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Christian Schwegler – Vorbild oder Hitzkopf?
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Christian Schwegler (Luzern) muss nach einer gelb-roten Karte frühzeitig vom Platz. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Christian Schwegler zeigt Kante und ist symphatisch Christian Schwegler – Vorbild oder Hitzkopf?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 11.09.2019, 10:45 Uhr

Er ist 35 Jahre alt und wurde mit Salzburg sechsmal Österreichischer Meister sowie fünfmal Cupsieger. Seit der Saison 2017/18 kickt Christian Schwegler wieder für den FC Luzern. Also für jenen Verein, bei welchem der Ettiswiler seine Profikarriere vor rund 18 Jahren lanciert hatte. Mittlerweile ist Schwegler nicht mehr der Schnellste, seine Leidenschaft ist aber ungebrochen.

Christian Schwegler lebt Fussball, auch mit über 35 Jahren gibt er auf dem Platz stets alles. So auch beim letzten Einsatz zu Hause gegen YB, als der Ettiswiler in der Nachspielzeit nach der zweiten Verwarnung vom Platz flog. Nun war Schwegler so richtig heiss, er ging auf Schiedsrichter Lionel Tschudi zu und applaudierte in seine Richtung. Schwegler kochte, für kurze Zeit hatte ich Angst, dass er dem Schiri eine verpassen wird. Zum Glück bewahrheiteten sich meine Gedanken nicht, Schwegler lief wutentbrannt von dannen.

Beim Linienrichter angekommen, ging sein Gemecker jedoch weiter. Vergeblich versuchte ich Chregu von der Tribüne aus zu beruhigen. Wortlos stampfe er an mir vorbei in Richtung Kabine, die Wut in Schweglers Gesicht war aber auch von einiger Entfernung aus gut sichtbar.

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Darf sich ein Routinier so etwas erlauben?

Nach diesem tollen Spiel gegen YB mit vielen Emotionen gingen die Diskussionen noch auf der Tribüne los. Was soll dieses Theater von Schwegler, der ist doch kein Vorbild für die jungen Spieler, hörte ich. Der schadet der Mannschaft und dem Verein mit seinen Kapriolen, seine Zeit sei abgelaufen, schrieb ein Fan später in einem Kommentar in den sozialen Medien.

Ja, ich gebe zu, man kann diese Meinungen haben und vertreten. Ich persönlich sehe dies aber anders. Warum? Weil der FC Luzern genau solche Typen wie Christian Schwegler braucht. Bei uns in Luzern reicht es nicht, nur technisch versierte Spieler wie Lezcano, Kahraba oder aktuell Eleke in den eigenen Reihen zu haben.

Wir Innerschweizer brauchen Kämpfer, welche sich 90 Minuten lang für blau und weiss zerreissen und mit dem Herz dabei sind. Wenn Christian Schwegler auf dem Platz steht, läuft immer etwas. Natürlich macht er das eine oder andere unnötige Foul und natürlich holt er sich viel zu viele gelbe Karten ab. Aber er lebt Fussball, er lebt Luzern und verteidigt seine Farben auch gegen 12 Mann.

Wir brauchen endlich professionelle Schiedsrichter

Denn wir müssen ehrlich sein, hektisch hat das Spiel zwischen Luzern und YB nicht Christian Schwegler, sondern Schiedsrichter Lionel Tschudi gemacht. Leider zeigte dieser einmal mehr eine schwache Leistung. Warum Tschudi Super League und nicht Spiele in der 3. Liga pfeift, weiss wohl keiner so genau.

Liebe Liga, ihr müsst nicht immer die Fans anprangern, wenn die Stimmung am Ende eines Spiels laut und emotional ist. Wir brauchen in der Schweiz endlich professionelle Schiedsrichter, leider sind wir auch im Jahr 2019 meilenweit davon entfernt. Zurück zum packenden Spiel zwischen Luzern und YB.

Die Schlussphase war extrem hektisch, es ging hin und her, beide Teams suchten den Sieg. Luzerns Ndenge wurde an der Strafraumgrenze gelegt, der Pfiff blieb aus. Auf der anderen Seite die identische Szene, doch nun pfiff Tschudi und stellte Schwegler wegen einer leichten Berührung mit gelb-rot vom Platz. Meine Damen und Herren, bitte seid ehrlich, wer von euch wäre in dieser Szene ganz ruhig vom Platz gelaufen?

Ich bestimmt nicht und darum finde ich auch, dass solche Emotionen zum Fussball gehören. Christian Schwegler darf das, was er gemacht hat – Punkt.

Typen sind anscheinend nicht mehr gefragt

Christian Schwegler ist und bleibt für mich ein Vorbild und kein Hitzkopf. Chregu ist einer der letzten Typen im Schweizer Fussball. In einem Business, in welchem im Jahr 2019 Spieler mit Ecken und Kanten anscheinend nicht mehr gewünscht sind.

Standartantworten gegenüber den Medien sind Pflicht, bitte einfach keine Skandale, ist wohl die Devise der Clubs. Und wenn in der Vergangenheit einmal ein FCL-Spieler mit dem Roller mitten in der Nacht durch den Bahnhof fuhr oder ein anderer sich vor dem McDonald’s übergeben musste, waren solche Geschichten tagelang die Story in den Boulevard-Blättern.

Nein, Christian Schwegler fuhr weder mit dem Roller durch den Bahnhof, noch musste er sich mitten in Luzern übergeben. Schwegler ist aber einer, der sagt was er denkt. Standantworten vor den Medien sind nicht sein Ding. Er getraut sich auch, öffentlich das System des Trainers in Frage zu stellen.

Halleluja, zum Glück macht Schwegler das. Wo sind wir denn, wenn die Spieler nicht einmal mehr einfache Fragen beantworten dürfen? Emotionen gehören zum Fussball – auf und neben dem Platz. Christian Schwegler lebt diese Emotionen in Reinkultur. Bitte mach weiter so, lieber Chregu. Der FC Luzern braucht deine Leidenschaft noch eine Weile.

Hopp Lozärn

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1 Kommentare
  1. Alois, 11.09.2019, 13:10 Uhr

    Gegen YB war das erste mal in dieser Saison eine Mannschaft auf dem Platz, welche sich Mannschaft nennen durfte. Das erste Zeichen dahingehend spielte sich in den Anfangsminuten ab, als Schwegler rüde gefoult wurde. Da hielt der FCL zusammen und stellten sich demonstrativ vor den Schiedsrichter. Ab diesem Zeitpunkt zeigte der FCL endlich Charakter.