ein Hotel um.

Hohe Gäste

Die «50th World Military Shooting Championship» wurden auf den Thuner Rathausplatz festlich eröffnet mit dem Einmarsch der Athleten. Dort hiess der Chef der Armee, Korpskommandant Philippe Rebord, die Sportler herzlich willkommen. Auch an der Schlussfeier war hoher Besuch anwesend, denn Bundesrat Guy Parmelin hielt das Schlusswort.

An den offiziellen Feiern und der Medaillenzeremonie wurden selbstverständlich die Militäruniformen getragen. Dabei staunte ich über die verschiedenen, zum Teil sehr wirkungsvollen und schmucken Bekleidungen der anderen Nationen. Insbesondere auch die Delegation des afrikanischen Lands Swasiland, welches bekanntlich oft mit «Switzerland» verwechselt wird, präsentierte sich eindrucksvoll.

Vize-Weltmeisterin mit dem Team

Zusammen mit Nina Christen und Vanessa Hofstetter erkämpfte ich im Dreistellungswettkampf mit dem Kleinkalibergewehr die Silbermedaille. Die zahlreichen Zuschauer erlebten einen richtigen «Krimi». Zu diesem Wettkampf schrieb die Fachzeitschrift «Schiessen Schweiz»:

«Um 16.15 Uhr konnten sie jubeln: Vanessa Hofstetter und Nina Christen lagen sich in den Armen, nachdem Petra Lustenberger den 120. und letzten Schuss kurz vor Ablauf der Zeit abgegeben und die benötigte Zehn getroffen hatte. Die Silbermedaille für das Schweizer Team war Tatsache. Diese hing lange an einem seidenen Faden. Die Deutschen und die Schweizer Frauen lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beate Köstel hatte als letzte Schützin den Punktestand der Deutschen auf 3’494 Punkte hochgeschraubt. Damit war klar, Petra Lustenberger durfte sich in den letzten sieben Schüssen noch eine einzige Neun erlauben. Bis zum drittletzten Schuss blieb ihre Weste sauber. Die Luzernerin reihte Zehner an Zehner. Der drittletzte Schuss war eine 9.9. Doch Petra Lustenberger bewies Nervenstärke. Sie liess nochmals zwei Zehner folgen, wobei sie beim letzten Schuss wegen des aufkommenden Windes bis zur letzten Sekunde wartete. Dank ihrer 1’158 Punkte kam die Schweiz ebenfalls auf 3’494 Zähler und verwies wegen der höheren Anzahl Innen-Zehner das nördliche Nachbarland auf den Bronzeplatz.»

Die Freude im ganzen Schweizerteam war riesengross. Dieses übertraf übrigens mit dem Gewinn von fünf Medaillen die Erwartungen.

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