Die so gar nicht langweilige Rückkehr zur Normalität
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Linus Bolzern auf der Simme im Berner Oberland. (Bild: Linus Bolzern)

Linus Bolzern ist Corona-Schweizermeister Die so gar nicht langweilige Rückkehr zur Normalität

3 min Lesezeit 28.07.2020, 11:01 Uhr

Endlich ist es da, das erste Rennen der Saison. Wie gut habe ich trainiert während Corona; und bin ich gut genug, um der Schnellste zu sein? Die Antwort auf diese Frage gibt der Luzerner Kanute Linus Bolzern in seinem Blogpost.

Die Rückkehr zur Normalität. Klingt irgendwie langweilig. Doch wir alle haben uns danach gesehnt. Das erste Mal wieder im Büro nach dem Homeoffice, endlich wieder auswärts essen oder in meinem Fall der erste Wettkampf der Saison. Dieser war für mich ganz und gar nicht langweilig und ich habe mich sehr darüber gefreut. Ganz normal war der Rückkehrwettkampf jedoch auch nicht. Doch zuerst mal von vorne.

Endlich wieder Wildwasser-Training

Am Anfang war das Kanu. Und das Kanu war beim Fluss. Aber nicht bei irgendeinem Fluss, sondern der Simme im Berner Oberland. Wir sind im Trainingslager und bereiten uns sieben Tage lang auf die Saison vor. Als Abschluss der Woche finden die Schweizer Meisterschaften im Sprint und auf der klassischen Distanz statt. Wegen Corona konnten wir lange Zeit gar nicht auf dem Wildwasser trainieren, umso mehr freute ich mich also auf diese Woche voller Wellen und Action.

Dafür eignet sich die Simme optimal. Sie ist technisch anspruchsvoll und bietet die Möglichkeit, eine Stunde am Stück Wildwasser zu fahren. Mehr will ich nicht. Mit meinen Jungs der Nationalmannschaft paddeln wir etliche Male den Fluss hinunter und treiben uns gegenseitig in die Erschöpfung. Doch wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Die Simmensteine löchern unsere fragilen Karbonboote und hie und da musste am Abend wieder ein Kahn geheilt werden. Mit etwas Karbon und Epoxidharz war das jedoch kein Problem.

Regenfälle gefährden Schweizer Meisterschaften

Das Wochenende naht und damit die Schweizer Meisterschaft. Den letzten Tag vor dem Rennen verbringen wir in Nidwalden auf der Engelbergeraa, wo auch das Rennen stattfinden wird. Mit unseren Booten jagen wir den Fluss hinunter und suchen den schnellsten Weg durch die Wellen und Strömungen. Top vorbereitet fühle ich mich parat für die Rennen am folgenden Tag.

Doch es kommt anders. Anstatt dass wir das Wasser mit unseren Booten teilen, kommt die Sintflut und die Engelbergeraa weist nach ergiebigen Regengüssen einen ungewöhnlich hohen Wasserstand auf. Wir müssen darum bangen, ob der Wettkampf überhaupt stattfindet. Die Vorfreude hat mich schon fast verlassen, doch der Fluss ist gnädig und es kommt Stunde um Stunde weniger Wasser vom Titlis. Wir sind bereit für den Start.

Der erste Titel ist gewonnen

Ich starte als klarer Favorit ins Rennen. Nicht meine Lieblingsrolle. Ich kann nur mein Bestes geben und darauf vertrauen, dass es schneller ist, als das Beste meiner Gegner. Also los! Am Samstag findet das Klassik-Rennen statt, welches aber aus Sicherheitsgründen gekürzt werden musste und nun etwa sieben Minuten dauert.

Es läuft gut und ich gewinne klar mit 21 Sekunden Vorsprung. Ich kann’s also noch. Auch trotz Corona. Jetzt muss ich auch im Sprint am Sonntag noch beweisen, dass ich die Nummer eins bin und dann kann ich mich der internationalen Konkurrenz zuwenden.

Mit knappem Vorsprung zum Sieg

Drei Läufe werden absolviert im Sprint. Aus den zwei Vorläufen qualifizieren sich die schnellsten zehn Athleten für den Final. Der erste Lauf ist gut. Jedoch unterbietet mich ein deutscher Konkurrent und ist, ach herrje, fünf Hundertstel schneller. Und auch sonst ist es knapp. Die ersten drei Athleten alle in einer Sekunde rangiert.

Klar, es ist nur der Vorlauf, aber ich kann das trotzdem nicht recht akzeptieren. Ich bleibe aber locker und fokussiere mich auf das Finale. Der Start ist gut, das Boot läuft schnell, ab durchs Ziel und am Schluss bleiben sieben Zehntelsekunden Vorsprung. Ich ergattere mir den zweiten Schweizermeistertitel und bin zufrieden.

Das Wettkampffeeling ist auferstanden!

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